Die Pfarrkirche St. Nikolaus


Die alte Kirche

Sicher ist, dass Freienohl ursprünglich kirchlich zu Calle gehört hat, doch muss dieser Ort mindestens seit Ende des 13. Jahrhunderts eine eigene Kirche besessen haben, wenn es dafür auch keinen historisch urkundlich exakten Beweis oder Beleg gibt. Das wenige, was man über die alte Kirche weiß, lässt sich aus alten Kirchenbüchern, Rechnungen, Visitationsprotokollen usw. erschließen:

  • Kirchenpatron war allein St. Nikolaus
  • Es gab einen Hauptaltar und zwei Seitenaltäre, deren einer Maria und der andere Antonius von Padua geweiht war. [Bis zum zweiten Vatikanischen Konzil standen die Altäre grundsätzlich direkt vor der Apsis-Wand und der Priester feierte die Hl. Messe mit dem Rücken zur Gemeinde] Verbunden mit der Neuanschaffung eines Altars zur Gemeinde hin, verschwand nach dem Konzil - wie in so vielen Gemeinden - auch in Freienohl der Hochaltar aus der Kirche.
  • Der Tabernakel stand in der Mitte des Hochaltars und war aus Holz.
  • Das Taufbecken stand an der Nordseite, war aus Holz und mit Bildern verziert.
  • Es gab einen Beichtstuhl, der an der Südseite stand.
  • Schon 1536 hatte Vikar Johann Kaiser, der aus Freienohl stammte, seiner Heimatkirche ein Ewiges Licht gespendet, und aus dem Jahr 1537 stammt eine Spende von Robert Graeß für Baumaßnahmen am Chor [Altarraum].
  • Im Jahre 1628 gibt es einen Auftrag darüber, dass ein Turm an der Freienohler Kirche gebaut wird. Dies ist der einzige Beleg dafür, dass die Kirche zu diesem Zeitpunkt Turm und Glocken hatte. Umgekehrt darf man daraus aber nicht den Schluss ziehen, dass die vorhandene Kirche keinen Turm gehabt hätte. Die bei den meisten Pfarrkirchen übliche Bestimmung, dass die politische Gemeinde für den Bau und Unterhalt des Turmes, der Glocken und der Turmuhr zu sorgen hatte, da diese auch weltlichen Zwecken dienten, ging zweifellos auch in Freienohl auf ein altes Gewohnheitsrecht zurück.
  • 1704 werden wieder Ausgaben für den "Klokthurm" geltend gemacht. Damit ist zum erstenmal belegt, dass der 1628 gebaute Turm ein Glockenturm ist und zumindest eine Glocke hat.
  • 1716 Visitationsprotokoll: Die Kirche hatte einen Glockenturm ("Campanile") mit drei Glocken.
  • 1652 wird am Mauerwerk der Kirche gearbeitet, um dies von außen abzusichern und von innen zu weißen
  • 1688 wurden die Gewölbe und Mauern der Kirche durch eiserne Binder verbunden und gesichert.
  • 1691 fertigten zwei Schreiner die Kirchenbühne an.
  • Im Jahre 1693 wurde neue Kirchenbänke angeschafft
  • Visitationsbericht von 1737: Die Kirche in Freienohl wird als alt und baufällig bezeichnet. Die Mauern hätten mit vielen eisernen Klammern zusammengehalten werden müssen; die Chorwände hinter dem Hochaltar hatten beachtliche Fugen und Risse. Nur der Glockenturm war in einem ordentlichen Zustand.

Nach der Volksüberlieferung soll die alte Freienohler Kirche eine ehemalige Klosterkirche gewesen sein, und dass die Klosterschwestern von Freienohl abgezogen seien, um in Rumbeck das dortige Kloster zu gründen. Die Legende stützt sich nicht nur auf die unechte Urkunde von 1236/37, sondern auch auf die um das Jahr 1800 verfassten Aufzeichnungen des Pfarrers Erlmann, der in diesen von "andächtigen Süstern" schreibt.

Diese Angaben von Erlmann sind nach Wolf keinesfalls auf die Prämonstratenserinnen in Rumbeck zu beziehen, für die die Bezeichnung "andächtige Süstern", insbesondere aus der Feder eines Priesters, absolut unangemessen gewesen wäre. Wolfs Hypothese: Hier lebte eine Gemeinschaft von unverheirateten Frauen und Witwen, die weder in Klausur lebte noch Ordensgelübte abgelegt hatten, aber den "Evangelischen Räten" verpflichtet war und ihren Lebensunterhalt durch ihrer Hände Arbeit sicherten.