Geschichte
Jüdische Bewohnerinnen und Bewohner sind seit der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts in Meschede wie auch an vielen anderen Orten in Westfalen namentlich erfasst. Seitdem gab es in der Stadt eine kleine jüdische Gemeinde, die im 19. Jahrhundert auf ca. 50 Personen anwuchs. Die Mescheder Juden waren meist Geschäftsleute. So waren Anfang des 20. Jahrhunderts fünf von acht Textilgeschäften in jüdischem Besitz.
Bevor die jüdische Gemeinde in Meschede eine eigene Synagoge baute, versammelte sich die Gemeinde in einer Stubensynagoge im Haus des jüdischen Pelzhändlers Berghoff in der Mittelstraße / heute Haus Kotthoff, Gutenbergstraße. 1879 wurde die neue Synagoge in der Kampstraße eingeweiht. Zum Synagogenbezirk gehörten auch die in den umliegenden Ortschaften wohnenden jüdischen Familien.
Der Neubau der zweigeschossigen Synagoge bestand aus roten Ziegeln. An der Front befanden sich große Rundbogenfenster und eine zweiflüglige Eingangstür, über der Tür im zweiten Stock ein rundes Fenster. Ein seltenes Ornament der Fenster war jeweils ein fünfzackiger Stern, der als „Siegel Salomos“ bezeichnet wird.
Die damalige Innenausstattung der Synagoge lässt sich nur durch Berichte von Zeitzeugen rekonstruieren. Demnach erstreckte der sich im hinteren Teil des Gebäudes befindliche Gebetsraum über beide Etagen. Die Bankreihen bestanden aus Naturholz. Ein Mittelgang mit einem roten Teppich führte zum Thoraschrank an der nach Osten gelegenen Stirnseite. Die Sitzbänke waren mit Klappen versehen, um darin die Gebetbücher, Gebetsschals und Kippas der Männer aufzubewahren. Die Frauen saßen getrennt von den Männern auf einer Empore, die sich im hinteren Teil der Synagoge befand und über eine Holztreppe zu erreichen war. Dort stand auch ein Harmonium.
Im vorderen Teil des Hauses wohnte im zweiten Stock auf der rechten Seite der Kantor. Auf der linken Seite war der Unterrichtsraum, in dem die jüdischen Kinder Hebräisch und die Rituale des Judentums lernten. Im Erdgeschoss links gab es ein Zimmer für eine Haushälterin.