Meschede. „Lernen funktioniert nur mit Freude und Spaß“, weiß Claudia Bertels, Leiterin des Gymnasiums der Stadt Meschede – eine Aussage, die ihre Kolleginnen und Kollegen von den anderen drei weiterführenden Schulen in Trägerschaft der Stadt Meschede voll unterstützen. Und damit junge Menschen Freude am Lernen entwickeln, ist es wichtig, dass sie genau die Schule besuchen, die zu ihnen passt. Um diese zu finden, ist die Schulempfehlung der Grundschule eine ganz wichtige Voraussetzung.
Allerdings: Eine zunehmende Zahl an Eltern setzt sich bei der Auswahl der Schule für ihr Kind über die Empfehlung der Grundschule hinweg. Was in guter Absicht geschieht, hat für die Kinder meist Folgen, die alles andere als positiv sind, wissen die heimischen Schulleitungen. „Der überwiegende Teil derjenigen, die mit einer reinen Hauptschul-Empfehlung zu uns kommen, verlässt uns wieder“, sagt Gregor Vogt, Konrektor der Städtischen Realschule Meschede – in den vergangenen fünf Jahren waren das an der Realschule rund 70 Prozent der betroffenen Schülerinnen und Schüler, die vor einem Abschluss wieder gewechselt sind.
Hinter diesen Zahlen stecken junge Menschen, die dann in eine alles andere als einfache Situation kommen. Solche so genannten Rückläufer seien dann „oft frustriert und desorientiert“, weiß Nathalie Evers-Stumpf, Leiterin der Konrad-Adenauer-Hauptschule Freienohl. Überraschend ist das kaum: Nach einem Jahr mit schlechten schulischen Leistungen verlieren die Kinder mit dem Wechsel an eine andere Schule und in die neue Klasse noch ihr soziales Umfeld und müssen sich neu finden. Nicht immer klappt das: Manche Jugendlichen werden zu „Schulabsentisten“ – sie gehen einfach nicht mehr zur Schule. Nathalie Evers-Stumpf: „Sie kommen in eine Verweigerungshaltung rein.“
Die Schulleiterinnen und -leiter raten deshalb allen Eltern, sich ernsthaft mit der Schulempfehlung der Grundschule ihres Kindes auseinanderzusetzen. Man bekomme in Elterngesprächen häufig zu hören, dass man nur das Beste für das Kind wolle, sagt Steffi Lehmenkühler. Die kommissarische Leiterin der St.-Walburga-Hauptschule empfiehlt den Eltern dann: „Denken sie mal zwei Jahre weiter.“
Denn die so genannte Erprobungsstufe – die Klassen 5 und 6 – legt ein wichtiges Fundament für die weitere schulische Entwicklung. Neben dem stärker werdenden sozialen Umfeld in der neuen Klasse geht es vor allem darum, dass die Jugendlichen auf ihrem Bildungsweg gefördert werden. Besonders wichtig dabei: Schulische Erfolge statt Frust-Erlebnisse. Wenn man zum Beispiel erlebe, dass ein nicht so leistungsstarker Grundschüler an ihrer Schule „plötzlich eine Eins in Mathe nach Hause bringt, dann leuchten die Augen“, berichtet Nathalie Evers-Stumpf - junge Menschen bekommen Erfolgserlebnisse und werden motiviert.
Das sei in jedem Fall besser, als an einer anderen Schule jedes Jahr um die Versetzung kämpfen zu müssen, ergänzt Gregor Vogt: „Wenn man dauerhaft Nachhilfe braucht – dann kann das nicht die richtige Schulform sein.“ Die Lehrerinnen und Lehrer an den Grundschulen wüssten im Regelfall sehr genau einzuschätzen, welche Schule für ein Kind die richtige sei – insbesondere durch die Bemerkungen zum Lern- und Arbeitsverhalten. Gregor Vogt: „Das ist manchmal deutlich aussagekräftiger als die eigentlichen Noten.“
Die Wahl der Schulform vom Übergang zur weiterführenden Schule solle für Kinder Rückenwind sein, nicht Rucksack – darin sind sich die Schulleitungen einig. Denn mit einer erfolgreichen Schullaufbahn – auf der individuell richtigen Schule – stehen jungen Menschen dann alle Wege offen, wenn es drauf ankommt – nämlich am Ende der Schullaufbahn. Nathalie Evers-Stumpf: „Auch Hauptschulen vergeben den mittleren Schulabschluss – mit Vermerk für den Besuch der gymnasialen Oberstufe.“ Steffi Lehmenkühler betont die intensiven Fördermöglichkeiten, die Hauptschulen durch die kleineren Klassen bieten: „Wir arbeiten sehr nah am Kind.“ Zudem gebe es bei einer positiven Entwicklung ebenso die Möglichkeit, während der Erprobungsphase auf eine andere Schule zu wechseln – dann aber auf Basis starker Leistungen und nicht mit Frust-Erlebnissen.
Wunsch der heimischen Schulleitungen an die Eltern ist es daher, die Schulempfehlung der Grundschule zu beachten – als Basis für eine positive Entwicklung der Kinder. Claudia Bertels bringt es auf den Punkt: „Wichtig ist das glückliche und zufriedene Leben des Kindes. Und das ist nicht gleichbedeutend damit, die – vermeintlich – höchstmögliche Schulform zu wählen.“
