Spuren Mescheder Stadtgeschichte, Briefköpfe zeigen Geschichte - Firma Hoff


Briefköpfe zeigen Geschichte - Firma Hoff

Meschede.
Die Darstellung der Geschichte unserer Heimat leidet oft darunter, dass sie wenig anschaulich ist; denn wer hatte zur letzten Jahrhundertwende schon die Möglichkeit zu fotografieren? Und dann der Krieg, der vieles vernichtete.

Darum sind alte Briefköpfe manchmal kleine Schätzchen, vor allem dann, wenn sie mit so viel Liebe zum Detail gestaltet sind, wie die der Firma Hoff zu Beginn des letzten Jahrhunderts. In rauher Gegend und bei kargem Boden lohnte sich die Landwirtschaft im Sauerland kaum. Deshalb mussten sich viele eine andere Existenzgrundlage suchen - zumindest zusätzlich zur Landwirtschaft. Auf den früher großen Kahlflächen der sauerländischen Berge gab es jedoch riesige Mengen von Wildfrüchten, die kaum genutzt wurden. Dies erkannten einige tüchtige Geschäftsleute und gründeten im Jahr 1896 den „Sauerländischen Verein für Verwertung der Beeren“, dessen Leitung sie Aloys Hoff als Direktor übertrugen. Firmenstandort wurde die stillgelegte Ruhrmühle. Ziel der neuen Firma war es zunächst nur, die Beeren pflücken zu lassen und frisch an die Verbraucher zu versenden.

Nach einigen Jahren übernahm Aloys Hoff den Betrieb in eigener Regie und baute ihn aus, denn viele fleißige Sammler aus allen Gebieten des nahen und fernen Umfeldes von Meschede überhäuften zur Erntezeit das kleine Industrieunternehmen gegen echtes Geld mit Beeren. Der große Anfall der köstlichen Naturprodukte in blauen und roten Farben bot Gelegenheit, den modernen Weg der eigenen Verarbeitung zu gehen. Die Wildfrüchte der Mescheder Heimat verwandelten sich als „flüssige Sonne“ in Fruchtsäfte, Weine und Liköre, oder sie wanderten als leckerer Brotaufstrich in Marmeladeneimer.
Die industrielle Nutzung des Beerenreichtums trug unter Aloys Hoffs tatkräftiger Führung ergiebige Früchte, bis der Aufstieg des Unternehmens durch die Vernichtung der Betriebsanlagen und der Vorräte durch die Bombenangriffe 1945 jäh unterbrochen wurde.

Noch im Jahre 1945 startete die Neufabrikation und die Firma konnte sich nach systematischem Neuaufbau auf dem Markt der Nachkriegszeit zunächst behaupten.

Aber dann erging es der Firma so, wie vielen anderen kleinen Unternehmen heute auch noch, die keinen geeigneten Nachfolger finden. Nach dem Tode von Aloys Hoff (1933) hatte zunächst seine Ehefrau Maria die Beerenfabrik übernommen, die dem Sohn Clemens zugedacht war. Dieser aber kam nach dem Krieg nicht mehr aus Russland zurück.

Einige Jahre nach Kriegsende wurde die Firma dann geschlossen. Die alte Villa der Familie Hoff im Mühlenweg musste dem Ostring weichen und wurde 1996 abgerissen.