Hinter einer hölzernen Tür im Mühlenweg 2 in Meschede steht eine historische Eismaschine. Doch nicht etwa Vanille, Stracciatella oder Schokolade wurde dort ab 1910 zu Eis verarbeitet: Stangeneis zum Kühlen für Metzgereien, Großbetriebe, Gaststätten und Brauereien wurde noch bis 1975 hergestellt. Seit 2025 steht die Eismaschine unter Denkmalschutz. Denn: Sie ist die einzige komplett erhaltene Blockeiserzeugungsanlage in Deutschland.
Hergestellt wurden damit 15 mal 15 Zentimeter dicke und 1 Meter lange Eisblöcke. 10 bis 12 Stunden dauerte die Herstellung von insgesamt 10 solcher Eisstangen. „Die trugen die Leute auf der Schulter etwa zu Gaststätten“, erläutert Heribert Baumeister vom Verein „Historische Kälte- und Klimatechnik e.V.“. Sogar gut betuchte Privathaushalte kauften die Eisblöcke zum Kühlen von Lebensmitteln.
In der Denkmalliste wird genau aufgeführt, was zu dieser Blockeiserzeugungsanlage gehört: ein Solekühlbecken samt Zellen, Auftaubecken, Kippapparat, Füllvorrichtung undLaufkran, ein Rohrbündel-Kondensator, eine Kolbenpumpe, ein Ammoniakverdichter mit Flachriemenantrieb, ein Antriebsmotor, die Elektrik, ein Soleluftkühler sowie das Gebäude darum herum – ein Maschinen- und ein Kühlraum aus rotem Backsteinmauerwerk mit Eisensprossenfenstern und Resten von Wandfliesen an den Innenwänden. Zum Denkmal gehören auch sämtliche Rohre, Leitungen und Messanzeigegeräte der Anlage.
Die jüdische Familie Ransenberg errichtete die Eismaschine 1910 nicht nur für ihre Metzgerei – ausgestattet mit sämtlichen technischen Neuerungen und elektrisch angetrieben. Denn: Bereits 1904 war in Meschede in Elektrizitätswerk gebaut worden. Jakob Ransenberg warb im Briefkopf stolz mit dem Namen „Wurst- und Fleischwaren-Fabrik mit electrischem Betrieb“. Von den Nationalsozialisten wurde die Familie 1938 enteignet, nach Inhaftierung und Flucht starb Albert Ransenberg in Frankreich, seine Frau Ella flüchtete nach Argentinien. Die Metzgerei übernahm Familie Rehl, baute die Anlage nach dem Krieg umgehend wieder auf.
Nejmettin Bayram war vorgewarnt, als die Bayram-Group, deren Gesellschafter er ist, den gesamten Gebäudekomplex 2026 von Familie Rehl kaufte. Neben neun Wohnungen und drei Ladenlokalen an der Zeughausstraße gehört auch der Hinterhof mit Nebengebäuden der früheren Metzgerei und die Blockeiserzeugungsanlage zur Immobilie. Die Vorbesitzerin informierte ihn über die Besonderheit: „Wir konnten erst mal gar nichts damit anfangen“, gesteht er. Man habe sich schlau gemacht und sei dann „proaktiv auf die Stadt zugegangen“.
Familie Bayram steht Ideen offen gegenüber. Das Ziel: „Lasst uns den Leuten zeigen, was hier für ein technisches Meisterwerk steht“, sagt Nejmettin Bayram. Eine Zusammenarbeit mit der Stadt Meschede sei ihm dabei wichtig.
Zwei Experten sind bereits besonders begeistert: Burkhard Rüßmann, Obermeister der Innung für Kälte- und Klimatechnik im Regierungsbezirk Arnsberg, und sein Stellvertreter Heribert Baumeister. Sie haben schon genaue Vorstellungen, wie es weitergehen könnte: „Wir würden das gern der Öffentlichkeit zugänglich machen.“ Gemeinsam mit der Kälte-Innung im Regierungsbezirk Arnsberg, zu der 74 Unternehmen gehören, würde Heribert Baumeister mit dem Verein „Historische Kälte- und Klimatechnik e.V.“ gern die Patenschaft für das Denkmal übernehmen.
Der Verein hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Geschichte der Kälte- und Klimatechnik zu dokumentieren und sie der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Da passt die Meschede Eismaschine genau ins Portfolio. Als historisch interessantes Zeugnis der Kälte- und Klimatechnik will der Verein, so Baumeister, sie sogar in der „Straße der Kälte“ dokumentieren.
Ein Schild an der Hauswand solle, so Heribert Baumeister und Burkhard Rüßmann Obermeister der Kälte-Innung, auf die Eismaschine hinweisen. Und: „Man könnte die Anlage etwas aufarbeiten, das Solebecken freilegen, vielleicht sogar die Maschine in die Bewegung bringen.“ Nur Eis könne man heute damit nicht mehr herstellen, da die damals verwendeten Kühlmittel heute nicht mehr erlaubt seien.
Bei Stadtführungen oder am Tag des offenen Denkmals könne man dieses sehr spezielle Denkmal zugänglich machen, regt Annika Dollberg, bei der Stadt Meschede für den Denkmalschutz zuständig, an.

