Stockhausen


Nur alte Urkunden geben Auskunft über den mit Wennemen eng verbundenen Ort Stockhausen, denn er ist aus einem der alten Oberhöfe des Stifts Meschede hervorgegangen und über Jahrhunderte ist die Geschichte Stockhausens im wesentlichen die Geschichte der Familie „von Stockhausen“.

Der "Schultenhof Stockhausen" wird zuerst im Jahre 997 (29. September) erwähnt. Otto III. übergab ihn damals auf Wunsch seiner Tante, der Gräfin Herberga, dem Stift Meschede, nachdem der Vorbesitzer, Hunoldus, durch Ächtung recht- und besitzlos geworden war. Der Sage nach wurde er mit zwanzig Söhnen hingerichtet. Einzig der jüngste, der noch im Kindesalter war, habe das Massaker überlebt und sei später als Lehnsträger auf das Gut zurückgekehrt.

Hausmarke von Stockhausen

Dieses abgebildete Zeichen war die Haus- bzw. Hofesmarke für die curtis maior Stockhausen und hat sicherlich schon als Geschlechtszeichen gedient, als Hunoldus in „Villa Stockhusen“ in der Urkunde Ottos III. zum erstenmal genannt wurde. Es ist auch bestehen geblieben, als Hunold geächtet wurde.

Es steht historisch fest, dass der Erbe eines Hofes in ältesten Zeiten die Hausmarke miterbte, ebenso wie er, wenn er einer fremden Familie angehörte, mit dem Besitz auch den Namen des Hofes und dessen Wappen annahm. Im Jahre 997 gab es noch keine Familiennamen; diese haben sich erst allmählich im Laufe der Jahrhunderte entwickelt.

Das Zeichen steht mit der Kanzleiunterfertigung [sog. Rekognition] in Zusammenhang und wird deshalb Rekognitionszeichen genannt. Dieses verdankte seine Entstehung der im früheren Mittelalter allgemein verbreiteten Gewohnheit, eigenhändigen Unterschriften dadurch zu ersetzen oder ihnen ein individuelles Gepräge zu geben, dass nicht der Name selbst - wie wir es heute tun -, sondern das letzte Wort der ihn begleitenden Formel, zumeist das Wort „subscripsi“, in charakteristischer Weise gekürzt und zugleich durch größere Ausführungen hervorgehoben oder mit Schnörkeln und Ausläufern versehen wurde. Die Kenntnis von der Bedeutung dieses Zeichens, das immer auffälliger und merkwürdiger gestaltet wurde, war in der Kanzlei Heinrichs I. und Ottos I. inzwischen vollkommen verloren gegangen und damit auch die Wahrung einer dem ursprünglichen Sinn angepassten äußeren Form. Magdeburger Schreiber unter dem Kanzler Liudolf hatten z. B. in den Königsurkunden seit 956 an der Stelle des Rekognitionszeichens Architekturzeichnungen angebracht.

Der Hof wird in dieser o. a. Urkunde als "praedium cum omnibus suis pertenenties" bezeichnet. Dieser Hof war also schon damals Mittelpunkt eines Hofverbandes (18 bis 20 Unterhöfe), denn in der Übergabeurkunde wurden mit dem Haupthof auch mehrere zugehörige Höfe mit ihren Leibeigenen übertragen.

 

Am 29. September 997 also schenkte Otto III. dem Stift zu Meschede den Haupthof zu Stockhausen, zu dem bis zum Jahre 1803 viele der heutigen Bauernhöfe des Dorfes gehörten. Darüber hinaus gehörten zum Gut auch je ein Hof in Mülsborn, Calle, Olpe, Wennemen, Visbeck, Altenhellefeld, Wedinghausen, Westenfeld, Hellefeld und Frenkhausen. Aus späteren Listen scheint hervorzugehen, dass die Gesamtzahl der zum Haupthof gehörenden Höfe und Kotten noch größer war; unterstanden doch 1599 allein im Dorfe Stockhausen 7 Bauern und Kötter dem Haupthof. Der Schulte erhielt den Haupthof mit den zugehörigen Hufen von dem Mescheder Propst als Lehen; schon im 17. Jahrhundert aber hatte ein Teil der ihm unterstellten Bauern die Abgaben an den Haupthof abgelöst und wurden so als Propsteilehen unmittelbar vom Stift abhängig.

Erst mit den Steinschen Bodenreformen, in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden die Bauernhöfe aus der Abhängigkeit entlassen. Die Besitzer des Haupthofes nannten sich in der Regel einfach „von Stockhausen“. Durch Besitz und Amt nahmen sie allmählich eine halbadelige Stellung ein, verschwägerten sich mit dem Kleinadel und erreichten so, dass Gut Stockhausen Anfang der dreißiger Jahre des 18. Jahrhunderts in die Ritterschaftsmatrikel eingetragen wurde, womit die Lehnsguteigenschaft aufhörte.

Es ist bemerkenswert, dass auf dem Schultenhof keine kirchliche Einrichtung geschaffen wurde, was darauf schließen läßt, dass zur damaligen Zeit in Calle schon eine Kirche war und Stockhausen gehörte politisch zu Calle. Die Kirche von Calle, zu der Stockhausen ebenfalls gehörte, wurde schon 1042 vom Erzbischof Hermann zu Köln dem Stift Meschede unterstellt. In der alten Kirche hatten die Stockhausens ein Gestühl und darunter das Erbbegräbnis. Franz Ferdinand (+ 1821) wurde als letzter in der Familiengruft in der Pfarrkirche Calle beigesetzt.

Nach dem Abbruch der Kirche in Calle war die Familiengruft verschüttet, und es wurde ein Friedhof in Stockhausen unterhalb des Schnösenberges als künftige Erbbegräbnisstätte errichtet. Durch diese exponierte Stellung mit seinem großen wirtschaftlichen und politischen Einfluss, hat der Hof Stockhausen auch auf die Entwicklung der Bauernschaften / Dörfer der Umgebung Einfluss genommen.

Wenn auch eine systematische Darstellung der Geschichte Stockhausens wegen fehlender Quellendichte nicht möglich ist, so tauchen doch immer wieder die Namen der von Stockhausen als Käufer oder Verkäufer, Richter, Gografen oder Spender von Benefizien und in Lehnsurkunden in den verschiedensten Schreiben und Urkunden auf, die in der Familiengeschichte der Familie von Stockhausen zusammengetragen wurden . So spielte die Familie von Stockhausen z. B. in der Geschichte der Stadt Olpe eine bedeutende Rolle, weil sie mehrere Jahrhunderte hindurch den kurfürstlichen Richter in der Stadt Olpe gestellt hat.

In der Zeit von 1618 - 1628 trat Ludwig (II.) von Stockhausen in verschiedenen Dokumenten als Richter von Calle und Remblinghausen auf. Belehnt mit Stockhausen ist Ludwig schon 1603 von Propst Gottfried von Fürstenberg und zum zweiten Mal 1626. Ludwig schloss auch einen Vergleich mit dem Stift Meschede, in welchem er Naturallieferungen gegen eine gewisse Summe Geldes ablöste. Im Jahre 1611 hatte er Differenzen mit Henneke von Schade zu Grevenstein wegen der Mühle zu Berge, da er den Einwohnern von Wennemen verbieten wollte, das Mehl auf der Stockhauser Mühle mahlen zu lassen.

 

Ludwig (III) von Stockhausen (* um 1600 - 1672)


Ludwig von Stockhausen lebte von 1641 bis nach 1670 auf seinem Gut Stockhausen, noch immer ein Lehen und Schultenhof des Stifts Meschede. Er war kurfürstlicher Ritter zu Calle und Remblinghausen und hatte durch seine Frau Anna Johanna von Westphalen aus dem Hause Mülsborn, einer Tochter von Jobst von Westphalen und Anna Margareta von Schade, größere Besitzungen in Remblinghausen erhalten. Ludwigs Bruder, Friedrich von Stockhausen, war Kürfürstlich Kölnischer Gograf des Amtes Fredeburg. Mit Anna Johanna von Westphalen traten Beziehungen zur Hauptlinie der von Westphalens zu Laer auf, der Besitz an Stockhausen angrenzte. Trotz der Größe und des Reichtums trat auf dem Hof im Dreißigjährigen Krieg große Not auf; denn Schweden und Hessen zogen mordend, plündernd und brandschatzend durch Westfalen. Die Bestellung der Äcker war teilweise wegen fehlender Arbeitskräfte gar nicht mehr möglich. So sah Ludwig sich 1644 gezwungen, seinen Vasallenhof, Köllers Gut zu Olpe bei Meschede, an Oberst Albrecht von Loen zu verkaufen. Ein Prozess mit dem Mescheder Stift war die Folge.

Ein Bild von dem heruntergekommenen Zustand des Gutes ergeben die Aussagen verschiedener 1678 vernommener Zeugen, welche früher als Ackerknechte auf dem Gut gedient hatten. Hiernach waren viele Äcker nicht mehr bestellt worden, so dass darauf Heide, Busch und Braken gewachsen. Ebenso waren hiernach die Wiesen verwüstet, die Gräben zerfallen, und an vielen Stellen mit Dornen und Büschen bewachsen. Sowohl vom Stift Meschede als auch vom Kurfürsten sind Ludwig gegen Ende des Dreißigjährigen Krieges Abgaben erlassen worden. In dieser wirtschaftlich verzweifelten Lage hatte Ludwig sich entschlossen, zwei Vasallenhöfe ohne Genehmigung des Lehnsherrn zu verkaufen,1641 den Erlenkotten zu Frenkhausen an Thönnies Schulten und das Winken Gut zu Westenfeld. Außerdem verkaufte er 1659 seinen Besitz in Calle, die sogenannte Pforte, den Rest eines alten Rittersitzes. Wegen des Verkaufs der Höfe wurde ein Prozess an der juristischen Fakultät in Marburg geführt und Ludwigs Nachkommen mussten 500 Taler Strafe bezahlen.

Nach dem Tode Ludwigs (1672) reifte in seiner Witwe, Anna Johanna von Westphalen, der Entschluss, Stockhausen mit seinen achtzehn Vasallenhöfen zu verkaufen (1678) und sich selbst nach Remblinghausen zurückzuziehen, wo sie aus ihrer Verwandtschaft noch einen Besitz hatte. Den Käufer suchte sie in der Verwandtschaft ihres verstorbenen Mannes und fand ihn in der Person Friedrichs von Stockhausen. Friedrich wurde 1679 mit dem Gut Stockhausen belehnt. Da der Hof Stockhausen wenig Komfort bot und sehr einsam lag, schien es den Besitzern wenig verlockend, selber dort zu wohnen. Sie zogen es vielmehr vor, außerhalb zu wohnen und das Gut zu verpachten.

Franz Ferdinand (1746 - 1821) war der elfte der bekannten Besitzer von Stockhausen. Seine Frau, Lucia Pape, versuchte während der schweren Zeit der Napoleonischen Kriege zu retten, was möglich war. Mancherlei Brandschatzungen, Abgaben, Einquartierungen schwächten das Gut. Oft wurden Gespanne requiriert und mussten den Truppen folgen. Mancher Pferdeknecht kam mit seinem Gespann nach Monaten zurück, aber von manchem Fuhrwerk wurde weder Knecht, Pferd noch Wagen je wiedergesehen.

Mit Franz Florenz (1780 - 1852) bewirtschaftete seit langem wieder ein Besitzer das Gut selbst. Aber in die Zeit seiner Bewirtschaftung und die seines Nachfolgers Julius (1814 - 1881) fielen auch die gesellschaftlichen Umbrüche. Als erstes kam die Ablösung der kleineren Bauernhöfe, die seit der Ottonenzeit zum Gut gehört hatten. Dann die Teilung der Wennemer Mark, von der die Stockhausens früher die Haupterben und Hauptberechtigten waren, die nun aber von dem kapitalkräftigerem Nachbarn, dem Grafen von Westphalen, aufgekauft wurde; denn bald nach der Verteilung kam ein großer Teil des Waldes wieder auf den Markt. Der Eisenbahnbau 1870 durchschnitt Stockhausens Wiesen und Felder.

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