Meschede wächst nicht durch Lautstärke, sondern durch Verlässlichkeit

Dass das Jahr 2026 nicht einfach werden wird, war beim gemeinsamen Jahresempfang von Interessengemeinschaft Mescheder Wirtschaft (IMW) und Stadt Meschede Tenor aller Reden.

Und dennoch: Wer die Chancen, die es ebenfalls gibt, nutzen will, braucht dazu Tatkraft, Innovationsfreude und den Schulterschluss vieler Akteure. Gerade Letzterer ist ein Markenzeichen der Veranstaltung, zu der sich jetzt mehr als 300 Gäste aus Wirtschaft, Politik, Bürgerschaft und öffentlichen Leben im Foyer der Stadthalle versammelt hatten.

Für die IMW begrüßte Vorsitzender Frank Hohmann die Besucherinnen und Besucher – und er machte deutlich, dass der wirtschaftliche Ist-Zustand – mit einer Steigerung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 0,2 Prozent nach zwei Rezessionsjahren – nicht Anspruch des Handelns sein könne. „Um unseren jetzigen Wohlstand zu sichern und weiter auszubauen und um eine gesicherte Rentenzahlung durchzuführen, ist es zwingend erforderlich, dass wir eine Steigerung von rund 2,0 Prozent erwirtschaften“, so Frank Hohmann: „Dies wird nur durch ein solides Wirtschaftswachstum in Verbindung mit einem zielgerichteten Umbau unseres Sozialstaats gelingen.“

Der Weg dorthin könne nur über Investitionen führen, unterstrich der IMW-Vorsitzende, „primär in Zukunftstechnologien, insbesondere in Künstliche Intelligenz (KI) und Bildung.“ Wer Zukunftstechnologien richtig beherrsche und sie strategisch klug einsetze, schaffe die Grundlage für nachhaltiges Wachstum. In den USA werde pro Kopf etwa siebenmal mehr in Schlüsseltechnologien investiert wird als in Deutschland – Frank Hohmann: „Da haben wir noch erheblich Luft nach oben.“

Neben den zu hohen Energiekosten, den hohen Steuerabgaben und dem Fachkräftemangel seien die Bürokratiekosten eine Belastung. Zwischen 2019 und 2024 habe die EU-Kommission rund 6.300 Rechtsakte auf den Weg gebracht – Frank Hohmann: „Das sind statistisch gesehen mehr als drei neue Regelungen pro Tag.“ Für Unternehmen bedeute das mehr Berichtspflichten, mehr Dokumentation, mehr Komplexität, ein hoher Aufwand bei Steuer- und Buchhaltungspflichten „und leider weniger Innovationstätigkeiten.“

Bürgermeister Christoph Weber bezeichnete den gemeinsamen Jahresempfang als wichtiges Signal: „Stadt und Wirtschaft stehen in Meschede zusammen.“ Im abgelaufenen Jahr habe man im Stadtgebiet weiter investiert – „in die Infrastruktur, in die Bildung, in die Digitalisierung und in die Stärkung unseres Wirtschaftsstandortes“, so Christoph Weber: „Gleichzeitig haben wir wichtige Schritte unternommen, um Innenstadt und Wohnquartiere in allen Stadtteilen weiterzuentwickeln. Meschede wächst dabei nicht durch Lautstärke, sondern durch Verlässlichkeit.“

Verwaltung und Politik werden auch 2026 weiter an verlässlichen Rahmenbedingungen, einer resilienten Energieversorgung und einer Verwaltung, die lösungsorientiert handelt, arbeiten: „Nicht alles geht sofort. Aber die Richtung ist klar.“ Christoph Webers Vision sei „eine Stadt, die Chancen erkennt, Veränderungen aktiv gestaltet und ihren Charakter behält. Meschede soll ein Ort bleiben, an dem man investieren möchte, arbeiten kann und gerne lebt.“ Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Bürgerschaft müssten dabei weiter konstruktiv zusammenarbeiten, „wobei unterschiedliche Meinungen in einer lebendigen Demokratie dazu gehören.“

„Deutschland gestalten – wie wir mit Entschlossenheit Zukunftskraft entfalten und Sicherheit stärken“ hatte Dr. Christoph von Marschall seinen Impulsvortrag überschrieben. Seit 1991 ist er Redakteur der Zeitung „Der Tagesspiegel“ in Berlin – und Experte für internationale Beziehungen. Er appellierte, sich von früheren Gewissheiten zu verabschieden – und ebenso vom „Schwarz-Weiß-Denken“: Die neuen Realitäten seien „eine Welt der Grautöne, der Zwischentöne.“ Deutschland müsse sich aus dem „Wunsch-Modus“ verabschieden, in dem man seit Jahrzehnten unterwegs sei: „Wir müssen die Welt nehmen, wie sie ist – nicht, wie wir sie gerne hätten.“ Priorität müssten drei Punkte haben: Sicherheit durch eine glaubwürdige Abschreckung, Wirtschaftswachstum und eine „Antwort auf die Migrationskrise“.

Deutschland „könne Krise“, unterstrich Christoph von Marschall: Mit den Reformen der Agenda 2010 habe sich das Land Anfang der 2000-er Jahre vom „kranken Mann“ zum Wachstumsmotor entwickelt und auch jetzt gebe es reichlich Kraft für Lösungen – Beispiele seien die Sicherstellung der Gasversorgung zu Beginn des Ukraine-Kriegs oder der Corona-Impfstoff des deutschen Start-ups Biontech, „der die halbe Welt aus dem Lockdown geholt hat.“

Auch das eigentliche Ziel des Jahresempfangs kam nicht zu kurz: Austausch, Begegnung, Dialog zwischen Wirtschaft, Politik und Bürgerschaft. Musikalisch begleitet wurde die Veranstaltung von einem Streichquartett der Musikschule Hochsauerlandkreis mit Emma Bauer, Noa Treeck, Maja Höing und Emma Ediger, die krankheitsbedingt von ihrem Musikschullehrer Zoltán Czeglédi vertreten wurde – in Sachen Kultur und Musik dürfte die Stadt Meschede damit ganz sicher ein attraktiver Ort für junge Menschen sein.