Klocken Kapelle, oder wie die Türken vor Wien bewirkten, dass ...


... in Meschede eine Kapelle gebaut wurde

Haus Klocke, Marktplatz (Hotel Böhmer bis 1968)
Die Türken vor den Mauern Wiens

Die Legende berichtet über die Entstehung der Kapelle im Norden Meschedes:

Aus dem Hause Klocke am früheren Marktplatz - vielen Meschedern noch als späteres Hotel Böhmer bekannt - stammt ein Sohn des damaligen Mescheder Bürgermeisters Heinrich Hengesbach, der zur Zeit der Türkenbelagerung in Wien weilte.

Klocken Kapelle um 1830

Am 9. September 1683 fiel er, den man nach dem Geburtshaus "Klocke" nannte, auf dem Weg zu einem der Vororte Wiens in einen unterirdischen Gang, den die Osmanen-Horden zur Unterminierung der Stadt gegraben hatten. In seiner Bedrängnis rief er die 14 heiligen Nothelfer um Hilfe an.

Mit größter Mühe konnte er sich schließlich befreien und dem Stadtkommandanten von Wien, Graf Starhemberg, Meldung von dem Gang erstatten. Die Türken wollten nämlich den Stollen mit Pulver füllen und so die Wallmauer in die Luft jagen, was durch diesen Vorfall verhindert werden konnte.  Drei Tage später wurden die Türken von einem Entsatzheer unter Polenkönig Johann Sobieski entscheidend geschlagen.

Als  "Retter Wiens" erhielt Hengesbach für seine Entdeckung ein namhaftes Geldgeschenk. Glücklich in die Heimat zurückgekehrt, ließ er unterhalb des Krähenberges (gegenüber der heutigen Fabrik Leiße) eine Kapelle errichten. Dies ist auch der Jahresrechnung der Freiheit Meschede von 1684 zu entnehmen. Der Grundriss bildete ein unregelmäßiges Oktagon.

Sechs Seiten waren außen je 2 m breit, die Türseite und die gegenüberliegende viereckige Apsis je 3,20 m. Das hochgeschwungene Barockdach war mit Schiefer gedeckt. Sechs Linden beschatteten die Kapelle.

Nothelfer aus Klocken Kapelle

Bis 1871 war das kleine Heiligtum die dritte Segensstation bei der großen Fronleichnamsprozession in Meschede.

Nach Eröffnung der Bahnlinie war dieser Prozessionsweg allerdings zu gefährlich geworden, denn man musste zweimal die Gleise überschreiten. Daher wurde im Jahre 1872 durch ein Abkommen mit dem Grafen von Westphalen ein neuer Prozessionsweg festgelegt.

Die Kapelle war den 14 Nothelfern geweiht. Entsprechend dem Gelöbnis, das Hengesbach in seiner Not abgelegt hatte, waren in ihr die in Holz geschnittenen Figuren der 14 Nothelfer aufgestellt.

Im Rahmen der Separation (1906) wurde "Klocken Kapelle" abgerissen. Sie musste dem Bau der Lagerstraße weichen. 222 Jahre hatte das Gotteshäuschen an der Landstraße nach Galiläa dem Zahn der Zeit getrotzt. Die Straßenbezeichnung "An Klocken Kapelle" erinnert noch heute an das Gotteshaus, das zuletzt der Familie Soer gehörte.

Nach Abbruch des "Mahnmals des Türkenkrieges" wurden die 14 Nothelfer-Figuren sichergestellt und in der Dorfkapelle von Berghausen bei Meschede untergebracht. Der Graf von Westphalen hatte sie 1906 erworben und so vor der Zerstörung bewahrt.

Heute befinden sich die Figuren in der Schatzkammer St. Walburga.

Doch nicht nur der Name "Klocken Kapelle" und das Haus am Kaiser-Otto-Platz rufen die Türkenkriege in die Erinnerung zurück. Im Stadtarchiv Arnsberg werden noch heute die alten Schatzungs-Register für die sogenannte Türkensteuer aufbewahrt. Um den Osmanen militärisch Paroli bieten zu können, wurde im Herzogtum Westfalen eine spezielle Kopfsteuer erhoben. Diese Kopfpauschale wirkte sich besonders krass aus, da jeder Bürger, gleichgültig ob arm oder reich, ob kinderreich oder kinderlos, den gleichen Betrag zahlen musste.

Meschede hatte - bei etwas mehr als 100 Haushaltungen - 200 Taler aufzubringen, was für die kleine Freiheit eine außerordentlich drückende Bürde war.

Aber auch damals galt schon: Freiheit gibt es nicht zum Nulltarif.