Verlegung der Henne
Die Situation vor dem 2. Weltkrieg und die Umlegung danach
Bis zum 2. Weltkrieg floss die Henne von der Zeughausstraße aus im Bogen nach links; das Flussbett lag hinter den Häuser der Ruhrstraße, die Mündung in die Ruhr war nahe der jetzigen Ruhrbrücke.
Die Stadt Meschede liegt an der Einmündung der Henne in die Ruhr und wurde auf einem Mündungskegel der Henne erbaut. Bis zum Jahr 1950 hatte die Stadt nahezu alljährlich unter Überschwemmungen der Ruhr und Henne zu leiden, weil Ruhr und Henne früher nicht in der Lage waren, Hochwasser ohne Ausuferung abzuführen. Es wurde der tiefgelegene Teil der Stadt Meschede bei jeder größeren Flut völlig überschwemmt. In den mit Wasser gefüllten Kellern verdarben Vorräte, Wohnungen mußten geräumt werden, und die Häuser wurden feucht und ungesund. Die Hauptstraßen der Stadt, insbesondere die Ruhrstraße, die Mittelstraße (heute Gutenbergstraße) sowie die Wohngebiete an der oberen Henne und im Rebell waren unpassierbar und für jeglichen Verkehr gesperrt. In diesen Straße und Bezirken stand das Wasser oft mehr als 1 m hoch. Ebenso ruhte der Verkehr über die Bundesstraßen 7 und 55, die sich im Zentrum der Stadt kreuzten, bei Überschwemmungen oft tagelang. Ein Beleg sogar für Überschwemmungen, die bis zur Stiftskirche St. Walburga reichten, fand sich bei den Ausgrabungen der mittelalterlichen Fußböden im Kirchenschiff. Schlamm und Sand waren hier eingedrungen.
Neuplanung der Straßen- und Flussführung nach den Zerstörungen
Bei Luftangriffen im Februar und März 1945 stürzten ganze Mauern und Häuser in die Vorfluter und schütteten besonders die Henne teilweise zu. Diese Trümmer bewirkten nicht nur eine weitere Verengung der Fluß- / Bachläufe und somit eine erhöhte Überschwemmungsgefahr, sondern verstopften auch die Entwässerungsleitungen der Häuser. Durch die in den Kellern und Straßen sich sammelnden Abwässer entstanden Seuchenherde, die noch vergrößert wurden durch unzureichende Trinkwasserversorgung infolge der Zerstörung des Wasserversorgungsnetzes durch die Bombenangriffe.
Die vielen Typhuserkrankungen des Jahres 1945 wurden von der Gesundheitsbehörde auf die katastrophalen Wasserverhältnisse im Stadtgebiet zurückgeführt.
Die Henneumlegung
Vor dem Wiederaufbau der Stadt war deshalb eine durchgreifende Beseitigung der wasserwirtschaftlichen Mißstände eine zwingende Notwendigkeit. Ohne diese Maßnahme hätte der Stadtkern, insbesondere das Hennegebiet, auf den völlig unzulänglichen alten Baugrundstücken wieder errichtet werden müssen. Damit wäre aber die häufige Überflutung der Häuser mit der Vernichtung wertvoller Bestände auf lange Zeit besiegelt gewesen.
Erst durch die Verlegung und Vertiefung der Henne und die Regulierung der Ruhr wurde die Möglichkeit zur Durchführung der gesamten Stadtplanung geschaffen und wertvolles Wohngelände für die Bebauung erschlossen, denn Messungen aus dem Jahr 1947 belegen plötzliche Schwankungen der Wassermenge dieser Flüsse, wenn Schneeschmelze oder große Niederschlagsmengen zum Abfluß gebracht werden mußten.
Nicht einmal der (erste) Talsperrenbau hatte es verhindern können, daß die Henne nach einem schneereichen Winter oder einem feuchten Frühjahr mitten durch die Stadt floß. Regelmäßig war die Ruhrstraße überflutet. Ausgerechnet dicht vor der Ruhrbrücke mündete die Henne in die Ruhr. Dadurch wurde der Staueffekt verstärkt. Außerdem waren Ruhr und Henne durch Ablagerungen von Geröll und Schutt in langen Jahren, vor allem aber im zweiten Weltkrieg, „gewachsen“. Ihr Bett hatte sich erhöht.
Um den Bewohnern des Stadtkerns die Möglichkeit zum beschleunigten Wiederaufbau zu geben, wurde zunächst die Henne nach einem von Kreiskulturbaumeister König aufgestellten und von der Regierung in Arnsberg landespolizeilich genehmigten Projekt ausgebaut. Dabei ist die Henne auf einer Länge von 270 m ganz um 100 m nach Osten verschoben und in 3,30 m hohe und mit Bruchstein verblendete Ufermauern eingefaßt worden. Die gepflasterte Sohle der neuen Henne hat eine Breite von 10 m. Infolge von Widerständen in der Bevölkerung, konnte die Verlegung der Henne erst im Jahre 1949 beendet werden.
Zur Schaffung der Vorflut im oberen Hennegebiet wurde im Jahre 1949 diese Hennestrecke durch Ausbaggerung erheblich vertieft und verbreitert. Es handelte sich dabei um eine Flußlauflänge von 280 m. Ein Teil der Böschung ist mit Großpflaster aus Bruchsteinen gegen Uferschäden gesichert worden.
Zwei Brücken mußten über diese neue Henne geschlagen werden. Infolge der späteren Überbauung sind sie heute nicht mehr zu erkennen
