Mit Schülerkartei erschließt Stadtarchiv Meschede wichtige Quelle zur Familien- und Stadtgeschichte

Meschede. Das Stadtarchiv Meschede hat die Schülerkartei der ehemaligen katholischen Volksschule Meschede - der späteren Emhildis-Schule - erschlossen. Der Bestand umfasst knapp 1.000 Karteikarten von Schülerinnen und Schülern der Geburtsjahrgänge 1934 bis 1951. Die Unterlagen ermöglichen nicht nur Einblicke in die Schulzeit der Kinder, sondern besitzen auch eine besondere Bedeutung für die Familien- und Stadtgeschichte Meschedes.

Denn auf den Karteikarten sind unter anderem Namen, Geburtsdaten und -orte, Konfession, Schulbesuch sowie die Namen und Berufe der Eltern verzeichnet. Hinzu kommen individuelle Bemerkungen und auf der Rückseite die Zensuren in den jeweiligen Unterrichtsfächern.

Besonders wertvoll ist der Bestand aufgrund einer empfindlichen Überlieferungslücke in der Mescheder Stadtgeschichte: Die Meldekartei der Stadt Meschede aus der Vorkriegszeit wurde bei der Zerstörung des Rathauses im Februar 1945 vollständig vernichtet. Da die frühesten Einschulungen in der Schülerkartei bereits im Jahr 1941 dokumentiert sind, kommt der Bestand für diesen Zeitraum einer Meldekartei am nächsten. „Er stellt damit eine wichtige Ersatzüberlieferung für die verlorenen städtischen Meldeunterlagen dar“, unterstreicht Stadtarchivar Jannick Stöber, „gerade für die Familien- und Ortsgeschichte bietet die Schülerkartei Informationen, die andernfalls vielfach nicht mehr nachvollziehbar wären.“

Über die reinen Personendaten hinaus geben die Bemerkungsfelder einen unmittelbaren und anschaulichen Einblick in die Lebensverhältnisse der damaligen Zeit. So finden sich beispielsweise Hinweise auf Flüchtlingskinder aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten und deren teilweise verspätete Einschulung. Auch kriegsbedingte Schulausfälle sowie der Tod oder das Vermisstenschicksal von Vätern sind dokumentiert.

Weitere Einträge berichten von Erkrankungen wie Masern oder Tuberkulose, längeren Erholungsaufenthalten sowie Pflege- und Adoptivverhältnissen. Ebenso lässt sich nachvollziehen, wenn Kinder später auf weiterführende Schulen wie das Gymnasium oder die Realschule wechselten. „In der Gesamtschau entsteht so ein kleinteiliges und zugleich authentisches Bild des Alltags in Meschede in den Kriegs- und frühen Nachkriegsjahren“, stellt Jannick Stöber fest, „die Karten machen sichtbar, wie stark die Folgen des Zweiten Weltkriegs auch das Leben von Kindern und Familien prägten.“

Die Schülerkartei erfasst ausschließlich die Schülerinnen und Schüler der katholischen Volksschule. Sie kann daher kein vollständiger Ersatz für ein städtisches Melderegister sein. Kinder anderer Konfessionen oder Schulformen sind in dem Bestand nicht verzeichnet. Dennoch handelt es sich um eine der umfangreichsten personenbezogenen Quellen aus dieser Zeit, die im Stadtarchiv Meschede überliefert sind. Stadtarchivar Stöber: „Mit ihrer Erschließung steht nun eine wichtige Grundlage für die weitere Familien-, Orts- und Stadtgeschichtsforschung zur Verfügung.“

Eine Einsichtnahme in die Karteikarten ist grundsätzlich möglich, sofern ein berechtigtes Interesse vorliegt. Dabei gelten die archivrechtlichen Schutzfristen: Diese laufen 100 Jahre nach der Geburt beziehungsweise 30 Jahre nach dem Tod der jeweiligen Person ab. Für den vorliegenden Bestand ist eine Einsichtnahme daher frühestens ab dem Jahr 2034 möglich. Interessierte, die die Schülerkartei für familien- oder stadtgeschichtliche Recherchen nutzen möchten, können sich mit ihrem Anliegen an das Stadtarchiv Meschede über die bekannten Kontaktwege wenden.