Medizinische Versorgung: Meschede und Bestwig arbeiten gemeinsam an Strategie


Meschede/Bestwig. Wie sieht es künftig mit der medizinischen Versorgung im ländlichen Raum aus? Und was können Kommunen dafür tun, dass sich auch in kommenden Jahren Haus- und Fachärzte vor Ort niederlassen? - Die Stadt Meschede und die Gemeinde Bestwig wollen gemeinsam mit den örtlichen Medizinern Antworten auf diese Fragen entwickeln. Die Wirtschaftsförderungen der beiden Kommunen haben ein Projekt gestartet, um Strategien für die Zukunft der ärztlichen Versorgung zu erarbeiten.

„Entwicklung einer Strategie zur medizinischen Haus- und Facharztversorgung für das Mittelzentrum Meschede und den angrenzenden Bereich“ – oder kurz: Ha&Fa-Strategie – ist der Titel des Projekts, mit dem sich die beiden Wirtschaftsförderungen erfolgreich beim Bundesförderprogramm „Land(auf)schwung“ beworben haben. In den kommenden Monaten werden nun gemeinsam mit der Strategieberatung StraKonGroup, die sich auf Konzepte im Gesundheitswesen spezialisiert hat, die Möglichkeiten untersucht, mit denen die Kommunen Meschede und Bestwig die ärztliche Versorgung in der Region stärken können.

In einer Auftaktveranstaltung haben die beiden Bürgermeister Christoph Weber (Meschede) und Ralf Péus (Bestwig) mit Uwe Alter und Harald Ziebarth von den StraKonGroup das Projekt Medizinern aus Meschede und Bestwig vorgestellt. Das Ziel: „Ein ganzheitliches Konzept mit Handlungsempfehlungen, um die zukünftige medizinische Versorgung aktiv zu fördern“, so Harald Ziebarth. Zwar sei die ärztliche Versorgung momentan noch „relativ ordentlich“, so die einhellige Meinung in der Ärzteschaft. Allerdings werde es insbesondere für niedergelassene Ärzte immer schwieriger, Nachfolger zu finden.

Die Kennzahlen zur Versorgung seien gut, resümierte Dr. Hans Heiner Decker, Bezirksstellenleiter der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe, „aber es sind trügerische Zahlen.“ Denn schon geringe Fluktuationen können gravierende Auswirkungen haben: „Wenn eine Großpraxis schließt und es keinen Nachfolger gibt, haben wir sofort ein Versorgungsproblem.“

Früher habe es einen „Klebe-Effekt“ gegeben, erläuterte Dr. Gisbert Breuckmann, Vorsitzender der Ärztekammer im Verwaltungsbezirk Arnsberg: Junge Mediziner, die zunächst an Krankenhäusern tätig waren, hätten sich anschließend in der Region niedergelassen. Dies sei momentan nicht so – das Potenzial sei aber nach wie vor da: „Man kann hier arbeiten und man kann hier gut leben.“

Während es in anderen Ländern so genannte „mobile Praxen“ gibt, sehen die heimischen Mediziner ein solches Vorhaben kritisch: Die medizinischen Leistungen in solchen Praxen seien eingeschränkt, es gebe kaum eine Arzt-Patient-Beziehung und gerade ältere Patienten seien oft so wenig mobil, dass auch der Weg in den Ort beschwerlich sei. Sinnvoller sei es deshalb, die Mobilität der Patienten zu erhöhen – zum Beispiel durch so genannte „Taxi-Modelle“.

Allerdings: Der Löwenanteil der Rahmenbedingungen für eine medizinische Versorgung wird nicht vor Ort „gemacht“, sondern von der Gesundheitspolitik auf Bundesebene. Diese gehe oft an den tatsächlichen Bedürfnissen vorbei, so ein Mediziner, der manche Regelungen auch als „Schwachsinn“ bezeichnete. Um so wichtiger sei es aber, Stärken und Chancen der Region hervorzuheben, betonte ein anderer Mediziner: „Wir sollten deutlich machen, dass die wirtschaftliche Perspektive hier besser ist als bei der 135. Hausarztpraxis in Dortmund-West.“

„Wir müssen an einem Tisch zusammenkommen, um Konzepte zu entwickeln“, formulierte es Dr. Friedhelm Schmitten, Vorsitzender des Ärztevereins Meschede-Bestwig. Eben darauf setzt auch das jetzt begonnene Projekt: In einem nächsten Schritt soll es Gespräche mit den heimischen Medizinern geben, kündigte Uwe Alter von der StraKOnGroup an. Auch Ärztinnen und Ärzte, die nicht an der Auftaktveranstaltung teilgenommen haben, können mitmachen: Bei Interesse haben sie die Möglichkeit, sich per E-Mail unter info@strakongroup.de oder telefonisch unter 0170/2713436 direkt an die Projektverantwortlichen zu wenden. Uwe Alter: „Wir brauchen so viel Dialog wie nur möglich.“

Die Ergebnisse dieser Gespräche und weiterer Workshops soll in einer Konzeptstudie mit Handlungsempfehlungen münden, die dann auch den politischen Gremien in Meschede und Bestwig vorgestellt wird. Eine Abschlussveranstaltung zu diesem Projekt ist für den November geplant.

Die nächste Veranstaltung findet am 9. Oktober 2018 statt.