Gräberfeld Meschede-Berghausen


Der einzige Friedhof im Sauerland mit Reihengräbern...

... aus dem 7./8. Jahrhundert ist nur wenigen Bürgerinnen und Bürgern bekannt.

Er liegt auf einem kleinen Plateau, am Kreuzungspunkt von alten Höhenwegen, nördlich von Meschede-Berghausen auf dem Grund und Boden des Grafen von Westphalen.

Schon im Jahr 1930 wurde hier beim Ausbau des Prozessionsweges nach Berghausen das Gräberfeld eines frühgeschichtlichen Friedhofs entdeckt. Unter Leitung des Münsteraner Professors Stieren gruben Mitarbeiter des westfälischen Landesmuseums, Münster, einen Teil der Gräberstätte aus.

Unter dem Titel "Fränkische Begräbnisstätte gefunden", meldete am 7. November 1930 die "Mescheder Zeitung": "Beim Bau eines Weges auf dem Deibelsstuken nördlich von Meschede-Berghausen wurde eine Anzahl menschlicher Skelette in 50 bis 60 Zentimeter Tiefe teils im Mutterboden, teils im Faulschiefer und im Felsen gefunden"

Neben 76 Baumsarg-Bestattungen wurde damals auch ein Pferdegrab entdeckt. Die einzelnen Gräber waren in einem Abstand von 0,5 bis zu einem Meter ausgehoben worden. 72 wurden in Ost-West-Richtung angelegt - Blickrichtung Osten -, vier in Nord-Süd-Richtung. Die in Nord-Süd-Richtung angelegten Gräber, einschließlich des Pferdegrabes, sind archäologische Dokumente aus sächsischer, heidnischer Zeit. Noch heute zeugen Ortsnamen auf -hausen und -inghausen von diesem Einfluss. Das dünn besiedelte Sauerland war damals Grenzgebiet zwischen den Franken und den Sachsen.

Der sächsisch-heidnische Einfluss wurde bald durch christlich-fränkischen abgelöst, denn die nachfolgenden Bestattungen fanden in der Tradition christlich-fränkischer Ost-West-Richtung statt.

Unsere Vorfahren beerdigten ihre Verstorbenen mitsamt Hab und Gut, - die Männer mit Waffen, die Frauen mit Schmuck.

In den Gräbern wurden zahlreiche Beigaben entdeckt. So z. B. zwei einschneidige Schwerter, ein Einschlagmesser und drei Tongefäße. Weiter wurden vier unverzierte Bronzearmringe, eine Riemenzunge aus Bronze mit Ornament, vier Perlenketten und Gewandspangen gefunden.

Zwar vermutete Prof. Stieren damals, dass sein Fund nicht die gesamte Grabanlage gewesen sein könne, aber aus Geldmangel musste er die Grabungen bei Berghausen schon bald abbrechen.

Seine Unterlagen sind nach den heutigen wissenschaftlichen Methoden zwar spärlich, sie genügten aber, um die wissenschaftlichen Mitarbeiter des Westfälischen Museums für Archäologie (Außenstelle Olpe) 1985 auf die richtige Spur zu bringen. Ganz in der Nähe der alten Grabungsstätte wurden die Suchenden fündig.

Vorsichtig mussten etwa 60 cm Erde bis zu den Gräbern abgetragen werden. Acht Archäologen des Amtes für Bodendenkmalspflege hoben, schaufelten und kratzten in mühevoller Kleinarbeit und nahezu unbemerkt von der Öffentlichkeit den Mutterboden des Ackers beiseite, legten die Gräberanlage frei und fanden 15 Gräber, neun davon noch sehr gut erhalten. Die übrigen sind zum Teil durch das Pflügen des Ackerbodens, unter dem sie fast 1300 Jahre ruhten, stark beschädigt worden, die Knochen wurden verstreut.

Wo der Laie nur dunkle Verfärbungen im Boden sieht, identifiziert der Archäologe Holzreste von gut erhaltenen Baumsärgen.

Die abgetragene Erde wurde sorgfältig "geschlämmt", um auch die kleinsten Bruchstücke noch zu retten. Die gefundenen Stücke wurden untersucht und aufbewahrt. Die Ergebnisse der Untersuchungen sollen eines Tages näheren Aufschluss geben z. B. über Alter und Geschlecht der Toten.

Die Wissenschaftlerin Anna-Helena Heidinger, Leiterin der Ausgrabungen von 1985, vermutete, dass ganz in der Nähe der Gräberstätte eine ca. 1300 Jahre alte Siedlung liege. Darauf deute auch die Wortendung -sen von Berghausen hin.

Nach Abschluss der Arbeiten wurden die Reihengräber wieder mit Erde bedeckt.