die Wasserversorgung und Kanalisation


Ausschnitt aus einem Bild Pieter Breughels

Die erste Wasserleitung in der Kernstadt

Seien wir einmal ehrlich: Wir erkennen erst dann wie wichtig Strom und Wasser sind, wenn wir einen Schalter drücken und nichts passiert, oder wenn wir den Wasserkran aufdrehen und er statt des kostbaren Nasses nur ein heiseres Zischen spendet. Was dann die Verbraucher im ersten Ärger an Äußerungen von sich geben, läßt sich literarisch nicht verwerten. Wenn man heute auf Bildern oder gar auf Dörfern noch vereinzelt Pumpen bei Häusern sieht, so denkt man unwillkürlich an Zeiten aus dem Altertum und Mittelalter.

Dabei ist es noch gar nicht so lange her, daß selbst in Meschede der Pumpenschwengel noch kräftig bedient wurde. Jedes Haus hatte eine Pumpe mit dem darunter liegenden "Pütt" (Brunnen). Erst um 1895 begann man die Stadt zu kanalisieren, nicht zuletzt aus hygienischen Gründen, da die Vermischung von Abwasser und Trinkwasser regelmäßig zu Epidemien führte. Die Erkenntnis dieses Zusammenhanges setzte sich aber selbst in der Medizin erst um diese Zeit durch. Eine besonders häufig in Meschede auftretende Seuche war die Ruhr. Noch im Jahre 1857 grassierte sie in Meschede. Nicht viele Einwohner blieben von ihr verschont. Viele Erwachsene und noch mehr Kinder starben, so einmal an einem Tage vier Kinder.

Sagt man heute doch: "Die Ruhr ißt oder trinkt man", denn die Infektion erfolgt meist über infizierte Lebensmittel oder Getränke (Wasser, Milch). Auch die Kotverschleppung durch Fliegen auf Lebensmittel spielte dabei eine wichtige Rolle. Das waren Gefahren, von denen man bis zur bakteriologischen Ära nichts geahnt hatte. Zwar ist über die hygienischen Zustände während des Mittelalters in Meschede nichts bekannt, kein Dichter hat sie hier beschrieben, aber als Kinder ihrer Zeit werden die Menschen in Meschede ähnlich gelebt haben wie im übrigen Europa auch.

Funde bei Ausgrabungen am Kaiser-Otto-Platz

Historischer Rückblick

Es scheint aber, als hätten bereits die Philister als Stadtbewohner die gefährliche Überträgerrolle der Stubenfliege von ansteckenden Darmkrankheiten bei größeren Menschenansammlungen vermutet, weshalb ihnen als Vorbild für den fliegengestaltigen Seuchendämon ("Beelzebub") unsere gewöhnliche Stubenfliege vorschwebte. Hieß doch "Beelzebub", der Gott der Philister, auf hebräisch "Baal-Sebub", d. h. "Herr der Fliegen" (2 Kön 1,1 - 18).

Wer sich ein ungefähres Bild über den griechischen Alltag und damit über die damalige Städtehygiene machen will, sollte die derb-realistischen Komödien des Aristophanes lesen. Die winkligen Nebengassen waren schmutzig. Erklang der gefürchtete Ruf: "Aus dem Wege!", so mußten sich die Passanten in acht nehmen, da jemand im Begriff war, Unflat auf die Straße zu entleeren. Da es noch kein Papier gab, dienten zur Reinigung allgemein flache Steinchen. Wer aber auf der Straße einen Stein aufhob lief Gefahr, sich die Finger mit Exkrementen zu besudeln. Da man aber weder Seife noch Gabeln kannte, sondern die meisten Speisen mit den Fingern zum Mund führte........

Doch selbst Einrichtungen, die zur Reinigung dienten, waren oft mit Infektionsgefahren verbunden. So wurde im alten Rom z. B. zum Wäschewaschen, insbesondere für die ärmere Bevölkerung und die Legionäre, da man im alten Rom noch keine Seife kannte, Urin benutzt, wobei es zu einer Auflösung des speckigen Schmutzes durch Ammoniak kam. Aber gleichzeitig war dies eine Keimschleuder.

Das frühe Christentum, das vor allem auf das Heil der Seele bedacht war, stand der Körperpflege sehr reserviert gegenüber, da man durch sie eine Beeinträchtigung des Seelenheils befürchtete. Bereits das Händewaschen vor dem Essen galt als jüdische Sitte und war damit suspekt. In den islamischen Ländern war die Situation in bezug auf infektiöse Darmerkrankungen nicht günstiger als im christlichen Abendland. Der Islam fordert zwar die rituelle Waschung vor dem Gebet, da diese aber mit der bloßen Linken erfolgt, gilt diese Hand dem Muslim als unrein und wird weder zum Essen noch zur Begrüßung benutzt. Die infektiösen Darmkrankheiten, bei denen es sich vor allem um "Krankheiten der schmutzigen Hände" handelte, spielten infolge solcher Einstellungen in den folgenden Jahrhunderten eine wichtige Rolle.

Die ärgsten hygienischen Mißstände in den mittelalterlichen Städten rührten zweifellos von der unzweckmäßigen Fäkalbeseitigung und Trinkwasserversorgung her. Neben den Tierställen türmten sich in den Städten die Misthaufen und Abfälle wurden einfach in Straßen und Gassen geschüttet - mit der Folge lästiger Fliegenplagen. Auf den Dörfern und Bauernhöfen befanden sich die zahllose Aborte mit ihren Schwind- und Sickergruben oft in gefährlicher Nähe zum Brunnen, zogen somit eine ungeheure Verseuchung des Grund- und Trinkwassers nach sich.

Die allgemeine Unzulänglichkeit der sanitären Anlagen und die Hydrophobie (Wasserscheu) der Barock- und Rokokozeit hat ihren Teil dazu beigetragen, daß auch die oberen Zehntausend von infektiösen Darmkrankheiten nicht verschont blieben. Es war eine Zeit, in der es überall, sei es in Kirchen oder königlichen Schlössern, nach Urin roch. Wichtiger als eine Waschschüssel waren die Dosen und Fläschchen für Puder, Pomaden und allerlei Parfums. Die Duftstoffe waren daher vermutlich auch bitter nötig. Der aristokratische Lebensstil war über Reinlichkeitsfragen erhaben, und zur despektierlichen Charakterisierung eines Emporkömmlings wie Napoleon genügte der spöttische Hinweis, daß er täglich in die Badewanne steige.

Allerdings erkannten einige wenige bereits im Mittelalter den für die Verseuchung des Trinkwassers verhängnisvollen Kreislauf von Verunreinigung des Grundwassers durch Sickergruben und des Flußwassers durch Kloaken, wie der Humanist Pretorius im 15. Jahrhundert, ohne jedoch Gehör zu finden. Auch der Hamburger Arzt Struensee (1737 - 1772) war seinen Berufsgenossen weit voraus, als er durch epidemiologische und sozialmedizinische Untersuchungen zu dem Schluß kam, daß fäkal kontaminiertes Trinkwasser für die Ruhr und andere Darmseuchen verantwortlich war. Deshalb verzweifelte er nahezu am Stumpfsinn seiner Mitmenschen.

Erst Max von Pettenkofer (1818 - 1901) schuf mit den Anfängen der modernen epidemiologischen Forschung und ihrer sorgfältigen Beobachtung und Statistik eine Voraussetzung der Städtehygiene. Trotz aller Zweifel und Anfeindungen gelang es ihm, das hygienische Gewissen (zuerst) Münchens aufzurütteln, obwohl man bezüglich der Ursachen der Darmerkrankungen immer noch im Dunklen tappte. In seinem Werben für Kanalisation aber liegt sein Hauptverdienst. Dass man den Bau von Wasserleitungen und Kanalisation dennoch sehr halbherzig und mit unzulänglichen Mitteln in Angriff nahm, kostete Tausenden Menschen vorzeitig das Leben. Ein Umdenken - zunächst in England - brachte erst der Tod von Prinz Albrecht, dem Gemahl von Königin Victoria, der 1861 im Alter von 42 Jahren an einer Darmerkrankung starb. Kanalisation und Wasserleitung wurden von nun an forciert vorangetrieben.

Nach 1870/71 begann man auch in Deutschland mit dem Ausbau der städtischen Kanalisation und Wasserversorgung, wodurch es zu einem völligen Wandel auf dem Gebiet der infektiösen Darmerkrankungen kam. Während einer schweren Ruhrepidemie in Japan im Jahr 1897 gelang es dem japanischen Bakteriologen Shiga zum erstenmal, einen Erreger der Ruhr nachzuweisen. Später wurden die Ruhrbakterien nach ihm benannt: "Shigella". Von da an war man auch bemüht, die Städte im Pettenkoferschen Sinne mit einer zentralen Wasser- und Abwasserleitung zu versehen.

und Meschede ?

Wie oben erwähnt, hatten die Häuser in Altmeschede bis 1895 ihre „Pütts“ oder Brunnen. Am 13. April beschloß die Stadtvertretung von Meschede die Anlage einer Wasserleitung für die Stadt Meschede und beauftragte den Ingenieur Disselhoff aus Hagen, geeignete Quellgebiete hierfür zu erforschen und Pläne und Kostenanschläge hierfür vorzubereiten.

Es wurde dann nach verschiedenen Proben und Feststellungen - auch im Stadtwalde - eine Quelle unterm Vogelsang, zwischen Wehrstapel und Grimmlinghausen gelegen, als beste und vorteilhafteste erkannt.

Im Mai des Jahres 1894 suchte die Mescheder Stadtvertretung die Quellgebiete um Meschede auf für eine in Aussicht genommene Wasserleitung. Man hatte damals schon die zwischen Wehrstapel und Grimmlinghausen gelegene Quelle sofort als die beste angesehen und das notwendige Gelände erworben, obwohl es in der Gemeinde Eversberg lag. Sie sollte in 24 Stunden 1200 m3 Wasser liefern bei 4° Celsius. Als Kosten wurden etwa 150.000 Mark veranschlagt, ohne die Kosten, die jeder Wasserentnehmer selbst aufzubringen hatte.

Bis zum Samstag, dem 28. Juli 1894, waren bei der Stadtverwaltung Meschede 24 Offerten verschiedener Baufirmen eingegangen, die sich um den Bau der Mescheder Wasserleitung bewarben.

Am Montag, dem 22. Oktober 1894, konnte dann der erste Spatenstich zum Bau dieser Wasserleitung vorgenommen werden. Zunächst mußte ein Stollen 70 m tief in den Felsen getrieben werden, um alle Quelladern restlos aufzufangen. Die Bauarbeiten waren in vier Losen vergeben worden. Nachdem zunächst schon die Quelle, „das schwarze Syipen“ bloßgelegt, d. h. nachdem in den Kalksteinfelsen, aus denen die Quelle zutage tritt, eine Art Tunnel geschaffen war, hat die Stadtverwaltung die verschiedenen Lose an die „Wenigstfordernden“ vergeben. So erhielt die Firma Wietfeld und Keßler, Meschede, das Los I und II. Diese Firma hatte die Quellfassung und den Hochbehälter zu bauen. Los III erstreckte sich auf die Röhrenlieferung und wurde der Firma Peter Stühlen in Köln übertragen. „Schieber und Hydranten“, die im Los IV zusammengefaßt waren, mußte die Firma Porringer und Schindler in Zweibrücken liefern. Schließlich waren noch die Rohrverlegung und die Hausanschlüsse im Los V der Firma Gebrüder Rocholl, Freienohl, übertragen worden.

Es war damals vorgesehen, daß bis zum August 1895 die Wasserleitung fertiggestellt sein sollte, damit dann jeder Mescheder Bürger in den Genuß frischen Quellwasser kommen konnte. Überraschung..... .

Wie unappetitlich aber das Brunnenschöpfen wirklich war, sah man ein, als man im April 1895 die Wasserleitung am kleinen und großen Markt (Kaiser-Otto-Platz und Stiftsplatz), an der Nord- und Südstraße (Ruhrstraße / Steinstraße) endlich verlegte. Beim Ausschachten des Grabens stellte man nämlich fest, daß das ganze Gelände um die Pfarrkirche St. Walburga früher ein Friedhof gewesen war. Überall stieß man dort auf menschliche Gebeine und verfaulte Eichenbohlen alter Särge.

Der Grund und Boden war vielfach wasserundurchlässig und bestand aus Ruhrkies, bei der Ausschachtung traten Quellen zutage. Dieses Wasser hatte zunächst die menschlichen Gebeine umspült und sammelte sich dann in den Pütts.

Nach Bekanntwerden dieser Tatsache warteten die Mescheder besonders schmerzlich auf die neue Wasserleitung. Man kann sich daher gut vorstellen, welche Enttäuschung das Gerücht, das Anfang Mai 1895 in der Stadt kursierte, hervorrief, die Quelle im "schwarzen Syipen" sei versiegt. Der Stadtvorstand mit dem Wasserwerksdirektor Disselhoff besichtigte am 9. Mai die Quellfassung. Man schritt den 54 m langen Stollen ab und konnte an dessen Ende, wo die Quelle aus einer zwischen zwei Felsen befindlichen Lehmschicht, einer sogenannten "Naht", hervorquoll, noch eine drei bis vier Meter lange Stange ohne Widerstand einführen. Durch einen kleinen Kunstgriff gelang es, das Wasser in einem Strahle von 25 cm Durchmesser aus dem Felsen hervorzulocken.

Inzwischen hatten die Erdarbeiten in der ganzen Stadt die Brunnen verdorben. Man zählte im Juli bereits acht Typhusfälle, von denen zwei tödlich verliefen. Am 23. Juli sollte das erste Wasser probeweise in das Hauptbassin mit einem Fassungsvermögen von 400 m3 auf dem Schultenkamp eingelassen werden. Schon am 22. Juli hatte man die Leitung in Wehrstapel geöffnet, damit das Wasser auch pünktlich in Meschede eintraf. Was aber nicht ankam, war das Wasser. Man wartete von Montag bis Donnerstag vergebens, und die Mescheder nahmen allmählich gegen die Bauleitung eine drohende Haltung ein, - ihnen platzte der Kragen. Die Amtlichen aber erklärten, daß das Gerede über eine verpfuschte Leitung unsinnig sei. Die Quelle im schwarzen Syipen liege 42 m höher als der Normalpegel von Meschede beim städtischen Rathaus, die Differenz zwischen dem Einlauf des Wassers in die Rohrleitung an der Quelle und dem Auslauf im Hochbehälter betrage 8 m. Es sei ausgeschlossen, daß die Leitung etwa nicht funktioniere. Endlich kam das Wasser in Meschede gemütlich an.

Im August sollten alle Einwohner dauernd Leitungswasser haben. Bis auf das königliche Zeughaus und die königliche Bahn hatten sich alle an die Leitung angeschlossen. Die "Preußen" warteten noch auf den Befehl von oben.

Aber der Ärger hatte noch kein Ende gefunden. Man stellte nämlich bald fest, daß der Wasserzulauf in dem Hochbehälter auf dem "Schultenkamp" sehr zu wünschen übrig ließ. Die Rohre an der Quelle dagegen konnten das Wasser nicht aufnehmen, - viel kostbares Naß floß einfach vorbei. Wie die alte Mescheder Zeitung berichtet, trat am 9. August die Ursache der Störung in Gestalt eines Pulverbeutels und eines armdicken, zwei Fuß langen Knüppels zutage, die von dem Wasserdruck aus der Leitung herausgedrückt wurden. Ihnen folgte ein Wasserstrahl. Im Oktober aber funktionierte dann alles einwandfrei.

Feierliche Einweihung

Endlich konnte die Stadtverwaltung bekanntgeben:

"Wie unsere Mitbürger schon jetzt aus eigener Erfahrung wissen, funktioniert das gesamte Werk ganz brillant, indem es unserer Stadt eine solche Menge des schönsten Quellwassers von tadelloser Güte zuführt, daß Tag und Nacht die Rinnspüler das überflüssige Wasser ableiten und daß auf diese Weise die Reinlichkeit in unserem auch Ackerbau treibenden Städtchen wesentlich gefördert wird, eine Tatsache, die in gesundheitlicher Beziehung nicht hoch genug zu schätzen ist. Sämtliche Jauche und sonstigen stickstoffhaltigen Stoffe, die sich in den Straßenrinnen ansammeln und in ihrer zersetzenden Eigenschaft durch Ausdünstungen die Luft verpesten, werden durch das Wasser aus den Rinnspülern direkt der Henne resp. Ruhr zugeführt [!]. Was die Qualität des Wassers, welches uns die Leitung zuführt, anbelangt, so wollen wir bloß erwähnen, daß augenblicklich innerhalb 24 Stunden über 1000 Kubikmeter Wasser in den Hochbehälter laufen, eine Wassermasse, welche vollauf für Meschede und Arnsberg genügt, selbst wenn pro Kopf der Bevölkerung 100 Liter Wasser gerechnet wird. In Anerkennung und gerechter Würdigung der Vorteile, die unserer geliebten Vaterstadt durch das städtische Wasserwerk erwachsen, hat einstimmig die Stadtvertretung beschlossen, dieses freudige Ereignis durch ein solennes [feierliches] Abendessen festlich zu begehen, und zur Beteiligung daran werden die Bewohner von der Wehrstapel, Heinrichsthal, Walze und Meschede freundlichst eingeladen. Trotz des vorzüglichen Wassers, welches ihnen die Leitung zuführt, soll vom Genuß desselben bei dieser Gelegenheit abgesehen werden; es soll den Festteilnehmern vielmehr freistehen, beim Wein oder Bier ihrer Freude über das vorzügliche Wasserwerk und deren Erbauer Ausdruck zu geben."

Die Wasseranschlüsse in den Häusern mußte jede Familie selbst bestreiten. In den Häusern wurde das Bleirohr - es gab in der Regel nur eine Zapfstelle -, auf der Wand verlegt und mußte in jedem Winter gegen den Frost mit alten Säcken und Stroh geschützt werden. Wasseruhren gab es noch nicht; der Verbrauch wurde zunächst geschätzt. Im Jahre 1914 wurden zusätzliche Quellen in der Birmecke erschlossen. Auch diese Anlage wurde in das neu geschaffene Versorgungsprojekt übernommen. 1928 erwies sich eine abermalige Erweiterung als nötig; im Mengesohl wurde ein Brunnen mit Pumpanlage geschaffen, durch die das Wasser in den Hochbehälter an der Hardt (Fassungsvermögen 200 m3) befördert wurde.

nach 1945

Noch am Ende des zweiten Weltkrieges, im Februar 1945, wurde Meschede in wenigen besonders schweren Luftangriffen in Schutt und Asche gelegt. Der Stadtkern und einzelne Teile des Randgebietes, und damit auch die Industrie-, Gewerbe- und Handwerksbetriebe wurden völlig vernichtet. Kirchen, Schulen, Wohnhäuser und Verwaltungsgebäude wurden ebenfalls in einen Trümmerhaufen verwandelt. Sämtliche Versorgungsanlagen wie Wasser-, Licht-, Gas-, Kanalisation- und Fernsprechleitungen waren zerstört.

Die notdürftige Wiederherstellung der Entwässerungsleitungen: Dies waren die vordringlichen Aufgaben nach dem zweiten Weltkrieg. Die in Betrieb befindlichen Gewinnungsanlagen reichten nicht aus, um bei trockenen Zeiten die erforderliche Versorgung bei wachsender Bevölkerungszahl zu sichern, vor allem natürlich in den höher gelegenen Teilen der Stadt. Ganz unmöglich aber war die Erschließung neuer, hochgelegener Baugelände geworden, wie etwa zwischen Ittmecke und Schederweg oder am Langeloh, da sich nirgendwo mehr brauchbare Quellen finden ließen. 1955 war der neue Hochbehälter am Krankenhaus zwar fertiggestellt, aber mit welchem Wasser er gespeist werden sollte hatte man selbstverständlich schon vorher geplant. Es blieb nur die Möglichkeit, im Mengesohl neben dem alten Brunnen und der Pumpanlage das Ruhrtal in einer Tiefe von etwa 6 m durch einen Quergraben „abzuschneiden“ und das Grundwasser in einer Filtergalerie (durchlöcherte Tonrohre, die in etwa sechs Meter Tiefe liegen) aufzufangen. Ein sogenannter Erdbehälter in der gleichen Tiefe hatte die Maße von 5 x 10 m und war aus Beton angefertigt. Mit einer Pumpe, in einem Pumpenhaus unmittelbar am Erdbehälter, wurde das Wasser zu den Hochbehältern heraufgedrückt und verteilt. Dieses Wasser war qualitativ sehr gut und entstammte nicht dem Flußwasser.

Der notwendige neue Hochbehälter am Schederweg war bereits seit dem Frühjahr 1953 in Bau. Dazu kam der Bau eines Zwischenpumpwerks an der Waldstraße; der Bau eines Hochbehälters an der Warsteiner Straße. Die Leistung der Wassergewinnungsanlage war auf ca. 3000 m3 pro Tag ausgelegt. Das gesamte Stadtgebiet (Altstadt) war in fünf Druckzonen eingeteilt, die von den Hochbehältern versorgt wurden.

Feierliche Einweihung

Endlich konnte die Stadtverwaltung bekanntgeben:

"Wie unsere Mitbürger schon jetzt aus eigener Erfahrung wissen, funktioniert das gesamte Werk ganz brillant, indem es unserer Stadt eine solche Menge des schönsten Quellwassers von tadelloser Güte zuführt, daß Tag und Nacht die Rinnspüler das überflüssige Wasser ableiten und daß auf diese Weise die Reinlichkeit in unserem auch Ackerbau treibenden Städtchen wesentlich gefördert wird, eine Tatsache, die in gesundheitlicher Beziehung nicht hoch genug zu schätzen ist. Sämtliche Jauche und sonstigen stickstoffhaltigen Stoffe, die sich in den Straßenrinnen ansammeln und in ihrer zersetzenden Eigenschaft durch Ausdünstungen die Luft verpesten, werden durch das Wasser aus den Rinnspülern direkt der Henne resp. Ruhr zugeführt [!]. Was die Qualität des Wassers, welches uns die Leitung zuführt, anbelangt, so wollen wir bloß erwähnen, daß augenblicklich innerhalb 24 Stunden über 1000 Kubikmeter Wasser in den Hochbehälter laufen, eine Wassermasse, welche vollauf für Meschede und Arnsberg genügt, selbst wenn pro Kopf der Bevölkerung 100 Liter Wasser gerechnet wird. In Anerkennung und gerechter Würdigung der Vorteile, die unserer geliebten Vaterstadt durch das städtische Wasserwerk erwachsen, hat einstimmig die Stadtvertretung beschlossen, dieses freudige Ereignis durch ein solennes [feierliches] Abendessen festlich zu begehen, und zur Beteiligung daran werden die Bewohner von der Wehrstapel, Heinrichsthal, Walze und Meschede freundlichst eingeladen. Trotz des vorzüglichen Wassers, welches ihnen die Leitung zuführt, soll vom Genuß desselben bei dieser Gelegenheit abgesehen werden; es soll den Festteilnehmern vielmehr freistehen, beim Wein oder Bier ihrer Freude über das vorzügliche Wasserwerk und deren Erbauer Ausdruck zu geben."

Die Wasseranschlüsse in den Häusern mußte jede Familie selbst bestreiten. In den Häusern wurde das Bleirohr - es gab in der Regel nur eine Zapfstelle -, auf der Wand verlegt und mußte in jedem Winter gegen den Frost mit alten Säcken und Stroh geschützt werden. Wasseruhren gab es noch nicht; der Verbrauch wurde zunächst geschätzt. Im Jahre 1914 wurden zusätzliche Quellen in der Birmecke erschlossen. Auch diese Anlage wurde in das neu geschaffene Versorgungsprojekt übernommen. 1928 erwies sich eine abermalige Erweiterung als nötig; im Mengesohl wurde ein Brunnen mit Pumpanlage geschaffen, durch die das Wasser in den Hochbehälter an der Hardt (Fassungsvermögen 200 m3) befördert wurde.

Nach 1945

Noch am Ende des zweiten Weltkrieges, im Februar 1945, wurde Meschede in wenigen besonders schweren Luftangriffen in Schutt und Asche gelegt. Der Stadtkern und einzelne Teile des Randgebietes, und damit auch die Industrie-, Gewerbe- und Handwerksbetriebe wurden völlig vernichtet. Kirchen, Schulen, Wohnhäuser und Verwaltungsgebäude wurden ebenfalls in einen Trümmerhaufen verwandelt. Sämtliche Versorgungsanlagen wie Wasser-, Licht-, Gas-, Kanalisation- und Fernsprechleitungen waren zerstört.

Die notdürftige Wiederherstellung der Entwässerungsleitungen: Dies waren die vordringlichen Aufgaben nach dem zweiten Weltkrieg. Die in Betrieb befindlichen Gewinnungsanlagen reichten nicht aus, um bei trockenen Zeiten die erforderliche Versorgung bei wachsender Bevölkerungszahl zu sichern, vor allem natürlich in den höher gelegenen Teilen der Stadt. Ganz unmöglich aber war die Erschließung neuer, hochgelegener Baugelände geworden, wie etwa zwischen Ittmecke und Schederweg oder am Langeloh, da sich nirgendwo mehr brauchbare Quellen finden ließen. 1955 war der neue Hochbehälter am Krankenhaus zwar fertiggestellt, aber mit welchem Wasser er gespeist werden sollte hatte man selbstverständlich schon vorher geplant. Es blieb nur die Möglichkeit, im Mengesohl neben dem alten Brunnen und der Pumpanlage das Ruhrtal in einer Tiefe von etwa 6 m durch einen Quergraben „abzuschneiden“ und das Grundwasser in einer Filtergalerie (durchlöcherte Tonrohre, die in etwa sechs Meter Tiefe liegen) aufzufangen. Ein sogenannter Erdbehälter in der gleichen Tiefe hatte die Maße von 5 x 10 m und war aus Beton angefertigt. Mit einer Pumpe, in einem Pumpenhaus unmittelbar am Erdbehälter, wurde das Wasser zu den Hochbehältern heraufgedrückt und verteilt. Dieses Wasser war qualitativ sehr gut und entstammte nicht dem Flußwasser.

Der notwendige neue Hochbehälter am Schederweg war bereits seit dem Frühjahr 1953 in Bau. Dazu kam der Bau eines Zwischenpumpwerks an der Waldstraße; der Bau eines Hochbehälters an der Warsteiner Straße. Die Leistung der Wassergewinnungsanlage war auf ca. 3000 m3 pro Tag ausgelegt. Das gesamte Stadtgebiet (Altstadt) war in fünf Druckzonen eingeteilt, die von den Hochbehältern versorgt wurden.