Interessengemeinschaft Mescheder Wirtschaft mit Impulsvortrag zur Zeitenwende

IMW resümiert erfolgreiches Geschäftsjahr gemeinsam mit Impuls des Bundestagsabgeordneten Dirk Wiese

Die Interessengemeinschaft Mescheder Wirtschaft - kurz IMW - begrüßte bei der diesjährigen Mitgliederversammlung Anfang Juni den stellvertretenden Vorsitzenden der SPD-Bundestagsfraktion Dirk Wiese aus Brilon mit einem Impulsvortrag. Thema des Beitrags war die aktuelle Zeitenwende in Europa und Deutschland sowie deren Auswirkungen auf die Wirtschaft in Südwestfalen.

Geschäftsbericht und neue Projekte in der IMW-Mitgliederversammlung  

In der gut besuchten Mitgliederversammlung präsentierte der IMW-Vorsitzende Frank Hohmann zunächst den Geschäftsbericht aus dem letzten Jahr. Deutlich wurde, dass die IMW sich auch in Coronazeiten stets am Bedarf der Mitglieder orientiert und neue Projekte ins Leben gerufen hat. Hierzu zählten unter anderem die IMW-Teststelle gemeinsam mit dem Werksarztzentrum, eine Mitgliederbefragung zusammen mit der Wirtschaftsförderung sowie neue digitale Veranstaltungen wie  „IMW im Gespräch“ mit dem Verwaltungsvorstand der Stadt Meschede. Besonders das Sommerfest als Ersatz-Netzwerktreffen für den ausgefallenen Jahresempfang wurde überaus positiv bewertet, um den Austausch zu fördern.

Neben der Netzwerkbildung und politischen Vertretung gehört zum Markenkern der IMW die Nachwuchs- und Fachkräfteförderung. Hierzu berichtete Wirtschaftsförderin Christina Wolff über das vergangene Jahr und die Weiterentwicklungen in den Projekten der BerufsInfoBörse, der UnternehmensWoche und den digitalen Standortkatalog. Frank Hohmann ergänzte den Geschäftsbericht abschließend mit der Fortführung des erfolgreichen Kids Support Projektes und dem neuen StartbahnMES Paket für alle Mescheder Schulabsolventen. Er präsentierte weiterhin das neue Logo der IMW, das nach nunmehr 20 Jahren modernisiert wurde und die Interessengemeinschaft seit April dynamisch und modern nach außen darstellt. Künftig wird die IMW weiter die Diskussion zum Gewerbesteuer-Hebesatz als wichtiger Standortfaktor fortführen. „Kernthemen der IMW werden zunehmend die Fachkräftegewinnung und die Stärkung des Wirtschaftsstandortes im Sauerland sein“, fasste Frank Hohmann am Ende des Berichtes die Aufgaben für die Zukunft zusammen.     

Impulsvortrag zur Zeitenwende von Dirk Wiese

Auf Einladung der IMW ging anschließend der Bundestagsabgeordnete Dirk Wiese in seinem Vortrag zunächst auf das historisch gewachsene Europa und verschiedene Faktoren und Auswirkungen der Zeitenwende ein. Dabei wurde vor allem deutlich, dass die dynamische Institution Europa immer kritische und positiv bewertete Zeiten aufwies. Die Wirtschaft sei jedoch in allen Zeiten in besonderem Maß auf einen funktionierenden Binnenmarkt angewiesen. „Eine Zeitenwende ist“, laut Dirk Wiese, „nicht nur aufgrund der geänderten Rahmenbedingungen durch den Russland-Ukraine-Krieg nötig, hier durch muss diese jedoch beschleunigt stattfinden.“

Der für alle in diesem Ausmaß überraschende russische Angriff habe nicht erst zu Beginn diesen Jahres gezeigt, dass in Krisen schnelle Entscheidungen nötig sind - auch außerhalb des vereinbarten Koalitionsvertrages. Wiese betonte ausdrücklich, dass Politik in Krisenzeiten situativ Entscheidungen anders treffen muss als in Friedenszeiten. Da habe der 24. Februar vieles verändert.

Positiv resümierte Dirk Wiese den Zusammenhalt der EU-Gremien: „Das NATO-Bündnis ist zum Ärger Russlands enger zusammengerückt und Abstimmungen laufen hervorragend“. So konnten Sanktionspakete als Antwort auf den russischen Angriff sehr schnell vorbereitet und eingesetzt werden. Zudem sei die Hilfsbereitschaft enorm. „Ich gehe jedoch auch davon aus, dass die Ukraine noch lange weitere Unterstützung benötigen wird“, berichtete Wiese aus seinen persönlichen Kontakten in die Ukraine.

Die vorrangigen Herausforderungen fasste Wiese in seinem Impuls mit unterbrochenen Lieferketten, unsicheren Energieverfügbarkeiten sowie Preissteigerungen zusammen. Die Politik habe die Aufgabe mit Augenmaß zu handeln, aber ebenfalls die wirtschaftlichen Strukturen aufrechtzuerhalten. „Wir werden keinen Schutzschild für unsere Unternehmen vor noch höheren Preisen bilden können“, sagte Wiese, „sondern können mittelfristig nur den Ausbau erneuerbarer Energien beschleunigen und vereinfachen, um unabhängiger von anderen zu werden. Ein starkes Europa ist dabei eine wichtige Basis“. Es sei zudem zwingend nötig, in Planungs- und Umsetzungsprozessen schneller zu werden. Dirk Wiese betonte, dass für die Wirtschaft die Transformationsherausforderung jedoch auch vor Kriegsbeginn schon bestand und diese sich nicht erst seit Jahresbeginn mit einer Zeitenwende auseinandersetzen müsse.

Im Weiteren ging der Abgeordnete auf das Thema Fachkräfte und damit einhergehend, das dringend benötigte angepasste Einwanderungsrecht ein, welches in der Sommerpause noch verabschiedet werden soll. Auch die weltweiten Verflechtungen mit China und den USA thematisierte er sowie das Thema, dass die politischen Verhältnisse in diesen beiden Staaten ebenfalls einen gesellschaftlichen Einfluss auf Deutschland haben: „Wir merken insbesondere nach den geführten Debatten in Coronazeiten, dass die Demokratie nicht unantastbar ist“, so Wiese.

In einer regen Abschlussrunde hatten die IMW-Mitglieder und Gäste Raum für Fragen. Dies wurde unter anderem genutzt, um mit dem Mandatsträger über die „A 45 als Katastrophe für die Wirtschaft“ und den durch Bürokratie verhinderten schnellen Wiederaufbau als auch über die Energiepolitik und die Kommunikation mit Russland zu diskutieren. Zudem kam die Frage auf, welche Strategie die Bundespolitik bezüglich der Inflation verfolge und wie die Verschuldung für die nachfolgenden Generationen aufgefangen werden würde. Die Besteuerung der Firmen sei endlich, waren sich die anwesenden IMW-Mitglieder einig.

Den Abschluss des Abends nutzten die Mitlieder und Gäste für einen ausgiebigen persönlichen Austausch. Der Impulsvortrag von Dirk Wiese machte dabei den Anfang der geplanten IMW-Reihe, mit allen Bundesvertretern aus der Region einen persönlichen Austausch zu finden.

IMW im Gespräch zu aktuellem Wirtschaftsrecht

Infotermin zu Auswirkungen auf Lieferketten und Verträge durch Krieg in der Ukraine

Die Interessengemeinschaft Mescheder Wirtschaft - kurz IMW - lädt alle Mitglieder und Interessierten zu einem Infotermin „Krieg in der Ukraine - Auswirkungen auf Lieferketten und rechtliche Rahmenbedingungen für die lokale Wirtschaft“ mit Rechtsanwalt Dr. Christian Reichmann ein. Die Veranstaltung findet am Donnerstag, 7. April, um 17 Uhr digital statt.

„Die sich aktuell überschlagenden Ereignisse im Ukraine-Konflikt und ihre Auswirkungen auf bestehende Verträge, Lieferketten und Preisbindungen haben einen maßgeblichen Einfluss auf unsere Mitgliedsbetriebe. Daher haben wir uns kurzerhand in einer Vorstandssitzung entschieden, unseren Mitgliedern einen Infotermin anzubieten“, erläutert der IMW-Vorsitzende Frank Hohmann.

Dr. Christian Reichmann ist seit 2018 Rechtsanwalt und Partner der Schindhelm Rechtsanwaltsgesellschaft mbh in Osnabrück auf dem Gebiet des allgemeinen Wirtschaftsrechts. Nach seiner Zulassung 2011 war er zunächst bei Hogan Lovells International LLP im Bereich Gesellschaftsrecht tätig. Studiert hat Dr. Reichmann an der Universität Osnabrück, wo er am Institut für Handels- und Wirtschaftsrecht promovierte. Zusätzlich absolvierte er in Neuseeland einen Masterstudiengang an der Victoria University of Wellington. Insbesondere durch seine Erfahrung in der Beratung bei der Vertragsgestaltung sowie Führung gerichtlicher Auseinandersetzungen für den Mittelstand bietet er für die IMW-Mitglieder hilfreiche Einblicke in die aktuelle Situation.   

In seinem Vortrag wird Dr. Reichmann zunächst einen Überblick über die sanktionsbedingten Handelsbeschränkungen geben. Anschließend wird er die rechtlichen Auswirkungen kriegsbedingter Störungen innerhalb der Lieferketten sowie anhand von Beispielen die rechtlichen Voraussetzungen und Rechtsfolgen erörtern. Wesentliche Themen wie Verzug, Unmöglichkeit, Wegfall der Geschäftsgrundlage und der Grundsatz von Treu und Glauben werden eingeschätzt. Im Praxisbezug wird zudem der    Umgang mit absehbaren Lieferschwierigkeiten als Lieferant und Möglichkeiten zur Reaktion auf Leistungsstörungen des Vertragspartners dargestellt, um für die Mitglieder konkrete Ansätze aufzuzeigen. Anschließend steht Dr. Reichmann für Fragen gerne zur Verfügung.

„Das bewährte Format - IMW im Gespräch - fördert dabei den Austausch und bietet für unsere Mitglieder aktuelle Informationen. Wir freuen uns, mit Dr. Reichmann kurzfristig einen Referenten gefunden zu haben, der vor allem mittelständische Unternehmen in gesellschafts- und wirtschaftsrechtlichen Fragestellungen berät und für die aktuelle Thematik seine Expertise einbringt“, ergänzt Dirk Lahrmann als stellvertretender Vorsitzender.

Die Veranstaltung „IMW im Gespräch mit Dr. Christian Reichmann“ findet am Donnerstag, 7. April 2022, von 17 bis 18.30 Uhr per Zoom statt. Anmeldungen für den digitalen Austausch sind bis zum 6. April per E-Mail unter imw@meschede.de möglich. Die Teilnehmer erhalten vor der Veranstaltung die entsprechenden Zugangsdaten.

Mescheder Wirtschaft im Gespräch mit Kämmerer

IMW informiert sich und formuliert Bedarf nach Gewerbesteuersenkung

Die Interessengemeinschaft Mescheder Wirtschaft - kurz IMW - begrüßte in ihrer digita- len Vorstandssitzung den Mescheder Kämmerer Jürgen Bartholme, um mit ihm ein offenes Gespräch über aktuelle Entwicklungen des Stadthaushaltes sowie künftige Vorstellungen der IMW in Richtung Haushaltsaufstellung 2023/2024 zu führen. Gerne nahm der Kämmerer die Gesprächseinladung an, die auf der guten Zusammenarbeit der letzten Jahre basiert.

Aktuelle Zahlen und Prognosen

Der Kämmerer präsentierte dabei dem IMW-Vorstand zunächst die Ergebnisse des letzten Haushalts- jahres sowie die dynamischen Prognosen aus 2022. Im Fokus standen als wesentliche Standortfaktoren für Betriebe insbesondere die Themen der Gewerbesteuer und des Hebesatzes. Kurz gesagt: Für das Jahr 2022 rechnet der Kämmerer mit rund 26 Mio. Euro Einnahmen durch die Gewerbesteuer sowie zusätzlichen 5,6 Mio. Euro durch die Grundsteuer B. Dies stellt ein Wachstum um rund 65 Prozent bei der Gewerbesteuer in den vergangenen 10 Jahren dar. Meschede liegt mit 761 Euro pro Einwohner im HSK auf Platz 2 der Gewerbesteuereinnahmen und damit deutlich über denen des HSK, im Regierungsbezirk sowie von NRW. Die Prognose bis 2025 geht zudem zurzeit weiter von steigenden Steuereinnahmen aus, sollten die Rahmenbedingungen wirtschaftsfreundlich bleiben, berichtete Jürgen Bartholme dem Vorstand. Aktuell gebe es aber auch durchaus Risiken, z.B. aus der Corona-Pandemie und den Auswirkungen des Krieges in der Ukraine.

Bei den Kosten des Stadthaushaltes informierte der Kämmerer von einer zu erwartenden, steigenden Tendenz bei der Kreis- und Jugendamtsumlage. Auch das Thema Personalsituation und geplante Investitionen, z.B. in Bildung, die Infrastruktur und bei der Umsetzung von beschlossenen Konzepten, erläuterte er näher. Seinen Ausführungen zu entnehmen war zudem, dass die Kreis- und Hochschulstadt Meschede u.a. durch die konsequente Entschuldung in den vergangenen 10 Jahren und den sehr guten Jahresabschluss 2020 so gut wie schuldenfrei sei, welcher jedoch neben den Gewerbesteuereinnahmen auch durch Einmaleffekte geprägt war.

Der für die Wirtschaft vor allem relevante Hebesatz der Gewerbesteuer konnte die letzten Jahre mit Hilfe des Haushaltssicherungskonzeptes verlässlich auf konstantem Niveau von 435 Prozent gehalten werden. Laut Kämmerer befindet sich Meschede damit deutlich unter dem HSK-Durchschnitt. Als Fazit seiner Ausführungen fasste er zusammen, dass die gute Ertragsbasis der Stadt Meschede maßgeblich den Gewerbesteuereinnahmen der Betriebe zu verdanken sei und richtete damit seinen Dank an die Unternehmen. Er formulierte mit Blick auf den Haushaltsausgleich, dass Investitionen künftig mit Augenmaß erfolgen sollten und hier ebenfalls neben attraktiven Gewerbeflächen und Hebesätzen ebenso weiche Standortfaktoren eine immer wichtigere Rolle einnehmen würden. Gezielt gab er in die Diskussion mit der IMW die Fragen, was sich die Unternehmen von der Stadt Meschede wünschen würden und welcher Hebesatz als Ziel von der IMW gesehen würde, um diese auch in Richtung Politik kommunizieren zu können.

IMW beansprucht weiterhin Senkung der Gewerbesteuer

Der IMW-Vorsitzende Frank Hohmann dankte im Namen der IMW dem Kämmerer für seine Ausführungen und für die gute Zusammenarbeit mit der Verwaltung. Anschließend fasste er zusammen, dass - neben den Gewerbeflächen - eine schnelle Bearbeitung der Unternehmensanfragen sowie national bis international vertretbare Hebesätze als Standortfaktoren für die Betriebe im Wettbewerb ausschlaggebend seien.

Der IMW-Vorstand möchte mit der Gewerbesteuersenkung ein solidarisches Zeichen für alle Unter- nehmen setzen. Die Zielmarke des Gewerbesteuer-Hebesatzes von kleiner 400 in Meschede sollte weiter angestrebt werden, welches die IMW auch klar in Richtung Politik kommunizieren wird. Hierdurch würden die Betriebe und die lokale Wirtschaft nachhaltig gestärkt.

Mit Sorge betrachtete der IMW-Vorstand branchenübergreifend die sich abzeichnende Energiekrise sowie die Auswirkungen des Weltgeschehens auf Märkte und Lieferketten. Die Effekte - auch auf die Gewerbesteuer als Basis des städtischen Haushaltes - seien zum jetzigen Zeitpunkt nicht absehbar, gaben sie dem Kämmerer mit auf den Weg. Um die Höhe der Gewerbesteuer für die Haushaltsplanung realistisch abzuleiten, wurde auf Initiative der IMW und der Kämmerei bereits im Jahr 2017 eine Konjunkturumfrage erarbeitet, die der Stadt vor allem durch die rege Teilnahme der Mitgliedsbetriebe hilfreiche Daten lieferte. Der IMW-Vorstand bot daher dem Kämmerer an, diese kurzfristig zu versenden, um der Stadt eine Einschätzung für 2022 zur Verfügung zu stellen.

Die trotz aller Unwägbarkeiten stabile Wirtschaftslage in Meschede sei die Basis des geplanten Haushaltsausgleichs der Kommune, so Jürgen Bartholme. Die Nachfrage des IMW-Vorstandes, ob die sich derzeit überschlagenden Herausforderungen den geplanten Ausgleich gefährden würden, verneinte Jürgen Bartholme vorsichtig, da durch die Überschüsse im Jahr 2020 und den derzeitigen Erkenntnissen aus 2021 ein Ausgleich erfolgen könnte, sollte sich im laufenden Jahr eine negative Entwicklung zeigen. Jedoch sei es wichtig, die nachgelagerten Entwicklungen zu berücksichtigen vor allem bei der politischen Diskussion des nächsten Investitionspaketes.

IMW-Vorstand und Kämmerer waren sich am Ende des Gespräches einig, dass Meschede dank der starken Wirtschaftsleistungen auf einem guten Weg in die Zukunft sei. Man müsse sich jedoch auch mit der Politik und losgelöst von den aktuellen Geschehnissen darüber austauschen, zu welchem Zeitpunkt eine Senkung der Hebesätze als Signal in Richtung Wirtschaft und zur Attraktivitätssteigerung des Standortes sinnvoll seien.

„Auf kommunaler Ebene gelingt das besser“: Stadt und IMW im Dialog

Die Unternehmen im Mescheder Stadtgebiet präsentieren sich in der Corona-Pandemie robust: 71 Prozent beurteilen ihre Wirtschaftslage aktuell als gut; 85 Prozent rechnen mit einer gleichbleibenden, 9,5 Prozent sogar mit einer besseren Entwicklung in den kommenden 12 Monaten. Die Ergebnisse der Konjunkturbefragung waren ein Thema in der jüngsten Ausgabe der Reihe „IMW im Gespräch mit …“ - erstmalig als Videokonferenz.

Die „Interessengemeinschaft Mescheder Wirtschaft“ (IMW) hatte Bürgermeister Christoph Weber und Stadtkämmerer Jürgen Bartholme als Gesprächspartner eingeladen. Auf verschiedensten Ebenen, so konstatierte IMW-Vorsitzender Meinolf Ewers, seien die Betriebe in der Corona-Pandemie aufgefordert, Lösungen zu finden - ebenso wie die staatlichen Stellen. „Auf kommunaler Ebene gelingt das besser“, betonte Meinolf Ewers - bei Land und Bund müsse man aber den Eindruck gewinnen, dass oftmals die Bürokratie sinnvolle Lösungen ausbremse.

Auch Bürgermeister Christoph Weber kritisierte ein wenig koordiniertes Vorgehen. Nach Ankündigungen durch Bund oder Länder erwarteten die Bürgerinnen und Bürger sowie die Unternehmen - „zu Recht“ - Antworten auf ihre Fragen. Diese könnten die Kommunen oft aber noch gar nicht geben, da Detail-Regelungen auf sich warten lassen und erst kurzfristig vor dem Inkrafttreten veröffentlicht werden.

Stadtkämmerer Bartholme konnte den rund 35 teilnehmenden Unternehmerinnen und Unternehmern einen Erfolg vermelden. Mit dem unlängst genehmigten Doppelhaushalt ist es der Kreis- und Hochschulstadt Meschede gelungen, für 2022 den kontinuierlich verfolgten Haushaltsausgleich darzustellen - innerhalb des zehnjährigen Konsolidierungszeitraums, der dafür gesetzlich vorgesehen ist. Bei der Grundsteuer A und B sowie der Gewerbesteuer liege die Stadt Meschede unterhalb der Durchschnitte von Kreis, Regierungsbezirk und Land - insbesondere der Hebesatz für die Gewerbesteuer sei seit 2012 stabil.

Jürgen Bartholme rechnet dabei für das Jahr 2021 mit Erträgen von 24,7 Mio. Euro aus der Gewerbesteuer - immerhin ein knappes Drittel der Gesamterträge im Haushalt. Investitionen sind für das Jahr 2021 im Gesamtumfang von 14,6 Mio. Euro geplant - vor allem für die Bereiche Infrastruktur und Schulen. Hinzu kommen - für die Jahre 2021 und 2022 - rund 7,3 Mio. Euro Unterhaltungs- und Instandhaltungsaufwand.

Dass die Stadt Meschede dabei besonderes Augenmerk auf die Digitalisierung der Schulen legt, unterstrich Christoph Weber: „Digitale Bildung ist mehr, als Rechner auszutauschen und WLAN-Zugänge einzurichten.“ Bis Ende des Jahres, so die Einschätzung des Bürgermeisters, solle die technische Ausstattung der Schulen abgeschlossen sein. Die Umsetzung in pädagogische Konzepte werde hingegen noch dauern. Dies liege aber im Regelfall weder an den Schulen noch an den Lehrerkollegien - oftmals wirkten die Vorgaben des Datenschutzes als Bremse für pragmatische Lösungen.

Ausdrücklich würdigte Frank Hohmann, stv. Vorsitzender der IMW, das Engagement der Stadt Meschede im Bildungsbereich - ebenso wie die stabilen Hebesätze bei der Gewerbesteuer. Dennoch regte er an, mittelfristig auch über sinkende Hebesätze nachzudenken: Viele Unternehmen stünden im Wettbewerb mit anderen Marktteilnehmern, die insbesondere im süddeutschen Raum mit deutlich niedrigeren Hebesätzen arbeiten könnten. Diese Problematik habe man im Blick, so Stadtkämmerer Bartholme - allerdings bewegten sich auch die Stadtfinanzen im Rahmen der Kommunalfinanzierung des Landes NRW. Ziel sei es aber „auf jeden Fall, die Hebesätze stabil zu halten - bei allen Unwägbarkeiten, die da sind.“

Stabil präsentiere sich die Stadt Meschede ebenfalls im Bereich der Demographie, erläuterte Bürgermeister Weber. Die Zahl der Personen mit Erstwohnsitz bewege sich um die 30.000 - angesichts der Prognosen von deutlichen Rückgängen sei das „ein Riesen-Erfolg.“ Auf dem Immobilien- und Wohnungsmarkt gebe es eine rege Nachfrage; auch in den Ortsteilen werde in ältere Immobilien wieder investiert - Christoph Weber: „Das ist eine sehr positive Entwicklung.“ Allerdings nahm er auch die Hinweise der Unternehmer zur Kenntnis, dass die Bereitstellung von Wohnraum und Grundstücken ein wichtiger Faktor sei, um Fachkräfte zu gewinnen.

In jedem Fall wollen IMW und Stadt weiter im Gespräch bleiben - auch in Form von Videokonferenzen. „Das war eine sehr gute digitale Veranstaltung“ - so das Fazit von Frank Hohmann.

Staatssekretär Christoph Dammermann besucht Meschede

Gewerbeflächenentwicklung und Corona-Situation mit IMW, FDP & Stadt diskutiert

Meschede. Bei seinem Besuch im Mai 2020 sprach Christoph Dammermann, Staatssekretär im Wirtschaftsministerium NRW, mit Vertretern der IMW, der FDP und Bürgermeister Christoph Weber über den Flächenbedarf und die Gewerbeflächenentwicklung in der Kreis- und Hochschulstadt Meschede.

Gewerbeflächen als wesentlicher Standortfaktor

Nach dem diesjährigen Jahresempfang und der dort geäußerten Problematik der Ausweisung weiterer Gewerbeflächen fand unter Beteiligung der Interessengemeinschaft Mescheder Wirtschaft (IMW), der FDP, des Bürgermeisters und der Wirtschaftsförderung ein von der FDP Meschede koordinierter Vor-Ort-Termin statt. „Wir werden Opfer des eigenen Erfolgs. Es sind kaum noch freie Flächen vorhanden. Um weiterhin attraktiv zu bleiben und Unternehmensentwicklungen zu ermöglichen, müssen uns diese zeitnah und in ausreichender Form zur Verfügung gestellt werden“, resümierte Meinolf Ewers als IMW-Vorsitzender den Grund für das Zusammenkommen.

NRW-Staatssekretär Christoph Dammermann bedankte sich für die Gelegenheit zum Austausch und betonte im Gespräch, dass man sich im Ministerium der Bedeutung von gewerblicher Flächenentwicklung und Vermarktung für die Kommunen bewusst sei. Mit den Neuerungen im Landesentwicklungsplan seien den Regionen mehr Kompetenzen und Handlungsspielraum gegeben worden, die es auch zu nutzen gilt. Dass Meschede in der Gewerbeflächenentwicklung durchaus erfolgreich sei, zeige die Entwicklung des Gewerbegebietes Meschede-Enste.  

Hohe Nachfrage durch IMW-Betriebe und weitere Interessenten

Die IMW-Vorstandskollegen riefen dazu auf, dass jetzt gehandelt werden müsse, um weitere Entwicklungen in der Zukunft zu ermöglichen. Die Politik hätte in Coronazeiten gezeigt, dass sie in der Lage sei, schnell zu entscheiden und handlungsfähig ist. Diese Handlungsfähigkeit wünsche sich der Vorstand auch im Kontext der Wirtschaftsentwicklung - sei es im Bereich Fläche oder Deregulierung. 

Deutlich im Gespräch wurde, dass egal welche Größenordnung oder Branche: „Das Vorhalten von attraktiven und ausreichenden Gewerbeflächen ist einer der relevantesten Standort- und Entwicklungsfaktoren für den Wirtschaftsstandort Meschede und das kurzfristig.“

Mit zehn Gewerbegebieten und weiteren Einzellagen, die sich im Stadtgebiet verteilen, steht Meschede im Bereich der Gewerbeflächenentwicklung bisher gut dar, resümierten Planungsamt und Wirtschaftsförderung. Meschede-Enste ist dabei das größte Gebiet mit aktuell 116 Firmen und über 1.800 Mitarbeitern. Der Fokus verlagert sich seit mehreren Jahren deutlich in Richtung Autobahn. Um diesem gerecht zu werden, hat die Stadt bereits in mehreren Schritten das Planungsrecht für ungenutzte Gewerbeflächen zurückgenommen. Stadtweit sind jedoch fast alle Gebiete weitgehend vermarktet. Die Nachfrage ist auch in Coronazeiten nicht rückläufig und seit Jahren hoch. Die Bezirksregierung unterstützt dabei weitestgehend die Planungen der Stadt, jedoch sind hier oft bürokratische oder planerische Grenzen gesetzt.

Im vergangenen Sommer ist der geänderte Landesentwicklungsplan in Kraft getreten, der neue Möglichkeiten zur Flächenentwicklung schafft, so zum Beispiel am Rande bestehender Bereiche für gewerbliche und industrielle Nutzung (GIB).

Die abschließende Bilanz des IMW-Vorstandes zur aktuellen Corona-Lage fiel verhalten positiv aus. Die heimische Wirtschaft habe sich in den vergangenen Jahren stark aufgestellt und krisenfähige Netzwerke aufgebaut. Jedoch mache man sich um manche Branchen und vor allem Kleinstbetriebe große Sorgen. Die IMW-Vorstände appellierten an die Politik auf allen Ebenen, Lösungen für Unternehmen aufzuzeigen, damit das starke wirtschaftliche deutsche Rückgrat tragfähig bleibt.