der Ensthof und die Kapelle St. Franziskus-Xaverius
Die Bezeichnung "Enste" oder "Ennest" gehört zum Altnamensbestand in Westfalen. Der Ensthof liegt in einer Reihe von alten Einzelhöfen auf der nördlichen, vom Löss überwehten Hauptterrasse der Ruhr zwischen Meschede und Freienohl. Das hofnahe Ackerland ist im Urkataster von 1830 in die Klasse I eingestuft. Es finden sich dort die besten Ackerböden im Hochsauerlandkreis.
Bodenfunde östlich des Hofes datieren in die frühe Eisenzeit. Es wurden Scherben von sogenannten "Rautöpfen" gefunden, die in der Zeit um 800 v. Chr. hergestellt wurden. Südlich des Hofes nutzte man im 19. Jahrhundert den Lösslehm zum Ziegelbrennen, nördlich des Hofes stand ein Kalkofen.
Urkundlich ist nur wenig überliefert. A. Hömberg berichtet, dass 1652 das freie Erbgut Ensthof wüst lag, "weil der Bauer dem Kriege nachgezogen war" (Staatsarchiv Münster, Herzogtum Westfalen, Landesarchiv VI, S. 283 ff.). 1725 liegt der Ensthof auf einer Karte nördlich des Heerwegs von Arnsberg nach Meschede und ist durch einen umlaufenden Zaun geschützt (Karte zum Prozess um die Jagdrechte des Hauses Laer).
Im Verzeichnis zur Türkensteuer von 1759 findet sich der Name Jürgensmann im Ensthof und in einem Kotten von Haus Laer Jäger von Ensthof und dessen Ehefrau (Die Freiheit Meschede – 500 Jahre Bürgersprache, St.-Georgs-Schützenbruderschaft Hg. Meschede, 1986, S. 218/219).
1895 wohnen auf dem Ensthof 18 Seelen. Die Kapelle ist St. Franziskus-Xaverius geweiht. (Schematismus des Bisthums Paderborn, Paderborn 1895, S. 91). Das Patrozinium St. Franziskus-Xaverius (3. Dezember) findet sich auch in Frenkhausen, Mittel-Sorpe und Wennigloh (De Suerlänner, Heimatkalender für das Kurkölnische Sauerland, Arnsberg, 1952 S. 27).
Auf der Karte von der St. GM. Berghausen (später Meschede-Land) von 1828 mit Nachträgen bis 1872 ist die Kapelle bereits eingetragen (Katasterarchiv des HSK, Arnsberg).
Die als Baudenkmal geschützte Hofkapelle wird urkundlich erstmalig 1881 in einem Kaufvertrag zwischen dem damaligen Besitzer Franz Jürgens und dem Käufer Reichsgraf von Westphalen-Fürstenberg zu Laer erwähnt. Im Paragraphen 1 sind die Kapelle, der Altar, die Bänke, die Glocke und zwei Messgewänder aufgeführt.
Die im neugotischen Stil als Oktogon erbaute Kapelle hat ein Vergleichsstück auf dem Hof Heinemann–Horbach (St. Apollonia). Der achteckige Zentralbau hat ein Pyramidendach mit hohem Dachreiter und zeigt Ziergliederung neugotischer Formensprache. Die Glocke stammt aus der Kapelle in Immenhausen, trägt die Jahreszahl 1848 und die Inschrift "Langscheid".
Die Errichtung der Hofkapellen könnte mit dem sogenannten "Kulturkampf" im Zusammenhang stehen, den der preußische Staat gegen die Katholische Kirche führte. Nach den 1873 erlassenen Maigesetzen durften Pfarrer nur mit Genehmigung des Oberpräsidenten angestellt werden. Nach dem Tode des Dechanten Peters 1874 hatte der Kaplan Fischer die pfarramtlichen Funktionen in der Pfarrei St. Walburga übernommen. Am 14. August erhielt er daher die amtliche Ausweisung aus den Kreisen Meschede, Arnsberg und Brilon. Da die Wahl eines neuen "Staatspfarrers" in Meschede scheiterte, blieb die Gemeinde bis 1886 ohne Pfarrer. Die Zwangsausweisung des Kaplan Fischers erfolgte am 22. August 1874. Unter den Bürgern, die ihn durch die schwarzbeflaggte Ruhrstraße zum Bahnhof begleiteten, waren der Graf von Westphalen und Franz Jürgens vom Ensthof. Fischer unternahm aber trotzdem heimlich "Missionsreisen," um die verwaisten Gemeinden zu besuchen. Die privaten Hofkapellen entzogen sich der Kontrolle der preußischen Gendarmen und boten die Möglichkeit zur Messfeier (Wiese, Peter: Aus Meschedes Vergangenheit. Meschede, 1932, S. 66 – 68).
In der Zeit des Zweiten Weltkrieges 1942 – 1945 waren russische Zwangsarbeiter in der Kapelle untergebracht, die nach ihrer Befreiung Inventar und Fenster verwüsteten.
Die Familie Josef Beule musste wegen der Vergrößerung der Hennetalsperre 1955 ihren Hof in Immenhausen verlassen und kaufte den Ensthof vom Grafen von Westphalen. Zeitweilig wohnten dort zuvor die Familien Donner, Leib, Wilmes und Suda. Dank der Initiative der Familie Beule wurde die Kapelle restauriert und erhielt die Innenausstattung der in Immenhausen abgebrochenen Hofkapelle. Am Sonntag, dem 4. Dezember 1955, wurde die Kapelle durch Pfarrer Künsting und Pfarrer Wilhelm Beule neu geweiht. Die neuen Fenster versinnbildlichen die drei göttlichen Tugenden Glaube, Hoffnung und Liebe sowie die Kardinaltugenden Klugheit, Tapferkeit, Gerechtigkeit und Mäßigung.
Bei der Renovierung im Jahr 2004 wurden die drei Fenster nach Westen und ein Fenster nach Norden restauriert, der Innenputz wurde teilweise neu aufgebracht, in der ganzen Kapelle wurde der Innenanstrich erneuert. Die Figur des hl. Franz Xaver über dem Kapelleneingang wurde vollkommen restauriert.
(Reinhard Köhne)
