Kreuzwegstationen zur Michaelskapelle auf dem Klausenberg
Über Kreuwege im Sauerland
Gerade im Sauerland gibt es viele Kreuzwege. Sie führen zur Höhe empor, sind steil, rauh, unbequem zu gehen. Es gehört schon Anstrengung dazu, den Gipfel des Kreuzberges zu erklettern, im Sommer auch viel Schweiß. Das obere Sauerland ist wie geschaffen für solche Kreuzwege.
1945 versprachen die Bürger von Eversberg: Wenn unser Ort nicht durch den Krieg heimgesucht wird, legen wir einen Kreuzweg an. Sie haben ihr Versprechen gehalten. Rund um die Stadt geht dieser Kreuzweg, fast wie eine Umfassungsmauer. Oder: wer kennt nicht den sich wie eine Wendeltreppe zur Klause heraufsteigenden Kreuzweg in Meschede. 14 Stationen laden ein zu stillem Verweilen und schenken dem betenden Betrachter neue Kraft zu weiterem An- und Aufstieg.
Im Jahre 1955 feierte die Mescheder Kreuzbruderschaft ihr 500-jähriges Bestehen. Dieses Ereignis stand im Zusammenhang mit der Erneuerung des Mescheder Kreuzweges am Klausenberg, der nach alter Tradition von der Kreuzbruderschaft unterhalten wird.
Die 14 Stationsbilder wurden erneuert und die Kosten dafür (3000,00 DM) brachte die Kreuzbruderschaft anläßlich ihres Stiftungsfestes (4. August 1455) auf. Der Kunstmaler Fred Eckersdorf, der in Meschede ansässig war, hat die ausdrucksstarken Mosaike für die einzelnen Stationen geschaffen, eine durchaus neuzeitliche Schau der via crucis.
Sitte und Tradition der Kreuzwege
Die ältesten Darstellungen der Kreuztragung Christi, ab dem 4. und 5. Jahrhundert, beschränken sich in Anlehnung an die drei Evangelien Matthäus, Markus und Johannes auf die Kreuztragung des Herrn oder die Hilfe des Simon von Cyrene.
Im 12. Jahrhundert wird das Thema dann insofern erweitert, als die Mutter Jesu und die übrigen Frauen als Mitkreuzträgerinnen aufgenommen werden. Die italienische Frührenaissance, insbesondere ihr Bahnbrecher und Wegbereiter Giotto, schuf zuerst einen figurenreichen Zug in der berühmten Kirche St. Maria della Arena in Padua.
Verhältnismäßig spät wurde das Kreuztragungsbild ausgeweitet in verschiedene Stationsbilder auf Grund der Passion beim Evangelisten Lukas, so durch die von ihm berichtete Begegnung des Herrn mit den Frauen Jerusalems. Die Einführung der hl. Veronika in den Kreuzweg, so reich an Stimmungswerten, ist bekanntlich nicht biblisch zu begründen, sondern steht in Verbindung mit einer früh geschaffenen Legende, während der Kreuzträger Simon eine willkommene biblische Bereicherung der Andachtsbilder wurde. Aus dem dreifachen Fall Christi unter dem Kreuze leitete man die Notwendigkeit von Simons Hilfe ab.
Die Zeit der Mystik und die im 15. Jahrhundert besonders in Deutschland und Frankreich aufkommenden Passionsspiele wirkten außerordentlich bereichernd auf die bildlichen und plastischen Wiedergaben der Kreuzweg-Szenen. Andere neue Anregungen kamen in dieser Zeit aus Erinnerungen an die Pilgerfahrten nach Jerusalem.
Die Sitte, den ?Kreuzweg zu gehen?, stammt vermutlich aus der Zeit der Kreuzzüge. Die Pilger im Heiligen Lande schritten betend den Weg vom Hause des Pilatus bis Golgatha nach. Diesen Erinnerungsweg machten sie auch in der Heimat und stellten Bilder an den Pfad, der meistens auf einen Berg führte.
Sieben Fußfälle
Lange Zeit, bis ins 17. Jahrhundert, umschrieb der Kreis der Kreuzwegstationen sieben Einzelszenen. die ?sieben Fußfälle?, wie sie um 1830 auch noch am Mescheder Klausenweg standen. Die Kreuztragung, den dreimaligen Fall, die Begegnung des Herrn mit seiner Mutter, die Überreichung des Schweißtuches durch Veronika und das Begräbnis. Gerade in Deutschland hat sich dieser Kreuzweg der ?sieben Fußfälle? besonders ausgebreitet.
Der Mescheder Kreuzweg
Am 1. März 1868 segnete der Franziskaner-Pater Pius aus Rietberg im Rahmen einer feierlichen Prozession die Kreuzwegstationen zum Klausenberg ein. Trotz stürmischer Witterung wohnten der Benediktion eine überwältigende Anzahl Gläubiger bei. Mit einem ?Te Deum? in der Pfarrkirche St. Walburga fanden die Festlichkeiten ihren Abschluß.
Initiator der Kreuzweg-Erneuerung war der unvergessene Kaplan Norbert Fischer. Zuerst als Schulvikar, später als Kaplan wirkte er 48 Jahre lang in Meschede; während des Kulturkampfes wurde er zweimal aus Meschede ausgewiesen. Kaplan Fischer fand damals den Weg zur Klause in keinem guten Zustand vor. Die ?sieben Fußfälle? waren entweder nicht mehr vorhanden oder sehr baufällig gewesen.
Aus Aufzeichnungen des Geistlichen Ferdinand Wagner geht hervor, wie Fischer den neuen Kreuzweg verwirklichte.
?Der Kaplan überlegte lange, wie er würdige und dauerhafte Kreuzweg-Stationen billig beschaffen könne. Er dachte an Stationsbilder aus gebranntem Ton oder aus Eisenguß. Erstere erschienen ihm nicht dauerhaft, letztere künstlerisch unschön zu sein. Er verwarf beide Entwürfe und entschloß sich auf den Rat des Dombauers Statz in Köln für Stationsbilder und passendes Gehäuse für dieselben aus Sandstein. Nach verschiedenen Anfragen ermittelte er den Preis eines Stationsbildes [...] auf 25 Taler und den eines passenden Gehäuses auf die gleiche Summe. Auf Grund dieser Unterlagen setzte sich Kaplan Fischer mit einigen bekannten Familien in Verbindung und war so glücklich, die ersten beiden Stationen gesichert zu sehen, während ihm die dritte in sichere Aussicht gestellt wurde. So gab er sie denn bei verschiedenen Bildhauern in Paderborn, Rüthen und Soest in Auftrag und wandte sich um Beiträge für die noch fehlenden elf Stationen mit einem Aufruf in der Zeitung an die breite Öffentlichkeit. Der Aufruf hatte Erfolg. Schon nach einem Jahr war der Kreuzweg im Großen und Ganzen fertig und konnte am 1. März 1868 [...] eingeweiht werden. Abgesehen von vielen unentgeltlich geleisteten Hand- und Spanndiensten hatte er bereits nahezu 800 Taler gekostet.?
Unermüdlich arbeitete Kaplan Fischer an der Ausstattung des Kreuzweges weiter. Er ließ die Stationen mit kleinen Grotten und Zieranlagen umgeben, deren Instandhaltung von einzelnen Familien oder Vereinen übernommen wurde. Wo er einen seltsam geformten Stein fand, mußte ihn Bauunternehmer Wietfeld zum Kreuzweg schaffen und dort aufstellen lassen. Endlich war die ganze Kreuzweganlage fertig. Die ganze Gemeinde hatte zur Fertigstellung etwas beigetragen. Nur zwei Gemeindemitglieder hatten jeden Beitrag verweigert. Die Namen der Stifter der einzelnen Stationen sollten, falls sie es wünschten, auf den Rückseiten der Stationen verewigt werden.
Meschede hat Fischer aber nicht nur den Kreuzweg zu verdanken. Er sorgte auch dafür, daß im Jahre 1870 die Kapelle am Klausenberg (?Blutschwitzender Heiland?) eingeweiht werden konnte.
Im Jahre 1876 wurde die Klausenkapelle durch den Grafen von Westphalen völlig renoviert und mit den heute noch vorhandenen Kunstwerken ausgestattet. Der Stil der Stationen deutet auch auf ihre Entstehung in jener Zeit.
In der Zeit des Nationalsozialismus sind einige der Reliefbilder mutwillig zerstört worden Im Jahre 1955 wurden die 14 Stationsbilder des Kreuzweges erneuert. Sie wurden durch Mosaikbilder Fred Eckersdorf (+2003) ersetzt. Die Kosten (3.000,00 DM) brachte die Mescheder Kreuzbruderschaft anläßlich ihres Stiftungsfestes auf (4. August 1455 - 500 Jahre).
Eine bildliche Wiedergabe des Kreuzweges stellt jeden Künstler vor eine schwere Aufgabe, sowohl in psychologischer als auch in formaler Hinsicht. Jede Station hat ihre eigene Dramatik, ihren besonderen Stimmungsgehalt, in dessen Mittelpunkt der Kreuzesträger selbst steht. Diese Welt der tiefsten seelischen Empfindungen wiederzugeben, ohne in eine Schablone zu verfallen, erfordert ein hohes Maß künstlerischer Reflexion, eigener Erlebnisstärke und ausgezeichneten Kompositionsvermögens. Es ist dem Künstler Fred Eckersdorf in den 14 Mosaikbildern gelungen. Das Material des Mosaiks ist zum großen Teil aus Gestein Deutschlands, ja, unserer Gegend geschlagen, beginnend mit dem Anröchter Sandstein, dann dem Diabas, dem Granit und Travertin. Dazu nahm Eckerdorf die Helle des Cararischen Marmors, des venetianischen Rot und zu besonderen Effekten, z. B. beim Nimbus, das funkelnde Gold.
