Hochwasser in der Innenstadt
Überflutungen durch Hochwasser von Ruhr und Henne
Sieht man die schriftlichen Quellen zur Geschichte der Stadt Meschede durch, so stößt man immer wieder auf den Hinweis "Hochwasser in Meschede". Exemplarisch für die häufig vorkommenden Hochwasser, seien hier nur einige beschrieben.
Der ehemalige Stadtvorsteher Bange (Stadtvorsteher von 1922 bis 1933) schreibt in seinen Aufzeichnungen über das Hochwasser von 1890: "Am 24. und 25. November hatte Meschede ein Hochwasser, wie es jedenfalls seit Menschengedenken nicht der Fall gewesen ist. Die Hochflut kam um so überraschender, als kein Schnee lag, wohl aber wochenlang regnerisches Wetter gewesen war, das am 24. November bei stürmischen Winden zu einem Dauerregen sich gestaltete, wodurch alle Quellen der Tiefe aufbrachen und große Wassermengen in die Flüsse und Bäche beförderten. In manchen Straßen und Häusern stand das Wasser über l 1/2 Meter hoch, und viele Brücken und Stauwehre wurden vom Hochwasser fortgerissen, wenn auch in der Stadt Meschede die Brücken standhielten . Ein mit 27 Personen besetzter Leiterwagen, der es versuchte vom Rathaus über die Ruhrstraße zur Ruhrbrücke und Eisenbahn zu kommen, geriet auf der Ruhrstraße in die starke Strömung, so daß der Wagen sich herumwarf und die Leute nur dadurch vom Ertrinken gerettet wurden, weil die Wagendeichsel in einem Schaufenster sich festklemmte und die Leute durch ein Fenster in das obere Stockwerk des Hauses flüchten konnten."
Die Mescheder Zeitung vom 26. November 1890 schreibt: "Um 12 Uhr nachts stand das Wasser schon so hoch, wie es meistentheils bei Hochwasser zu stehen pflegt. Als aber dann immer noch keine Änderung eintrat, es vielmehr bei heulendem Sturm noch stärker regnete, da zwang die Noth zum allgemeinen Anpacken. Brüllendes Rindvieh sowie schreiende Schweine mußten durch 3-4 Fuß tiefes Wasser transportiert werden, und da aus vielen Häusern dies nicht mehr möglich war, so mußte die Schlachtung der Schweine sofort erfolgen.
Der dämmernde Tag besah eine großartige Wasserlandschaft: Vom Eisenbahndamm an glich das Ruhr- und Hennethal einem See, aus dem die Häuser nur hervorragten, Wiesen und Gärten waren nicht mehr zu sehen." Die Mescheder Zeitung berichtet weiter, daß fast kein Haushalt von dem Hochwasser verschont blieb, sei es, daß Ziegen und
1909
Schweine ertranken, dass Ställe und Zäune weggerissen oder daß Gärten weggeschwemmt wurden.
Der Eisenbahnverkehr nach Meschede mußte eingestellt werden, da der Bahndamm zwischen Wennemen und Stockhausen und die Eisenbahnbrücke beim damaligen Bahnhof Eversberg stark beschädigt waren.
Der Hennetalsperre (Bau 1901 bis 1905) war es zu verdanken, daß das Hochwasser von 1909 die oberen Stadtteile an der Henne fast ganz verschonte, da die Hochfluten der Henne von der Talsperre aufgenommen werden konnten. Trotzdem waren in Meschede 36 Wohnhäuser, davon 10 Geschäftshäuser, unter Wasser gesetzt.
1925/26
Ein sehr feuchtes aber sicherlich nicht sehr fröhliches Silvester erlebten die Mescheder 1925. Die Hennetalsperre konnte die Wassermassen nicht mehr aufnehmen und lief über. Besonders in den südlichen Stadtgebieten war das Hochwasser sehr reißend und hinterließ große Schäden. Bange schreibt weiter: "Die Überhenne, Hennestraße, Mittelstraße (Gutenbergstraße), Ruhrstraße, Mittelgasse sowie ein Teil der Zeughausstraße und des Mühlenwegs waren teilweise einen Meter tief im Wasser...".
1932
Beim Hochwasser im Januar 1932 wurde der nördliche Aufgang zur Ottobrücke durch die starke Strömung losgerissen und abgetrieben.1946
Bernhard Göbel schreibt in seinen Aufzeichnungen über das Hochwasser 1946: "Mitte Oktober ließen starke Regenfälle Henne und Ruhr gewaltig anschwellen. Eine der schwersten Überschwemmungen suchte die Stadt heim. Die Bilder aus dieser Zeit sind von einer aussichtslosen Trostlosigkeit: zu Bergen gehäufte Trümmer von Wasserströmen umspült, die Straßen fast wie ausgestorben. Englisches Militär setzte seine Wagen ein, um die Passanten zu befördern. Ratten huschten in Fülle durch die Ruinen, um ihr kostbares Leben zu retten. Seuchen breiteten sich aus und nahmen erschreckende Ausmaße an."
