Was kann man allgemein gegen Hochwasser machen?

Große Hochwasser mit Sicherheit zu verhindern ist letztlich nicht möglich. Die Hochwasserschäden zu begrenzen ist sehr wohl zu erreichen.

Natürlicher Rückhalt

Grundsätzlich gilt zunächst, dass die natürlichen Funktionen des Wasserrückhaltes gefördert werden müssen. Wichtig ist es, dass sich ein Gewässer bei erhöhten Wasserständen seitlich in vorhandene Auen schadlos ausdehnen kann. Voraussetzung ist, dass natürliche Überschwemmungsgebiete von baulichen Anlagen freigehalten werden oder wieder nutzbar gemacht werden. Hierzu gehört auch, dass der natürliche Rückhalt durch Gewässerrenaturierungen auch in den Nebengewässern gestärkt wird und auf diese Weise die Fließgeschwindigkeit gemindert und der Hochwasserscheitel verringert wird.

Unter diesem Aspekt ist auch das flächensparende Bauen zu nennen, weil es die Versiegelung von Böden vermindert. Ferner ist die Möglichkeit, Regenwasser zu versickern, in den Blick zu nehmen. Diese Maßnahme ist aber in den Hanglagen des Sauerlandes oftmals nicht geeignet, weil Vernässungen der Unterliegergrundstücke auftreten würden, was vermieden werden muss. Die Versickerung von Oberflächenwasser scheitert im Sauerland oftmals auch an felsigem Untergrund. Nicht zuletzt sind auch klüftige Untergründe für eine Versickerung nicht geeignet, da das abgeführte Oberflächenwasser dann unkontrolliert und unvorhersehbar in Unterliegergrundstücken wieder austritt und Schäden anrichtet.

Technischer Hochwasserschutz

Deiche, Hochwasserschutzwände, mobile Wände, Rückhaltebecken, Polder, Talsperren

Der technische Hochwasserschutz befasst sich mit dem Bau von Deichen, Hochwasserschutzwänden und mobilen Wänden, wobei die Eignung mobiler Wände abhängig ist von der Vorwarnzeit, der Verfügbarkeit von Hilfskräften, den Raumkapazitäten für die Lagerung und von den Transportkapazitäten. Unter den technischen Hochwasserschutz fällt auch den Bau von Rückhaltebecken und Poldern. Möglich ist grundsätzlich auch die Deichrückverlegung, um Vorland für Überflutungen zu gewinnen, so dass die Fließgeschwindigkeit gemindert und der Hochwasserscheitel verringert wird. Diesem Ziel dient auch der Bau von zusätzlichen Flutmulden als Entlastungsrinnen, also gerinneartig geformten Korridoren, die als Erholungsräume, Sportstätten oder grüne Korridore nutzbar sind. Talsperren sind, obwohl sie primär der Wasserversorgung dienen, ebenfalls begrenzt geeignet, um die Fließgeschwindigkeit im nachfolgenden Gewässer zu mindern und den ablaufenden Hochwasserscheitel zu verringern.

Durchlässe, Wasserführung, Straßenabläufe

Unter den technischen Hochwasserschutz fallen ferner Maßnahmen an Nebengewässern, die die Erweiterung des Bachbettes zum Inhalt haben, was durch die Querschnittsaufweitung von Durchlässen unter Straßen und Eisenbahndämmen oder durch die Vergrößerung von Eisenbahn- und Straßenbrücken geschieht. Denkbar sind weiter der Bau von neuen Bordsteinanlagen zur Wasserführung und der Bau zusätzlicher Straßenabläufe.

Laufende, wiederkehrende Maßnahmen

Unter diesem Maßnahmenfeld ist die laufende Kontrolle von Durchlässen und das Freimachen verlandeter und verstopfter Durchlässe, die Beseitigung von Anlandungen im Bachbett und die Stabilisierung der Bachufer zu nennen.

Hochwasservorsorge

Man unterscheidet vier Teilbereiche:

  • Flächenvorsorge
  • Bauvorsorge
  • Verhaltensvorsorge
  • Risikovorsorge

Flächenvorsorge

Ziel ist es, die bauliche Entwicklung aus Überschwemmungsgebieten heraus zu halten, was bei der Aufstellung der Flächennutzungspläne und Bebauungspläne zu beachten ist.

Bauvorsorge

Bauvorsorge heißt, in hochwassergefährdeten Gebieten durch eine entsprechend angepasste Bauweise mit dem Hochwasser zu leben:

  • Öltanks sollten gegen Auftrieb und Wasserdruck gesichert sein
  • Stromverteilerkästen sollten hochwassersicher angebracht werden
  • Mobiliar sollte „mobil“ bleiben
  • EDV-Anlagen sollten mit wenigen Handgriffen aus der drohenden Überflutung gerettet werden können.

Verhaltensvorsorge

Verhaltensvorsorge heißt, den Zeitraum zwischen dem Anlaufen eines Hochwassers und dem Eintritt des kritischen Hochwasserstandes zu nutzen. Voraussetzung hierzu ist eine zuverlässige Hochwasser-Vorhersage und ein leichter Zugang der Bevölkerung zu den Meldestationen und Informationsportalen (Telefonansagen, Rundfunkmeldungen, spezielle Internetseiten). Weitere Voraussetzung ist das Vorhandensein von Alarm- und Einsatzplänen zur Durchführung und Steuerung von Notmaßnahmen. Dem Einzelnen muss sein Anteil an der Verantwortung bei der Hochwasservorsorge bewusst sein.

Risikovorsorge

Der Einzelne sollte, insoweit er von Hochwasserschäden betroffen sein kann, private Rücklagen bilden und eine Elementarschadensversicherung unter Einschluss des Hochwasserrisikos abschließen. Letztere sollte nur für größere Risiken bzw. seltene Hochwasserereignisse greifen, um günstige Prämienzahlungen zu gewährleisten, was versicherungstechnisch durch einen sinnvoll gewählten Selbstbehalt oder einen Haftungsausschluss bis zu einem bestimmten Hochwasserstand dargestellt werden kann.