Der heilige Nepomuk


Reliquiar des hl. Nepomuk (Schatzkammer St. Walburga)

Reliquiem gelangen nach Meschede

Die Reliqien des hl. Nepomuk kamen am 18.04.1751 nach Meschede. St. Johannes von Nepomuk ist Patron der Stadt Meschede.

Am Nachmittag des 18.04.1751 krachen die Böller, läuten die Glocken. Eine in ein Ostersarium gefaßte Reliquie des hl. Nepomuk wird in feierlicher Prozession zur Stiftskirche geleitet. Kanonikus Bockskopf berichtet als Augenzeuge: "Erstlich kamen die Schulkinder, 2. die Vikare, dann die Kanoniker, alle mit angezündeten Wachslichtern. Es folgte, vom Dechant getragen, die Partikel des hl. Nepomuk, dahinter der Richter, der Magistrat und eine ungemein große Anzahl anderer Leute beiderlei Geschlechts. Während der Prozession um den Kirchhof (heute Stiftsplatz) wurden alle Glocken geläutet, dazu mit Böllern gefeuert. Nach dem Eintritt in die Kirche sang man das Tedeum, worauf die Partikel 8 Tage zur Verehrung auf dem Altare des hl. Nepomuk ausgestellt wurde."

Dezember 1676 wurde in Klocken Hause dem späteren Bürgermeister Heinrich Hengesbach der Sohn Jost Michael H. geboren, studierte 1694 an der Universität Paderborn Jura und war in Böhmen als Jurist und Hofmeister bei verschiedenen böhmischen Grafen und Kavalieren tätig. Er erwarb sich ein ziemliches Vermögen, starb 1750 zu Prag ohne Nachkommen.
Sein Neffe Franz Michael H., der 1710 als Sohn des Notars und Wirt Joh.Jost H. geboren war, heiratete 1738 in Schmallenberg Anna Eva Mönnig, die Tochter des dortigen Bürgermeisters, erwarb das Schmallenberger Bürgerrecht und starb dort 1771. Er wurde der Erbe seines verstorbenen Onkels und reiste 1750 nach Prag, um die Erbschaft anzutreten. Hier wurde er mit dem Domprobst des Prager Domes bekannt, der ihm für die Mescheder Stiftskirche eine Reliquie des hl. Nepomuk schenkte, die versiegelt und mit einem bischöflichen Echtheitszeugnis versehen war. Der damalige Thesaurarius des Stiftes Meschede, Joh. Caspar Schmitz aus Falkenhagen, beauftragte H. die Reliquie in Prag in ein Ostensarium fassen zu lassen, wofür der Stift 40 Taler bezahlte.


Der Chronist berichtet, das Reliquiar sei aus Silber und vergoldet, der Fuß dagegen aus Kupfer, aber auch vergoldet; außerdem seien einige unechte Steine verwendet.


Am 17.04.1751 kam H. nach beschwerlicher Reise in Meschede an. Noch am selben Abend übergab er die Reliquie dem obigen Schmitz, der in einem Stiftshause, dem heutigen Altersheim, wohnte. Dieser veranlaßte die feierliche Einholung.
Der Dom zu Prag birgt in seiner Schatzkammer in einem Reliquiar die unverweste Zunge des Heiligen. Unser Reliquiar ist wahrscheinlich eine Nachbildung des Prager Reliquars; denn es zeigt die symbolische Darstellung einer Zunge und darunter die eigentliche Reliquie. Ein Chronodistichen auf der Rückseite des Reliquiars lautet:
"Lingua ista attacta et de Pulvere structa sepulchri et pars Walburgis sunt data Collegio."
Sie besagt dem Inhalt nach, daß die angerührte Nachbildung der Zunge und eine Partikel aus dem Heiligengrab der Kollegialkirche St. Walburgis übergeben wurde. Eine weitere Inschrift "A.S. Leidecker fecit Pragas 1750" überliefert den Namen des Prager Goldschmieds und das Jahr der Herstellung.

Das Standbild des hl. Nepomuks auf der Ruhrbrücke trug früher im Sockel den Spruch:
"Durch deine kräftig Fürbitt mich bewahr auf meinen Reisen für Seel- und Lebensgefahr von allem Spott und Schand zu Wasser und zu Land." (Aus Westfalenpost 14.4.1951)

Standbild des hl. Nepomuks an der Ruhrbrücke

Brückenbauer des Verständnisses

Meschede. Mehrere hundert Menschen waren am Freitag Augenzeugen der feierlichen Weihe des neuen Prunkstücks der aufbaufreudigen Kreisstadt, der großzügig und modern gebauten Ruhrbrücke. Baurat Schwarzinger als Vertreter der Landesstraßenbaubehörde, unter deren Oberleitung das Projekt von zwei großen Baufirmen bewältigt worden ist, sagte in einem Gruß an die versammelten Bürger, daß man von einer eigentlichen Brückeneinweihungsfeier, wie sie sonst üblich sei, Abstand genommen habe. Während der Bauzeit habe die wichtige Verkehrsader der Bundestraße 55 hier Ihre schmälste Naht gehabt. Aus diesem Grunde sei es notwendig gewesen, die Brücke ohne Verzug dem Verkehr zu übergeben.

Im Mittelpunkt der Brückenweihe stand die Einsegnung des Standbildes des hl. Johannes von Nepomuk, das die östliche Bastion der Brücke ziert. Vikar Risse wies in seiner Ansprache auf symbolische Bedeutung dieses Aktes hin. So wie die neue Brücke zwei Stadtteile miteinander verbinde, so müsse es auch im Leben der Menschen sein. Wir alle müßten Brückenbauer des Verständnisses und der gegenseitigen Liebe sein.

 

Der Heilige aus Böhmen Patron der Stadt

Von besonderem Interesse waren die geschichtlichen Zusammenhänge, die bislang noch unbekannt - von  Vikar Risse aufgezeigt wurden. Am Tage zuvor war vom Landesarchiv in Münster eine Nachricht eingegangen, die die Ursprünge der Verbindung zwischen den Städten Meschede und Prag aufzeigt. Ein Mescheder Bürger, gebürtig aus "Kloken Haus" (heute Hotel Böhmer), namens Hengsbach, wanderte Ende des 17. Jahr­hunderts nach Böhmen aus. Von Beruf Jurist, stand er lange Jahre als Hofmeister in Diensten böhmischer Fürsten.

Da er bei seinem Tode keine direkten Nachkommen hinterließ, ging sein Nachlaß auf seinen ebenfalls in Meschede ge­borenen, dann nach Schmallenberg verzogenen Neffen Franz Michael Hengesbach über. Im Jahre 1750 reiste Franz Michael nach Prag, um dort die Erbschaft seines Onkels, zu übernehmen. Ein Jahr später, am 17.April 1751, also einen Tag vor Weißen Sonntag (so ist es in den Urkunden zu lesen) kam Hengesbach zurück in seine Vaterstadt. Er überbrachte in seinem Erbgut eine Reliquie des heiligen Johannes von Nepomuk. Diese befindet sich auch heute in einem Reliquiar (in Form einer Monstranz) in der Schatzkammer der Pfarrkirche St Walburga in Meschede. Es ist anzu­nehmen, daß auch die Wahl des hl. Johannes vom Nepomuk zum Schutzpatron der Stadt Meschede in jener Zeit erfolgte.

Über das Leben und Wirken des hl. Johannes von Nepomuk ist in Legenden und Schriften viel gesagt und geschrieben worden. Die viel angewandte Bezeichnung "Heiliger Nepomuk" ist nicht genau. Der Heilige, ein Priester, wurde in Nepomuk (Böhmen) geboren und war lange Jahre Beichtvater am Höfe des Könige. Als Märtyrer des Beichtgeheimnisses wurde er auf Befehl des Königs von Meuchelmördern von der Karlsbrücke in Prag in die Moldau gestürzt. Im Lande Böhmen wird der hl. Johannes neben dem Landespatron, dem hl. Wenzel, sehr verehrt.

(Zeitungsbericht Meschede, 10. Juli 1950)

 

Die Geschichte von Johannes Nepomuk

Überlieferung:
Johannes Nepomuk (1350-1393) lebte in Böhmen, in der heutigen Tschechischen Republik. Er hatte in Prag studiert und war einer der berühmtesten Priester und Prediger seiner Zeit. König Wenzel herrschte im Lande, aber er war ein streitsüchtiger und launischer Herrscher. Weil die Leute von überallher kamen, um die Predigten von Johannes Nepomuk zu hören, interessierte sich auch der König zunächst sehr für ihn. Doch dann fiel Johannes Nepomuk in Ungnade. Die Legende erzählt, wie es dazu kam.

Eines Tages ging die Königin in den Dom, um bei Johannes Nepomuk zu beichten. Als der König das hörte, ließ er Johannes kommen und sprach: "Erzähle mir auf der Stelle, was meine Frau dir gebeichtet hat!" Johannes erwiderte: "Nie und nimmer soll ein Wort davon über meine Lippen kommen. Ich darf und werde das Beicht-Geheimnis nicht verletzen." König Wenzel antwortete: "Ich allein bin der Herr von Prag, und du hast mir zu gehorchen. Also, auf der Stelle, erzähle!" Johannes Nepomuk legte seinen rechten Zeigefinger auf seine Lippen und schwieg. Da ließ König Wenzel ihn foltern, aber Nepomuk blieb standhaft. Schließlich schleppte man Nepomuk auf die Moldaubrücke und ließ ihn in den Fluß werfen. So starb er mutig und unerschrocken in Prag als Märtyrer. Fromme Leute holten den Leichnam, über dem in der Nacht ein Licht leuchtete, aus dem Wasser und begruben ihn.

Nepomuk wird als Brückenfigur häufig mit dem Finger auf dem Mund dargestellt. Sein Grab ist im Veitsdom zu Prag.

Fest des heiligen Nepomuk: 16. Mai
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Quelle: "Das große Buch von den heiligen Namenspatronen", Patmos Verlag Düsseldorf , 1995, 22. Aufl. ISBN 3-491-79044-1