Die Plauderbank ist oft die erste Anlaufstelle: Ganz ungezwungen können sich ältere Menschen dort in der Fußgängerzone hinsetzen, erzählen, zuhören. „Man erfährt sehr viel über die Menschen. Viele nehmen danach auch andere Angebote des Seniorenbeirats an“, sagt Gisela Lepke. Sie ist Vorstandsmitglied im Seniorenbeirat, der die Plauderbank einmal im Monat an einem Markt-Freitag vor Gerstgarbe mitten in Meschede anbietet. Das ist nur eines von vielfältigen Angeboten des Seniorenbeirats.
Im November wird der neue ehrenamtliche Seniorenbeirat gewählt – engagierte Mitbürgerinnen und Mitbürger, die teamorientiert denken und handeln, können sich bereits jetzt beim Vorstand melden. 18 Mitglieder hat er derzeit. Die Amtszeit dauert 4 Jahre. Kandidieren können Bürgerinnen und Bürger im Ruhestand ab 60, im Vorruhestand ab 55, bei Erwerbsunfähigkeits- oder Erwerbsminderungsrente ab 55. Eintragen können Interessierte sich in Listen im Bürgerbüro. Vereine und Institutionen, die für und mit Seniorinnen und Senioren arbeiten, entsenden Delegierte, die dann im November den neuen Seniorenbeirat wählen.
Für Bürgermeister Christoph Weber ist der Seniorenbeirat ein wichtiges Instrument, mit dem sich ältere Bürgerinnen und Bürger in die Gestaltung des generationengerechten Lebens in der Stadt Meschede einbringen können. „Die Zusammenarbeit läuft sehr gut, es wird zielführend diskutiert“, betont er. Das Interesse der Stadtverwaltung sei groß, dass „das so engagiert weiterläuft“. Die Mitglieder des Seniorenbeirats seien quasi „Brückenbauer zwischen Verwaltung, Politik und Bürgern“.
Vorsitzender Horst Radtke legt Wert darauf, dass die Generation 60 plus „einen eigenen Blickwinkel zu bestimmten Themen beisteuern kann“. Das gilt zum Beispiel für barrierefreies Wohnen – beim Rinschen Park etwa unterstützten die Seniorinnen und Senioren maßgeblich bei der Planung, so Bürgermeister Christoph Weber. Die Vielzahl der Aktivitäten des Seniorenbeirats sei in den letzten Monaten massiv ausgebaut worden, lobt er.
Ganz wichtig sind die niederschwelligen Angebote für ältere Menschen: Ob Tanztee, Konzert, Sprechstunde, Kino, Vorträge oder Plauderbank – das Interesse ist stets groß. „Das sind großartige flexible und breit gefächerte Angebote“, freut sich Gisela Bartsch, Leiterin des Fachbereichs Generationen, Bildung, Freizeit. Und: „Der Seniorenbeirat arbeitet sehr eigenständig, das ist eine äußerst engagierte Gruppe.“ Viele neue Themen seien angepackt worden, die eine große Bandbreite abdecken: Gesundheitsthemen etwa. Schwerpunktthemen waren bereits Patientenverfügung oder Demenz.
Der Seniorenbeirat, der unabhängig und überparteilich arbeitet, hat, so Vorsitzender Horst Radtke, 6.000 Unterschriften für die Einrichtung einer Notfallpraxis in Meschede gesammelt: „Die Ambulanz des Krankenhauses wird überschwemmt, weil wir hier vor Ort keine Notfallpraxis haben.“ Derzeit sammelt man Informationen zum Thema „Stationäres Hospiz“ in Meschede. Auch da sieht der Seniorenbeirat Bedarf. Netzwerkarbeit und Kooperationen mit anderen spielen eine große Rolle bei seinen Aktivitäten. Zweimal im Jahr gibt’s einen runden Tisch mit allen Gruppierungen, die mit Senioren arbeiten, um Austausch von Themen und Terminen hinzubekommen. Mitglieder des Seniorenbeirats sind auch als sachkundige Bürger in Ausschüssen des Stadtrates vertreten.
Die Freizeitangebote des Seniorenbeirats werden sehr gut angenommen: Bei Angeboten im H1 am Hennesee oder Busfahrten ist der Andrang groß. „Wir können uns nicht retten vor Anmeldungen“, lächelt Horst Radtke. Zum Kino für Senioren kamen beim ersten Mal 40 Besucher – beim letzten Mal 130. „Das ist jetzt ein Selbstläufer“, erzählt Vorstandsmitglied Mechthild Bökenkamp. Wichtig ist dem Seniorenbeirat, „dass auch Bewohnende aus den Heimen dabei sein können“. Sponsoren wurden gefunden damit auch Seniorinnen und Senioren dabei sein können, bei denen der Euro nicht so locker sitzt.
Kontakteknüpfen ist wichtig – das geht manchmal mit einem Trick, wie Gisela Lepke erläutert: „Bei uns sitzt man nicht in Gruppen, sondern wie man ankommt.“ Viele ältere Menschen sind einsam – und hier können sie neue Leute kennenlernen, vielleicht sogar Freundschaften knüpfen.
„Im Ehrenamt bringt sich jeder so ein, wie er kann und möchte – mit Talent und Zeit“, so Bürgermeister Christoph Weber. Gisela Lepke betont: „Man muss Spaß daran haben, mit Menschen zu arbeiten.“ Für Mechthild Bökenkamp ist die Motivation klar: „Wir freuen uns, dass unsere Angebote so viel Interesse finden.“ Und: „Mir macht das ungeheuer viel Spaß. Ich denke nicht an die Zeit, ich freue mich auf jeden Termin. Das ist wichtig, Freude sollte man mitbringen.“
Mechthild Bökenkamp erläutert, man biete potenziellen Kandidatinnen und Kandidaten ausdrücklich an, vorab eine Schnupperphase beim jetzigen Seniorenbeirat zu machen: „Damit wir uns vorab kennenlernen – und die Kandidaten wissen, was auf sie zukommt.“ Dabei könne man hinter die Kulissen schauen – und natürlich eigene Ideen vorbringen.Eine Kontaktaufnahme ist unter info@Seniorenbeirat-Meschede.de möglich. Weitere Informationen über die Arbeit des Seniorenbeirat finden Interessierte unter www.seniorenbeirat-meschede.de auf der Homepage.
Bei allen Bemühungen stehen die Menschen 60 plus im Mittelpunkt. „Der Lohn ist doch, wenn die Leute sagen: Das war der schönste Nachmittag seit langem. Dann geht mir das Herz auf“, sagt Mechthild Bökenkamp.
