Abtei Königsmünster


Vorgeschichte

Seit 1928 sind die Benediktiner in Meschede und haben mit der Schule und dem Kloster prägenden Einfluss auf das Bild der Stadt.

In St. Ottilien westlich von München wurde im Jahr 1887 ein Kloster gegründet mit der Zielsetzung, Benediktiner auch in die Mission zu entsenden. Schon bald gingen von dort die ersten Missionare nach Tansania, Korea, später Südafrika. Die von den Missionaren gegründeten Klöster bilden heute die Benediktinerkongregation von St. Ottilien. Da in den Jahren vor dem 1. Weltkrieg auch viele Westfalen in St. Ottilien eintraten, schien eine Klosterneugründung dort erfolgversprechend. Erzabt Norbert Weber wurde auf Meschede als möglichen Standort aufmerksam.

Die Stadt Meschede suchte schon seit einiger Zeit nach einer Ordensgemeinschaft, die die städtische Rektoratsschule übernehmen und der Stadt dadurch eine schwere finanzielle Last abnehmen würde. Die Schule umfasste die Klassen Sexta bis Obertertia (5 bis 9) und war praktisch ein Gymnasium ohne Oberstufe. Schüler, die sich auf das Abitur vorbereiten wollten, mussten die letzten Schuljahre außerhalb Meschedes verbringen. 

Nach einigen Verhandlungen kam es am 2. 3. 1928 zum Vertragsschluss zwischen Erzabt Norbert Weber und Bürgermeister Ebel. Die Benediktiner verpflichteten sich, die Schule ab 1934 zu übernehmen. Die Stadt übergab ihnen dafür 12,5 ha Bauland auf dem heutigen Klosterberg und wollte alles Bauholz liefern, das das neue Kloster bis 1953 brauchen würde. Der Tag des Vertragsschlusses gilt als Gründungstag von Königsmünster.

P. Hermann im Kreise der Schüler

Anfänge in Meschede

Erzabt Norbert ernannte den 47jährigen P. Linus Leberle zum Oberen des neuen "Benediktinerklosters für äußere Mission Meschede". Als erster der zehnköpfigen Gründungsmannschaft traf er am 31. März 1928 am Mescheder Bahnhof ein. Zunächst wohnte er bei Bekannten, bis er nach drei Wochen in das vorläufige Kloster in der Steinstraße, direkt neben der Rektoratsschule, einziehen konnte.

Das Haus füllte sich bald: Die übrigen neun Mitbrüder trafen ein, und noch im selben Jahr wurde das Konvikt, ein kleines Internat für Jungen, eingerichtet. Von den Konviktsschülern hoffte man, dass sie nach dem Abitur in das Kloster eintreten und dann eines Tages als Missionare nach Afrika oder Korea ziehen würden. Doch in den fast vierzig Jahren, die das Konvikt bestehen sollte, fanden nur sehr wenige seiner Schüler den Weg ins Kloster.

Die beengten Verhältnisse in der Steinstraße besserten sich etwas, als die Mönche 1930 in die "Villa Maria" an der Pulverturmstraße umziehen konnten, während das Konvikt in der Steinstraße blieb. Die "Villa" gehört noch heute zum Kloster, das sie wegen ihrer günstigen Lage am Südrand des Klostergeländes erworben hatte. Eine Baracke, die in Berlin als Werkstatt gedient hatte, wurde dort gekauft, in Einzelteile zerlegt und in Meschede als Notkirche an die "Villa Maria" angebaut. Dieses "Provisorium" konnte erst 1967 abgerissen werden.

Das Jahr 1932 brachte das junge Kloster ein gutes Stück voran: Am 10. Februar wurde es zu einem selbständigen Priorat und war damit unabhängig vom Mutterkloster St. Ottilien. Auch konnte es jetzt Novizen aufnehmen und sie in Meschede zu Benediktinermönchen ausbilden. P. Linus wurde zum ersten Prior ernannt. Das Priorat gab sich nach dem neu eingeführten Christkönigsfest den Namen „Königsmünster“.

In diesem Jahr war auch der Baubeginn des eigentlichen Klostergebäudes. Der Düsseldorfer Architekt F. Schneider hatte Pläne für ein Kloster ausgearbeitet, das sich streng symmetrisch um eine monumentale Kirche gruppieren sollte. Etwas zu optimistisch rechnete die Planung mit mindestens fünf Benediktinermissionaren, die jedes Jahr aus dem Konvikt hervorgehen würden. Wegen der Weltwirtschaftskrise, und weil die Kongregation durch ein unglückliches Geschäft einen schweren finanziellen Verlust erlitten hatte, war zunächst nur an den Bau des Ostflügels zu denken.

An der feierlichen Grundsteinlegung am 10. Juli 1932 nahmen außer zahlreichen katholischen Geistlichen auch der evangelische Pfarrer und ein Vertreter der jüdischen Gemeinde teil. 1934 konnten die Mönche von der "Villa Maria" in das nach Plänen des Architekten F. Schneider errichtete neue Kloster einziehen. Dies war der erste Bauabschnitt einer vorgesehen großen Klosteranlage.und die Konviktsschüler von der Steinstraße in die "Villa" umziehen. Im selben Jahr wurde die Rektoratsschule an die Benediktiner übergeben.

Das Konvikt blieb dort, abgesehen von den Jahren 1940 bis 48, bis zu seiner Auflösung 1967, als es nach Auffassung des Landschaftsverbandes den modernen Anforderungen nicht mehr entsprach.

Frühstückspause im Lehrerzimmer der Nachkriegszeit. Am vorderen Tisch in der Mitte P. Harduin, der spätere erste Abt

Im nationalsozialistischen Deutschland

Die Übergabe der Schule vollzog sich in aller Stille, denn die Deutschen hatten sich ja schon im Jahr zuvor auf den Weg gemacht, der nach Auschwitz und Stalingrad führen sollte. Innerhalb wie außerhalb der Kirche fanden sich zu wenige, die den Mut und die Fähigkeit hatten, dem Regime erfolgreichen Widerstand zu leisten. Obwohl Königsmünster nicht "in vorderster Front" stand, wie es im Jahresbericht von 1949 heißt, so blieb es doch nicht verschont. Sogar einige der Mönche neigten der NS-Ideologie zu und verließen später das Kloster.

Dies mag mit ein Grund für den alternden P. Linus gewesen sein, das Amt des Priors 1937 niederzulegen. Er hatte das Kloster durch die schweren Jahre der Gründung, der Weltwirtschaftskrise und der beginnenden NS-Herrschaft geführt. Der neue Prior wurde nun nicht mehr ernannt, sondern von den Mönchen gewählt. Die Wahl fiel auf den 36jährigen Dr.  P.  Alban Buckel aus der Abtei Münsterschwarzach am Main.

Schon seit einigen Jahren hatten die Nationalsozialisten verschiedene Schikanen gegen die Klöster ausgeübt. Nach Kriegsbeginn wurde die Lage ernst. Das Kloster versuchte, der drohenden Aufhebung zu entgehen. Man betonte den starken Einsatz der Ottilianer Mönche als Soldaten im Ersten Weltkrieg, und im Juni 1940 überließ Königsmünster einen Teil des Klosters der Wehrmacht als Lazarett, in der Hoffnung, ein Lazarett werde die Gestapo fernhalten.

Doch die Machthaber nahmen keine Rücksicht. Zunächst musste das Kloster im Sommer 1940 die Schule an die Stadt übergeben. Die Gestapo übernahm das Kloster am 19.  März 1941. Gerade 13 Jahre hatte es bestanden. P.Alban und zwei Mitbrüder wurden verhaftet und erst nach einigen Monaten wieder entlassen. In Meschede umfasste das Lazarett jetzt das ganze Klostergebäude. Die Clemens-Schwestern, die bisher die Pflege geleistet hatten, weigerten sich aus Solidarität mit den vertriebenen Mönchen, diesen Dienst fortzusetzen und mussten durch weltliche Krankenschwestern ersetzt werden. Erst 1943 kehrten sie zurück, als das Lazarett in ein Tuberkuloselazarett umgewandelt wurde.

Die Schule wurde von der Stadt ab 1941 um die oberen Klassen erweitert, so dass sie nun bis zum Abitur führte.

Friedenskirche

Neuanfang

Im Jahr 1945 kehrten die Mönche nach Meschede zurück, und der Wiederaufbau begann. 1946 erhielt das Kloster die Schule zurück, 1948 konnte das Konvikt wiedereröffnet werden, und 1949 war auch das Paderborner Studienhaus St .Ansgar bezugsfertig

Am 18. Oktober 1956 wurde das Priorat zur Abtei erhoben. Der Konvent wählte am 5. 12. 1956 P. Harduin Bießle zum ersten Abt. 1902 geboren, trat er 1923 in die Erzabtei St.Ottilien ein. Kurz nach seiner Priesterweihe wurde er 1929 nach Meschede gesandt und war seit 1940 und wieder seit 1946 Leiter der Schule. Außerdem war er als Subprior Stellvertreter von P. Alban.

Durch Erzbischof Lorenz Jaeger, den späteren Kardinal, fand am 15. Januar 1957 die feierliche Abtsweihe statt. Am selben Tag wurde P. Winfried Kämpfer zum neuen Direktor des Gymnasiums ernannt. Die Abtsweihe mit ihrer ganzen liturgischen Pracht musste in der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt stattfinden und wies so deutlich darauf hin, dass der jungen Abtei etwas Entscheidendes fehlte: Eine dem feierlichen Gotteslob, einer Hauptaufgabe der Benediktiner, angemessene Kirche

Jugendgästehaus Oase

Bau der Abtei- und Friedenskirche

In den folgenden Jahren begannen die Planungen für den Bau der Kirche, „einer Friedenskirche in einer Welt, die nicht zum Frieden kommen kann", wie es 1958 im Jahresbericht hieß. Noch 1951 war das Kellergeschoss des Westflügels - heute die Aula der Schule - nach den Plänen von Architekt Schneider aus dem Jahr 1932 entstanden. Aber schon als die Schule 1958 endlich von der Steinstraße auf den Klosterberg umziehen konnte, passte das neue Schulgebäude nicht mehr in diese Pläne, die auch jetzt für den Kirchbau nicht wieder aufgegriffen wurden.

Die Mönche beauftragten den Architekten Hans Schilling aus Köln, der im November 1960 sein Kirchenmodell vorstellte. Das Modell war der Zeit um einige Jahre voraus, denn es nahm die Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils schon vorweg, das ja erst 1962 begann. Im Frühjahr 1961 begannen die Arbeiten, 1962 legte Erzbischof Jaeger den Grundstein. Am 25. Jahrestag des deutschen Angriffs auf Polen, dem 1. September 1964, konnte er wieder nach Meschede kommen, um die Kirche Christus, dem König des Friedens, zu weihen.

Luftbild auf den Klosterkomplex

Die Zeit nach dem Konzil

Der Kongress der Benediktineräbte in Rom 1966 und das Generalkapitel der Ottilianer Kongregation, das sich an den Kongress anschloss, bemühten sich um die zeitgemäße Erneuerung des Ordenslebens im Sinne des Konzils. Bisher hatte es eine deutliche Trennung gegeben zwischen den Priestern des Klosters, den Patres, und den Brüdern, die vor allem für die Handarbeiten zuständig waren. Diese beiden Gruppen durchliefen ein getrenntes Noviziat, waren unterschiedlich gekleidet, hatten getrennte Erholungszeit (Rekreation) und getrenntes Chorgebet, wobei die Patres lateinisch beteten, die Brüder dagegen deutsch. Nur die Patres wählten den Abt und berieten im Kapitel über wichtige Angelegenheiten des Klosters, nur sie trugen beim Chorgebet die weite, faltenreiche Kukulle.

Mit dem Generalkapitel von 1966 fielen diese Schranken. Welche Begeisterung das in Königsmünster auslöste, kann man im Jahresbericht von 1967 lesen: „Am 28. Oktober (1966) eröffnete uns Vater Abt die Beschlüsse, und schon zwei Tage später konnte man keine zwei Gruppen mehr im Kloster unterscheiden. Bruder Andreas, unser Schneider, arbeitete im Akkord." Nur das Chorgebet blieb vorerst noch getrennt.

1970 konnte endlich die Orgel, für die nach dem Kirchbau kein Geld vorhanden gewesen war, in die Kirche eingebaut werden. Am 8. März wurde sie geweiht. Am folgenden Tag wurde die Umstellung des Chorgebetes auf die deutsche Sprache und den gemeinsamen Vollzug durch Patres und Brüder, die die Mönche seit 1968 schrittweise vollzogen hatten, abgeschlossen.

Am 15.8.1976 legte Abt Harduin im Alter von 73 Jahren sein Amt nieder. Schon 8 Tage später wählte der Konvent P. Stephan Schröer zu seinem Nachfolger.

Neben Schule und Mission fand die Abtei immer mehr eine dritte Hauptaufgabe in den jungen Leuten, die auf den Klosterberg kamen. Schon nach dem Krieg war die heutige „Arche" als kleine Jugendherberge eingerichtet worden. Als dann 1967 das Konvikt geschlossen werden musste, machten die Benediktiner aus der Not eine Tugend und boten in den freigewordenen Räumen verschiedene Kurse für Jugendliche an.

Durch den Kirchbau war die Abtei bekannt geworden und zählte viele Besucher, so dass schon in den 60er Jahren der Ruf nach einem Gäste- und Exerzitienhaus laut wurde. Aus Geldmangel musste der Bau aber zurückgestellt werden. Unter dem neuen Abt Stephan entstanden dann neben Angeboten für kleinere Gruppen die Wanderwoche, das ökumenische Pfingsttreffen und das Silvestertreffen.

Das Gästehaus, dessen Architekt wiederum Hans Schilling war, konnte Ostern 1981 zum ersten Mal benutzt werden. Bei der Einweihung am Pfingstfest erhielt es den Namen "Oase".

Neuere Entwicklungen

Eine wachsende Sorge der Abtei war seit den 50er Jahren der fehlende Nachwuchs gewesen. Zwar traten immer wieder einige junge Männer in das Noviziat ein, aber nur wenige blieben auf Dauer. Erst um 1980 besserte sich diese Situation schlagartig und die Zahl der Mönche wuchs kräftig an. Durch das Anwachsen der Gemeinschaft wurde ein Erweiterungsbau notwendig, der am 1.9.1987, dem Jahrestag der Kirchweihe, eingeweiht werden konnte. Seit den 1990er Jahren ging die Zahl der Mönche durch Austritte und Todesfälle wieder zurück.

Da sich nun aber weniger Brüder in der Ausbildung befinden, stieg die Zahl derer, die mit ganzer Kraft in der Abtei beten, und arbeiten weiter an. So war es möglich, eine Reihe von Arbeitsbereichen neu aufzubauen, so den Klosterladen, die Kunstschmiede, die Handweberei, die Töpferei und den Ausstellungsraum.

Abt Stephan legte sein Amt am 23.8.2001, dem 25. Jahrestag seiner Wahl, nieder. Unmittelbar zuvor konnte er noch das Haus der Stille einweihen. Mit diesem Haus der Stille kam die Erweiterung unseres Gastbereiches zu einem (zumindest vorläufigen) Abschluss.

Die Gemeinschaft wählte am 31.8. 2001 P. Dominicus Meier zum nunmehr dritten Abt von Königsmünster. Abt Dominicus wurde als erster Abt nicht auf unbegrenzte Zeit, sondern auf 12 Jahre gewählt. Damit machte die Abtei von einer Möglichkeit des neuen Kongregationsrechtes Gebrauch, die Amtszeit des Abtes schon vor der Wahl auf diesen Zeitraum zu begrenzen.

Zur Gemeinschaft gehören derzeit (27.2.2003) 66 Brüder. Davon wirken 6 als Missionare in Tansania, Südafrika und Südkorea, 8 wohnen außerhalb des Klosters.