das lesen Sie auf dieser Seite ...

Die Kreisstadt früher und heute


Die Anfänge ...

Im alten Meschede wurde im 9. Jahrhundert eine große karolingische Wehranlage auf einem Bergsporn über der Ruhr errichtet. Diese Wallburg, Hünenburg genannt, die nicht nur Fliehburg bei Kriegsgefahr sondern vermutlich auch Sitz der Grafen des Lochtropgaues war, lag in der Nähe eines wichtigen Übergangs an der Ruhr. In Meschede trafen sich der im Süden von der Heidenstraße bei Elspe abzweigende Kriegerweg mit einem aus dem Hellefelder Raum kommenden Fernweg. Nach der Ruhrüberquerung führte der Weg nach Norden Richtung Soest. Ein weiterer Wegabzweig führte nach Nordosten ab, Richtung Paderborn.

Die erste Erwähnung des Namens Meschede stammt aus dem Jahre 913 und bezieht sich auf die Immunität des um 875 gegründeten adligen Damenstiftes. Das Stift lag in günstiger Verkehrslage, am Kreuzungspunkt wichtiger, das Mittelgebirge querender Straßen, unter dem militärischen Schutz der benachbarten Hünenburg. Dieses Stift bildete von Anfang an den religiös-geistigen und wirt­schaftlichen Mittelpunkt der Siedlung Meschede an der Ruhr und seiner Umgebung. Eine starke Förderung erfuhr die junge Siedlung durch Verleihung der Markt- und Zoll­gerechtigkeit Mitte des 10. Jahrhunderts.

Unter Emhildis, der 1. Äbtissin, und deren Nachfolge­rinnen gewann das Stift Meschede an Macht und An­sehen. Von der Kölner Äbtissin Hitda wurde ein reich illustriertes Evangelienbuch der Kölner Malerschule, der sogenannte "Hitda-Codex" geschenkt. Dieser äußerst wertvolle Codex gehört heute zu den wertvollsten Büchern der Hessischen Landesbibliothek in Darmstadt.

Schon 913 bestätigte König Konrad I. in einer Urkunde dem Stift Privilegien früherer Herrscher. Das Stift gehörte mit einer Grundherrschaft von über 400 Bauernhöfen zu den reichsten Klöstern Westfalens, konnte sich aber von der Gewalt der mächtigen Grafen von Werl und Arnsberg nicht befreien, da diese die Vogtei innehatten und den Stuhl der Äbtissin mit Töchtern aus ihrem Haus zu besetzen pflegten.

König Otto I. überließ dem Stift im Jahre 958 den Zoll und den Markt, bzw. das aus dem Markt abspringende Marktgeld. Diese Schenkung hatte zur Folge, dass Meschede schon um die Mitte des 10. Jahrhunderts den rein ländlichen Charakter abstreifte. Durch den Markt und die Lage des Ortes an den Fernstraßen wurden Kaufleute und Handwerker angezogen, die in der Versorgung des Stifts und der Umgebung eine Existenzgrundlage fanden.

Man konnte auf reichhaltige natürliche Ressourcen zurückgreifen. Der Holzbestand war u. a. Grundlage für die Erstellung von Holzkohle, Wasser wurde für die Arbeit in Hütten- und Hammerwerken benötigt und es gab ebenfalls Erzvorkommen wie Eisen und Blei sowie Kupfer und Silber.

Dieser Epoche wird auch die Michaelskapelle auf dem Klausenberg in Meschede zugeschrieben. Im Inneren die­ser Kapelle sind ein wertvoller Schnitzaltar und ein gut erhaltenes Deckengemälde aus dem 15. Jahrhundert zu sehen. Das kleine Kirchlein wird als kostbares, eng mit der Geschichte dieses Raumes verknüpftes Kleinod geschätzt.

Ein weiteres Zeugnis der Geschichte ist die Schatzkam­mer der Walburga-Kirche, die kostbare Exponate aus der karolingischen Zeit birgt.

1310 wurde das adelige Damenstift wegen dem moralischen und wirtschaftlichen Verfall in ein auch Bürgerlichen offen stehendes Kollegiatstift für 15 Kanoniker umgewandelt, welches bis zur Säkularisation bestand.

Wirtschaftliche Entwicklung

Unter den in Meschede vertretenen zahlreichen Gewerben seit dem 30-jährigen Krieg ragte besonders die Tuchmacherei hervor. Seit 1715 gab es eine Tuchmachergilde. 1719 genehmigte der Kurfürst die Errichtung einer kombinierten Schreiner-, Schneider-, Schmiede- und Schuhmacherzunft.

Im Gegensatz zu der frühen Ausbildung städtischer Wirtschaftsformen erfolgte die Verleihung städtischer Rechte relativ spät. Zwar wurde Meschede schon beim Verkauf der Grafschaft Arnsberg 1368 zu den Freiheiten gezählt, die Rechte einer Freiheit, Arnsberger Recht, erhielt Meschede jedoch erst von Erzbischof Dietrich von Moers im Jahre 1457.

Alle Stadtteile sind gleiches frühmittelalterliches Sied­lungsgebiet, unterstanden bis 1368 den Arnsberger Grafen, gehörten danach bis 1802 zum Kurfürstentum Köln, wur­den bis 1815 durch das Großherzogtum Hessen-Darmstadt verwaltet und durch den Wiener Kongreß ab 1815 Preußen zugeordnet. Meschede wurde 1819 Sitz des Landkreises Eslohe, der 1832 in Landkreis Meschede umbenannt wurde. Seit Ende des Zweiten Weltkrieges gehört Meschede zum Bundesland Nordrhein-Westfalen.

In der Neuzeit nahm Meschede besonderen wirtschaft­lichen Aufschwung durch die Erhebung zur Kreisstadt im Jahre 1819, durch den Bau der Ruhrtalbahn im Jahre 1871 und durch die Gründung der Honsel-Werke nach der Jahr­hundertwende (19./20. Jh.). Einen grauenvollen Rückschlag gab es 1944/45 im Zweiten Weltkrieg durch drei Bom­benangriffe, bei denen die Innenstadt zu 75% zerstört wurde. Die folgenden Jahre sind durch enorme Wiederauf­bauleistungen nach modernen städtebaulichen und ver­kehrlichen Erkenntnissen geprägt. Der Bau des Rathauses, das 1959 zur 1000-Jahrfeier seiner Bestimmung über­geben werden konnte, war zugleich kennzeichnend für den Abschluss der Kriegsfolgenbeseitigung wie auch für den Beginn einer stürmischen Aufwärtsentwicklung auf allen Gebieten städtischen Lebens.

Seit der kommunalen Neugliederung im Jahre 1975 zäh­len zur heutigen Stadt Meschede auch die bis dahin selbständigen Städte und Gemeinden Calle, Eversberg, Freienohl, Grevenstein, Meschede-Land, Remblinghausen und Visbeck sowie Ortsteile benachbarter Gemeinden.

Bedingt durch die günstige geographische Lage wurde Meschede Sitz des Hochsauerlandkreises, der zum 01. 01. 1975 aus wesentlichen Teilen der ehemaligen Kreise Meschede, Arnsberg und Brilon gebildet wurde.

Meschede heute

Immer mehr hat sich Meschede zu einem Verwaltungs­- und Versorgungszentrum mit überörtlicher Bedeutung ent­wickelt. Die Landesplanung weist Meschede Funktionen eines Mittelzentrums für einen Einzugsbereich von 50.000 bis 100.000 Einwohnern zu. Es gilt, weitere Einrichtungen der gehobenen Daseinsvorsorge zu schaffen, vorhandene zu erweitern und auszubauen.

Einen Namen hat sich Meschede auch als Schul- und Universitätsstadt gemacht.

Das kulturelle Angebot wird in Meschede, der Geburts­stadt des bekannten Malers August Macke, im wesent­lichen durch private Veranstalter bestimmt. Mit dem Bau der Stadthalle wurde im Jahre 1980/81 eine Stätte geschaffen, die für die kulturellen Veranstaltungen den entsprechenden äußeren Rahmen ab­gibt. Zur Aufführung gelangen Opern, Operetten, Musicals, Schauspiele, Konzerte und andere Darstellungen bekannter und internationaler Künstler.

Doch auch für Tagungen, Versammlungen und Betriebs­feiern oder ähnliche Veranstaltungen sind die mit modern­ster Technik ausgestatteten Räumlichkeiten der Stadthalle anzumieten.

Auch in der im Norden das Stadtbild überragenden Frie­denskirche der Benediktiner-Abtei Königsmünster, ein Kir­chenbauwerk moderner Architektur der 60er Jahre, werden Abteikonzerte veranstaltet, deren Besuch lohnenswert ist.

Stadthallen-GmbH, Kreisvolkshochschule, Werkkreis Kul­tur Meschede, Kulturring Meschede und die zahlreichen Musik- und Gesangver­eine gestalten das kulturelle Angebot, das durch die Schützenbruderschaften mit ihren Brauchtumsfesten noch bereichert wird.

Neben der Kultur wird auch der Sport in Meschede großgeschrieben. Eine ganze Reihe von Sportplätzen und -Stätten sowie Turn- und Sporthallen stehen zur Verfügung.

Zwei Tennishallen, viele Freiplätze und eine Reithalle sind neben mehreren Hallen- und Freibädern weitere Frei­zeiteinrichtungen für sportliche Betätigung. Der nahe­liegende Hennesee bietet Angel-, Bade-, Ruder-, Segel-und Surfsportmöglichkeiten. Ferner werden vom Flugplatz Meschede-Schüren aus Motor- und Segelflüge angeboten.

An sozialen Einrichtungen sollte zunächst das St.-Walburga-Krankenhaus genannt werden. Nicht unerwähnt bleiben darf aber auch das Dialysezentrum in Meschede, das für nie­renkranke Bürger und Gäste von großer Bedeutung ist.

Für die älteren Bürger stehen Alten- und Erholungs­heime sowie ein Blindenheim zur Verfügung. Außerdem werden die älteren Bürger von den Kirchengemeinden und einigen Altenorganisationen regelmäßig betreut.

In den vergangenen Jahren wurden ansehnliche Erfolge bei der Ansiedlung von Gewerbe und Industrie erzielt. Mit der Ausweisung eines Gewerbe- und Industriegebietes beim Stadtteil Enste ist der Stadt die sinnvolle Auslagerung von Gewerbebetrieben aus der Kernstadt in eine verkehr­lich gut angebundene Gewerbegebietszone gelungen.

Heute sind in etwa 850 Industrie-, Gewerbe- und Handwerks- sowie Dienstleistungs- und Handelsbetrieben ca. 16.000 Arbeitsplätze im gesamten Stadtgebiet vorhan­den. Die wirtschaftliche Situation wird weiterhin geprägt vom Bereich des verarbeitenden Gewerbes. Die Stadt be­herbergt u.a. einen Großbetrieb der metall- bzw. alumi­niumverarbeitenden Branche und eine namhafte Groß­brauerei.

Doch trotz aller Erfolge besteht nach wie vor ein Bedarf an weiteren Arbeitsplätzen, die zu schaffen eine der wich­tigsten gegenwärtigen und zukünftigen Aufgaben ist, vor allem, was die zukunftsweisenden Berufe angeht. Mit der Fachhochschulabteilung der Fachhochschule Südwestfalen verfügt die Stadt Meschede über ein hohes Potential an Fachkräf­ten aus den zukunftsträchtigen Bereichen Elektrotechnik, Maschinenbau und Wirtschaftsingenieurwesen. Um einer­seits dieses Potential in Form der Hochschulabsolventen an die Region zu binden, andererseits Innovation und Tech­nologietransfer zu fördern, hat die Stadt Meschede mit der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Hochsauerlandkreis mbH und der Sparkasse Meschede die MIT - Mescheder Innovations- und Technologiezentrum GmbH - gegründet. Er­gänzt wird diese Zielrichtung durch das Technologie-Info-Zentrum (TIZ), das die Stadt Meschede neben der Univer­sität errichtet hat.

Ein weiterer Wirtschaftszweig für die Stadt ist der Tou­rismus. Innerhalb des Feriengebietes Meschede hat sich das Erholungs- und Freizeitzentrum »Rund um den Henne­see« mit seinen vielen Freizeit- und Wassersportmög­lichkeiten zu einem besonderen Anziehungspunkt ent­wickelt.

Eingebettet in die landschaftlich reizvollen Naturparke »Arnsberger Wald« und »Homert« ist das Feriengebiet schon von Natur aus begünstigt. Gut markierte Wander­wege mit Ruhebänken und Rastplätzen führen durch Wald und Feld zu immer neuen Aussichtspunkten im »Land der tausend Berge«.

Die schmucken Stadtteile, von denen einige mit Erfolg am Wettbewerb »Unser Dorf soll schöner werden« teilge­nommen haben, gewährleisten einen erholsamen Urlaub. Ergänzend zu den Freizeitmöglichkeiten halten die Stadt­teile ein auf die Bedürfnisse der Urlaubsgäste abgestelltes Unterkunfts- und Freizeitangebot bereit. Für jeden Geld­beutel gibt es das geeignete Quartier, angefangen von der Jugendherberge und dem Naturfreundehaus, dem Campingpark »Sauerland-Camp Hennesee«, den Ferienwohnun­gen und -häusern, Privat- und Bauernhofpensionen bis hin zu den Gasthäusern und First-class-Hotels.

Auch der Stadtkern selbst trägt mit seiner Fußgänger­zone und dem großzügig gestalteten Stiftsplatz mit dem »Historischen Brunnen« zur Attraktivität als Einkaufsstadt bei. Dieser Brunnen gibt einen hervorragenden Überblick über Meschedes geschichtliche und wirtschaftliche Ent­wicklung.

Vieles wäre von Meschede noch zu sagen; doch das beste Bild kann sich der Bürger oder der Gast natürlich vor Ort machen.