St. Georgs-Kapelle


St. Georgs-Kapelle

Direkt neben dem Südfriedhof befindet sich eine Kapelle, die zwar jeder Mescheder vom Sehen her kennt, aber von der nicht viel bekannt ist.

Namenlos - von außen schäbig anzusehen, innen eisig kalt - neben dem Fenster liegt ein vom Kreuz abgebrochener Corpus, die Arme mit einem Tesa-Streifen angeklebt - der Altar wird von einer grün-grauen Farbe bedeckt.

Kein Platz zum Verweilen:
So sah die Kapelle von innen aus, bis 1987 auf Antrag von Hauptmann Bruno Peus in der Generalversammlung der St. Georgs-Schützenbruderschaft Meschede beschlossen wurde, dass man sich der Kapelle annehmen wolle.

Weil sich die Generalversammlung einstimmig für die Pläne aussprach, haben die Schützen die Patenschaft über die Kapelle übernommen. Die Kapelle am Langeloh, der hl. Lucia geweiht, stammt laut Ludorff: "Die Bau- und Kunst-Denkmäler des Kreises Meschede", Münster 1908, aus dem 18. Jahrhundert. Der Real-Schematismus für die Erzdiözese Paderborn, Paderborn 1931, gibt als Baujahr 1820 an.

Das ist das Jahr des Ausbaus der Landstraße Minden - Wiedenbrück - Erwitte - Meschede - Olpe - Koblenz.

Schon ein Blick von außen auf den 5/8 Chorschluss und die flachgewölbten Fensterbögen der Friedhofskapelle lässt den Renaissance-Bau erkennen.

Altar

Die Mescheder Kapelle am Langeloh gehört zu der großen Zahl sakraler Bauten, die nach dem 30jährigen Krieg, in der Zeit der Erneuerung des katholischen Glaubens gebaut wurden, kunstgeschichtlich gesehen noch in der Renaissancezeit unserer Landschaft.

Wie die Friedhofskapelle haben sie fast alle Holzdecken.

Über den Stifter der Kapelle wissen wir nichts, jedoch über den früheren Eigentümer. Im Testament der Anna Maria Hesse, vom Montag, 4. Dezember 1719, mit dem sie für ihren verstorbenen Ehemann, Bürgemeister Theodor Eberhard Spancke und ihren Vetter Georg Hesse, die Stiftung "St. Anna et Josephi" fundierte, wird dieses geistliche Beneficium in die Freiheitskapelle unter das Langeloh bestimmt. Danach ist erstens der Freiheitsvikar Kaplan für die Kapelle und zweitens die Freiheit Meschede Eigentümerin.

In alten Berichten wird häufig von einer Kapelle "sub Langeloe" gesprochen. Hier war jedenfalls 1399 eine Hufe zehntfrei und wird später noch oft erwähnt - möglicherweise ist in frühester Zeit genau hier der alte Adelshof der Meschede unterm Langeloh gewesen.

Auch in den Artikeln aus dem Jahre 1715 der Tuchmacherzunft heißt es: "Jedweder Amtsbruder und -schwester soll am Fest des hl. Severin (1. Februar) mit Andacht der hl. Messe, die vom derzeitigen Freiheitsvikar in hiesiger Kirche oder in der Kapelle unterm Langeloh gelesen werden soll, beiwohnen".

Heute würde die Ortsbezeichnung "Unterm Langeloh" die Lage allerdings kaum noch treffend bezeichnen.

In der Kapelle befinden sich zwei Statuen aus dem 19. Jahrhundert; die des St. Liborius und des St. Godehardus.

Bei einer Untersuchung stellte der Landeskonservator fest, dass der Altar aus dem Jahr 1735 stammt und von einem aus Arnsberg stammenden Bildhauer namens Strathmann angefertigt wurde. Im Vorraum stehen die zwölf Apostel. Dieser Altar wurde vom Restaurator Hubert Peez in Obermarsberg aufgearbeitet. Nach Feststellung des Meisters hat der frühbarocke Altar, der aus der Mitte des 17. Jahrhunderts stammen dürfte, insgesamt fünf Fassungen durchlaufen, wie Peez aufgrund der Farbschichten festgestellt hat.

Die vom Kreuz im Giebel des Retabels geworfenen Schatten deuten nicht nur auf den Künstler hin, sondern sprechen auch für die Wahrscheinlichkeit, dass der Altar früher an anderer Stelle gestanden haben muss. Solches ergibt sich nach Erklärung des Restaurators zudem aus den seitlichen Ergänzungen des Altars und aus Einfügungen neuer Holzteile sowie aus dem oberen Abschluss.

Die Kapelle bekam bei der Renovierung ganz neue, bleiverglaste Fenster, die nun St. Walburga als Gemeindepatronin darstellen, St. Georg, die hl. Maria und die Auferstehung Christi. Altarraum und Vorraum sind durch ein schmiedeeisernes Gitter abgetrennt.

Was aber besonders wichtig ist, das ist der Name "St. Lucia", der in der sog. Predella - in einer Kartusche des nicht mehr vorhandenen Altarbildes - von dem Gehilfen des Restaurators zutage gefördert wurde. Nicht selten sind Kirchen und Kapellen unseres Raumes der hl. Lucia geweiht. Ihre Beliebtheit, gerade zur Zeit der Glaubenserneuerung, erklärt sich aus mancherlei Gründen: Sie bestätigte ihren Glauben und die beredte Verteidigung ihres Glaubens durch ihr Martyrium als eines der letzten Opfer der Christenverfolgung. Seit dem späten 15. Jahrhundert wird Lucia häufiger verehrt als Patronin der Landleute, Fuhrleute, Helferin bei Augenleiden, Halsschmerzen, Ruhr und sonstigen Krankheiten. Ihr Gedenktag am 13. Dezember fällt in die dunkelste Zeit des Jahres. Ihr Name weist aber auf das aufsteigende Licht des neuen Jahres hin und, von ihrem Leben her gesehen, auf die neue christliche Zeit, die mit Christi Geburt, Weihnachten, beginnt. Der Volksmund sagt, "am Tage der heiligen Lucia wachsen die Tage um den Schritt eines Kükleins".