die Entwicklung der Stadt: Häuser / Straßen / Plätze


Die Entwicklung zum heutigen Stadtbild

Die Kurie - kirchliche Gebäude

Vom Stift Meschede mit seinen zahlreichen Gebäuden hat kaum mehr als die Kirche den Wandel der Zeiten überdauert.

Als der erste Plan der Stadt etwa 25 Jahre nach der Aufhebung des Stifts entstand, waren bereits einschneidende Veränderungen im Stadtbild eingetreten. Daher läßt sich der alte Zustand, wie er bis 1800 bestand, in vielen Fällen nur sehr schwer rekonstruieren. Man erkennt südlich der Kirche den Westflügel Passe (Passionsweg) oder Kreuzgang vom alten Stiftsviereck, heute Jugendheim St. Walburga, während Süd- und Ostflügel bereits abgebrochen sind. Wahrscheinlich mußten sie der neuen Durchgangsstraße weichen, die jetzt über das neue Stiftsgelände führt.

Im Jahre 1812 war das Rentamt, heute Vikarie, als hessisches Verwaltungsgebäude errichtet worden. Dorthin hatten aus weitem Umkreis die Abgabepflichtigen ihre Natural- und Geldabgaben zu liefern. Die Passe diente als Kornspeicher, der von sogenannten Fruchtmessern betreut wurde. Zur gleichen Zeit verwandelte man, unter Mißachtung aller Pietät und Tradition, die Magdalenen-Kapelle mit dem Grabmal der "Domina Emhildis", der Gründerin des Damenstifts, in ein Wasch- und Backhaus. Das verfallene Gebäude wurde erst um 1920 mit Zustimmung des Provinzialkonservators beseitigt.

Das von der Mittelstraße, der heutigen Gutenbergstraße, der einstigen Land- oder freien Königsstraße umschlossene Gebiet "Auf der Propstei", umfaßte außer der Propstei, dem alten, bereits 1656 abgebrannten Wohnsitz der Stiftspröpste, fünf Hausstätten, die noch um 1800 dem Propst erbpachtpflichtig waren. Außerhalb dieses eigentlichen Stiftsgebietes finden wir noch in weitem Umkreis die Kurien oder Wohnhäuser der Kanoniker. Sie lagen teilweise zwischen Bürgerhäusern oder bildeten von der Steinstraße bis zum Hagen ein geschlossenes Stiftsviertel, worin bis um 1790 kein Bürgerhaus stand.

Bei der Umwandlung des Damenstifts im Jahre 1310 in ein Kanonikerstift, wurden 14 Präbenden (Pfründe oder Kanonikate) errichtet, woraus sich, wenn zu jeder Präbende eine Kurie gehörte, insgesamt 14 Häuser ergeben hätten. Ein Güterverzeichnis aus dem 14. Jahrhundert führt auch diese Zahl von Häusern und Kurien der Stiftsherren auf .

Einzelne Gebäude der Kurie

Bei der Auflösung des Stifts waren nur noch fünf Häuser in seinem Besitz, während die übrigen bereits vorher veräußert worden waren.

1. Haus an der Steinstraße (Tillmann)
Im Jahre 1605 überließ das Stift den Hof vor der Steinpforte, der früher eine Kapitular-Behausung war, dem Kanonikus Joh. Friderici gegen eine geringe jährliche Erbpacht. Angehörige des Kanonikers und deren Nachkommen bewohnten das Haus über 150 Jahre, bis der letzte Namensträger, Joh. Henrich Friderici, um 1765 nach Ungarn auswanderte. Durch mehrere Hände kam des Haus 1775 an den Glockengießer Rotger Greve und 1818 an den Schmied Anton Tillmann, dessen Nachkommen das 1945 zerstörte Haus durch einen Neubau ersetzten.

2. Porten Haus unterm Hagen (Seiler Schlinkert)
1765 erlaubte das Stift den Eheleuten Jodocus Gordes und Elisabeth Voß, ein verfallenes Kanoniker-Haus wieder aufzubauen und gegen jährliche Erbpacht von 4 Reichstalern zu bewohnen. 1837 wohnte dort noch Josef Goerdes gen. Porten, 1840 aber der Postillon Joh. Heger. Später kam das Haus an die Familie Schlinkert. Das alte Gebäude ist 1919 abgebrannt.

3. Südlichste Kurie an der Steinstraße (zuletzt Franz Wilmers)
1788 kaufte Johann Bamberg, genannt Liessen, dieses Kapitelshaus vor der Steinpforte und erwarb auf das Haus 1789 das Mescheder Bürgerrecht. Von seinen Nachkommen gelangte das Besitztum 1854 an den Schuhmacher Heinrich Kayser, dessen Sohn später an der Ruhrbrücke einen Neubau errichtete und das alte Haus veräußerte. Letzter Besitzer des 1945 zerstörten Hauses war Franz Wilmers.

4. Mittlere Kurie an der Steinstraße - Gasthof Koch
Joh. Trompetter kaufte diese Kapitelswohnung in der Steinpforte 1790 und wurde am 17.2.1791 darauf als Bürger aufgenommen. Durch einen Tausch kam nach 1800 der Bürgermeister Jodocus Althaus in den Besitz dieses Hauses. Von dessen 1832 verstorbener Ehegattin erbten es die Eheleute Heinrich Koch, deren Nachkommen dieses alte Stiftsgebäude, das sogar die Bomben von 1945 überstanden hat, heute noch besitzen.

5. Nördliche Kurie an der Steinstraße
Das Haus befand sich bei der Säkularisation noch im Besitz des Stiftes und wurde von dem Rentmeister bewohnt. Von dem Inspektor Amene erwarb es 1821 der Kreissekretär Reuschel, der es dann 1857 an Simon Rosental verkaufte. Es wurde später abgebrochen.

6. Pastorat - Pfarrhaus
Der Kanonikus des Kollegiatstiftes und Scholastikus Gerhard Kaspar Biegeleben ließ sich die Kurie um die Mitte des 18. Jahrhunderts (etwa 1750) erbauen. Dieser war 1701 in Menden geboren als Mitglied einer bedeutenden Sauerländischen Familie, deren Angehörige mehrfach in den Reihen der Mescheder Kanoniker zu finden sind. Bigeleben erhielt seine Präbende 1729 als Nachfolger des Dekans Stellingwerff aus Arnsberg. Infolge der Ernennung zum Offizial in Werl an einer geistlichen Behörde des Herzogtums Westfalen, mußte der Kanonikus seinen Wohnsitz dorthin verlegen. Von seiner Residenzpflicht in Meschede wurde er, wie es in solchen Fällen üblich war, befreit. Als Bewohner der Kurie, zu der noch ein Stallgebäude gehörte, findet sich um 1780 ein Kanonikus Mentzen, der das Haus "titulo conducti", also mietweise, benutzte. Am 23. Oktober 1780, drei Tage vor seinem Tode, übertrug der Offizial zu Werl notariell seine in Meschede gelegene und von ihm erbaute Kanonikal-Kurie an den Kanonikus Ferdinandt Arndts, der diese mit allen Rechten und allem Zubehör bewohnen und benutzen sollte. Als durch einen Erlaß des Kurfürsten und Erzbischofs von Köln 1787 die bis dahin bestehenden beiden Mescheder Pfarrsysteme Stifts- und Kirchspielspfarrei vereinigt wurden, übernahm der damalige Vizedechant Arndts diese neue Pfarrei, und sein Wohnhaus wurde das erste Pfarrhaus der Pfarrei St. Walburga in Meschede. Das mittelalterliche Pfarrhaus, die Wieme, war durch den genannten Erlaß mit dem übrigen Vermögen der Kirchspielskirche dem Stift übertragen worden. Nach der Inbesitznahme des Herzogtums Westfalen durch den Landgrafen von Hessen-Darmstadt wurde das Stift Meschede säkularisiert, und die Kanoniker erhielten am 1. Oktober 1805 ihre Pensionierung. Dabei war Dechant Arndt der lebenslängliche Gebrauch seines Hauses zugesichert worden; außerdem wurde die Kurie auf Grund der Instruktion des Auflösungskommissars zur Pfarrwohnung bestimmt. Als Rechtsnachfolger des säkularisierten Stifts hatte der Staat die Bau- und Unterhaltspflicht nicht nur der Kirche, sondern auch des Pfarrhauses. Seit 1945 besteht es nicht mehr.

7. Die Timpe - Unterm Hagen
In der Versteigerung am 4. 12. 1788 erwarb Wilhelm Wilmers die Timpe vom Stift für 262 Reichstaler. Dessen Sohn Johann verkaufte die "Alte Timpe", welche hinter dem Pastoratshaus lag, 1821 an den Schneider Jodocus Baumann für 480 Reichstaler. Um 1860 ist das Haus im Besitz von Jakob Grimmling. Es besteht heute nicht mehr.

8. Alte Dechanei Unterm Hagen (später Gärtnerei Rothaut)
Um 1780 erwarb Casper Georg Hengesbach, der in Borens Haus an der Steinstraße (Berghoff) eingeheiratet hatte, vom Stift die sogenannte alte Dechanei unterm Hagen mit Scheune und Brauhaus. Der Name besagt, daß in früheren Zeiten hier die Wohnung des Stiftsdechanten gewesen ist. 1789 ging das Wohnhaus in den Besitz von Dr. Ruer. Besitznachfolger wurde Cabolet in Beckum, Gärtner Franz Hecker und Gärtner Rothaut.

9. Scheune und Brauhaus - Kersting-Mayworm
Als in der Osternacht 1797 das Wohnhaus des Schmiedes Jobst Henrich Meyworm in der Mühlengasse abgebrannt war, erwarb dieser von der Witwe Hengesbach Scheune und Brauhaus der alten Dechanei und baute sie zum Wohnhaus aus. Außerdem legte er eine Schmiede im Hagen an. Von Mayworms Nachfolger, Joh. Schnettler, ging der Besitz 1823 an Anton Bamberg und seinen Schwiegersohn Michael Kersting.

 

10. Wieme (August Meschede)
Widum, niederdeutsch Wieme, ist die mittelalterliche Bezeichnung für den Hof des Pfarrers, das Pfarrgut. Solange in Meschede zwei Pfarrsysteme bestanden, war die Wieme der Wohnsitz des Kirchspielpfarrers. Die Kirchspielskirche lag bekanntlich hinter dem heutigen Stiftshof. Als 1787 beide Pfarreien vereinigt wurden, ging die Wieme mit dem übrigen Besitz der Kirchspielskirche in das Eigentum des Stifts über. Schon der vorletzte Kirchspiels-Pfarrer Schulte hatte die Wieme um 1780 an Peter Pöttgen vermietet und bewohnte selbst das damalige von Westphalensche Haus in der Nähe des heutigen Rathauses [Haus Meschede]. Nach der Auflösung des Stifts kaufte Adolph Meschede das ehemalige Kirchspiels-Pastorathaus und wurde 1807 darauf als Mescheder Bürger angenommen. Das alte Haus ist 1903 abgebrannt. Das neue wurde im Zuge der Stadtkernsanierung abgerissen.

11. Kurie an der Arnsberger Straße (später Apotheke)
In einer Versteigerung am 18.12.1788 kaufte der Apotheker Wrede, der vorher ein Haus - später Industie-Hotel - in der Mittelstraße [Gutenbergstraße] besaß, als Meistbietender das sogenannte Steinen Haus vom Stift für 450 Reichstaler und richtete darin die Apotheke ein. Im folgenden Jahr wurde das Haus wohl wegen erfolgter Vergrößerung mit einem um 100 Reichstaler höheren Taxwert im Brandkataster verzeichnet. Das alte Gebäude blieb lange Jahre als Apotheke im Besitz der Familie Wrede, kam später durch Einheirat an den Apotheker Steinbart und wurde 1945 Opfer des Krieges.

12. Dechanei - Ernestinische Stiftung
Diese Kurie war bereits 1619 die Wohnung des Stiftsdechanten Verheyden (+ 1647). Auch seine Amtsnachfolger werden sie eingenommen haben, zuletzt Herr von Thenen. Bei der Säkularisation des Stiftes wird als Bewohner der Forstverwalter genannt. 1825 kaufte der Forstmeister Grashof die Besitzung vom Königlichen Fiskus, 1850 erwarb sie der Graf von Westphalen zur Errichtung eines Krankenhauses, der Ernestinischen Stiftung. Nach Neubau des St.-Walburga-Krankenhauses wurde es ein Altersheim. Das Haus hatte durch verschiedene Um- und Anbauten sein altes Aussehen vollständig verloren.

13. Kurie Ecke Steinstraße / Mittelstraße (Gutenbergstraße - Mertens)
Die Kurie, die zuletzt der Kanoniker Mentzen bewohnte, war diesem bei der Auflösung des Stifts lebenslänglich überlassen worden. 1812 kauften die von auswärts zugezogenen Eheleute Wilhelm Schulte von der Großherzoglichen Hofkammer das früher dem Stift gehörende sogenannte Kanonikus-Mentzen-Haus und wurden am 30.12.1812 als Bürger aufgenommen. Von deren Nachkommen gelangte dieser Teil der Besitzung 1871 an Hermann Hennecke, von dem er 1892 an Anton Mertens verkauft wurde. Das alte Stiftsgebäude scheint später abgebrochen worden zu sein, doch fehlt darüber jede weitere Nachricht.

14. Vikarie-Haus am Stiftsplatz
Westlich der Passe lag auf dem heutigen Stiftsplatz der "kleine Kirchhof", der Friedhof der Einwohner der Freiheit Meschede. Im Mittelalter wurde er umschlossen von einer Reihe Kirchhofspeicher [granaria ci-mitorii], die den Frieden und die Sicherheit des Platzes ausnutzten, wie man es auch an anderen Orten fand. Allmählich entwickelten sich diese Speicher zu Wohnhäusern, die aber zum Kirchhof hin nur für Menschen benutzbare Ausgänge besaßen, während für Vieh und Fahrzeuge der Zugang von der Rückseite her möglich war. Schon 1648 wird das Vikarie-Haus auf dem Kirchhof an der Gasse zur Wieme genannt. Es gehörte später zur Stifts-Vikarie B.M.V. dolorosae, einer der vier Stifts-Vikarien. Um 1780 hatte der Vikar Schulte, ein gebürtiger Mescheder, die Vikarie an Caspar Abshof vermietet. Nach der Auflösung des Stifts ging das Gebäude 1813 durch Kauf in den Besitz des Metzgers Johann Werner über, der darauf 1814 das Mescheder Bürgerrecht erwarb. Das alte Haus brannte am 6.12.1858 vollständig nieder. Später erhielt der Graf von Westphalen diese Besitzung.

Gebäude an der Steinstraße

Als man 1889 in Meschede erstmals Straßenschilder anbrachte, hatte sich für die vom Kaiser-Otto-Platz (Markt) zum Südausgang der Stadt führende Durchgangsstraße die amtliche Bezeichnung Steinstraße durchgesetzt. Der Name könnte von einer frühzeitigen Befestigung oder Pflasterung des Weges abgeleitet sein, wodurch dieser sich vor den übrigen ausgezeichnet hätte. Jedoch weist schon die nebenher bestehende , heute noch bekannte Bezeichnung Stennepote (Steinpforte) auf einen anderen Ursprung hin.

Das Stadtarchiv bewahrt eine Urkunde aus dem Jahre 1580, worin Cordt Kock, ein Mescheder Bürger, bekennt, dass ihm Bürgermeister und Rat der Freiheit Meschede wegen etlicher Schmähworte um Pfingsten 1580 "in ihre Haft" auf die Steinen Pforten gefänglich eingezogen hätten. - Auf Fürsprache und durch Bürgschaft seiner Freunde war Cordt Kock nach kurzer Zeit wieder aus dem Gefängnis freigelassen worden, nachdem er dem Magistrat Urfehde geschworen hatte. Bekanntlich gehörte zu den Rechten der Freiheit Meschede eine beschränkte Gerichtsbarkeit und in diesem Zusammenhang hat die Steinepforte in früherer Zeit anscheinend als Gefängnis gedient.

Erst im Jahr 1586 erwarb der Mescheder Magistrat ein Bürgerhaus neben der Stiftskirche, um es als Rathaus einzurichten. Außer der Steinepforte werden in Meschede noch die Klausenpforte, die Ruhrpforte und die Oesterpforte genannt, deren Namen aber schon längst in Vergessenheit geraten sind. Ob diese Pforten ursprünglich die Grenzen der alten Stiftsimmunität darstellten oder als eine Art Stadttor anzusehen sind, läßt sich nicht mit Sicherheit entscheiden. Jedenfalls war das Ortsbild bereits im 16. Jahrhundert über diese Pforten hinausgewachsen.

Die massive Bauweise aus Mauerwerk hat der Steinepforte ihren Namen gegeben, wird sie doch 1653 ausdrücklich als porta lapidea (steinerne Pforte) bezeichnet. Noch 1715 steht in einem Ausgabeverzeichnis der Freiheit: Leyendeckers Jonasen (Joh. Bamberg), als er die Steinenpforte abgenommen, für Essen und Trinken 9 Schilling gezahlt. Ebenso muß 1706 die Freiheit dem Leyendecker für Steine, Nägel und Arbeitslohn an der Ruhrpforte 36 Schilling zahlen.

Den ungefähren Ort der Steinepforte kann man mit Hilfe der Lagebezeichnungen der alten Häuser angeben.

  • Haus Köster-Berghoff - an der Straße an der Steinepforte;
  • Haus Koch - in der Steinen Pforten;
  • Haus Wilmers - vor der Steinepforte
  • Altes Haus Kotthoff-Schröer [Heideparkplatz] - nächst bei der Steinepforte;
  • Haus Tillmann - vor der Steinepforte.

Nach diesen Bezeichnungen müßte die Pforte unweit vom Hause Koch gestanden haben. Wie lange die Steinepforte bestanden hat, ist nicht bekannt. Spätestens mit dem Ausbau der Koblenz - Mindener Landstraße [heutige B 55] in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts mußte sie dort verschwinden. Wenn schon die Steinepforte im amtlichen Sprachgebrauch keine Bedeutung hatte, so doch in der Mescheder Tradition bis zum zweiten Weltkrieg. Seitdem hat sich das traditionelle Straßenbild allerdings stark verändert.

Die Westseite der Straße nahmen bis 1790 nur Gebäude des Stifts Meschede ein. Die Bürgerhäuser auf der Ostseite der Straße dagegen waren teilweise schon seit Jahrhunderten in gleicher Familie, wenn auch nicht unter gleichem Namen weiter vererbt worden.

Märkte

Der Jahrmarkt in der Kreisstadt Meschede, das bekannte Tierschaufest, ist noch verhältnismäßig jungen Datums. Das Fest wurde erstmals am 30.8.1869 gefeiert und fand von 1871 ab jedes Jahr statt, wenn es die Zeitverhältnisse erlaubten.

Dennoch gehört Meschede zu den ältesten Marktorten des Sauerlandes, da seine Gerechtsame bereits am 12.1.959 urkundlich bezeugt ist. Wenn damals König Otto I. auf Bitten seines Bruders, des Erzbischofs Bruno von Köln, den ganzen Zoll und das Marktgeld in dem Ort Meschede dem Walburgastift dort überließ, so muß dieser Marktort bereits eine gewisse Bedeutung gehabt haben.

Es ist bekannt, daß die ältesten Formen der Marktplätze in den Orten als Erweiterung von Durchgangsstraßen entstanden sind. Auch in Meschede ließ sich dies früher noch ohne weiteres erkennen, wenn man weiß, daß erst in jüngerer Zeit zu dem alten Durchgang Ruhrstraße - Kaiser-Otto-Platz (früher Marktplatz) - Gutenbergstraße (früher: Mittelstraße) - Steinstraße die Ost-West-Verbindung hinzugekommen ist, wodurch der frühere Marktplatz zu einer Straßenkreuzung wurde. Der Platz lehnte sich südlich und westlich eng an die eigentliche Stiftsimmunität, das Propsteigelände und die beiden Kirchen (die alte Pfarrkirche stand hinter dem heutigen Stiftshof) mit den umliegenden Friedhöfen an. Die Kirchhöfe beider Kirchen lagen zwar nebeneinander, doch waren sie als Friedhöfe für Bestattungen getrennt. Als 1809 der neue Begräbnisplatz für Meschede, Stadt und Land, außerhalb des Ortes angelegt worden war, verlegte man die Märkte auf den alten Freiheitskirchhof, der daher bis 1926 die Bezeichnung "Markt" statt des heutigen "Stiftsplatz" trug, während der ursprüngliche Platz sich bis zu seiner Umbenennung in "Kaiser-Otto-Platz" mit "Kleiner Markt" zufrieden geben mußte.

Während jahrhundertelang die in Meschede sich kreuzenden Fahrwege den Bereich um die Stiftskirche St. Walburga, die sog. "Stiftsimmunität" umgangen hatten, in einer Art Kreisverkehr, wurde schon 1810 die spätere B 7 respektlos durch den Stiftsfriedhof und den Markt der Freiheit hindurchgeführt. Über den ältesten Mescheder Marktverkehr sind uns keine Nachrichten überliefert, doch darf man annehmen, dass er, wie es damals allgemein üblich war, nicht als dauernde Einrichtung bestand, sondern daß der Warenaustausch periodisch in großen Zeitabständen auf den Jahrmärkten erfolgte.

Eine besondere Art der Märkte entwickelte sich in Verbindung mit der Weihe einer bedeutenderen Kirche. Die Bezeichnung Kirmes (Kirchweihmesse) erinnert noch an diese Entstehung.

So enthält das Mescheder Stiftsarchiv eine Urkunde des Kölner Erzbischofs Philipp I (1167 - 1191), worin derselbe bekennt, daß er sich des früher so berühmten und mit vielen Vorrechten versehenen Stifts angenommen habe, um es wieder zum früheren Glanz zu erheben. Er hatte die Kirche neu geweiht und befahl nun allen Pfarrern mit ihren Gläubigen, die im Bannkreis der Mescheder Kirche wohnten, am Vortage des jährlichen Kirchweihtages, dem Fest der hl. Maria Magdalena (22. Juli), mit Kreuz und Reliquien nach Meschede zu pilgern, um dort das Fest der Kirchweihe zu begehen. Dabei verhieß er ihnen Freiheit von Zoll und richterlichen oder anderen Belästigungen.

Wie oft mag seitdem der Turm der Stiftskirche auf das bunte Kirmestreiben hinabgeblickt haben. Über die um 1400 abgehaltenen Märkte unterrichtet uns ein notarieller Akt vom 6.12.1399 , worin die Rechte des damaligen Stiftspropstes Albert von Beringhausen verzeichnet sind. Darin heißt es u. a. "Das Gericht binnen dem Dorf Meschede gebührt dem Propst, ebenso gebietet er über den Verkauf von Wein, Bier, Brot, Fleisch. [...]In dem Dorf sind drei freie Kirmessen, die erste zu Palmen, die drei Tage davor und drei Tage danach währt, die andere zu Pfingsten von gleicher Dauer, und die dritte zu Maria Magdalena (22. Juli), die acht Tage davor bis acht Tage danach währt. Eine ist schließlich noch auf Dionysius (9. Oktober)". Dem Propst gehört die Akzise (Abgaben), ebenso steht ihm die Aufsicht über Maß (Mescheder Scheffel) und Gewicht zu. Die Urkunde ist vollzogen auf dem Kirchhof zu Meschede neben der St.-Nikolaus-Kapelle.

St. Nikolaus war der Patron der Kaufleute. Daher findet man ihm geweihte Kirchen, Altäre und Kapellen immer dort, wo einst Handel blühte oder wo Beziehungen zur Hanse bestanden. Aus späterer Zeit ist über diese Kapelle keine Nachricht mehr überliefert. Der Marktverkehr stand also ganz unter dem Einfluß des Stifts und besonders seines Propstes. Auch als das Dorf (villa) Meschede im 15. Jahrhundert zur Freiheit erhoben wurde, blieben die alten Rechte des Stifts weiter bestehen, wenn auch die Freiheit immer wieder versuchte, diese Rechte einzuschränken.

Wie lange die Magdalenenkirmes, die ja 1400 der bedeutendste Mescheder Jahrmarkt war, bestanden hat, ist nicht bekannt. Wahrscheinlich hat aber der 30jährige Krieg mit der Lahmlegung fast allen Handelsverkehrs auch die Mescheder Märkte verschwinden lassen.

Am 10.9.1650 verlieh der Kurfürst Ferdinand den bekannten Josephimarkt, der noch im vorigen Jahrhundert abgehalten wurde und sich regen Zulaufs erfreute. Bezeichnend ist ein Schreiben des letzten Kurfürsten Maximilian Franz vom 10.7.1801 aus Wien an den Magistrat zu Meschede, worin er diesem vorhält, man habe in Meschede mehr Interesse am Jose-phimarkt als an der bereits 1787 angeordneten neuen Schule. Solange das Stift bestand, erhielten einen Teil des auf dem Josephimarkt erhobenen Standgeldes die beiden Scharmänner, zwei Mescheder Bürger, die im Auftrag des Stiftspropstes dessen Hoheitsrechte in der Freiheit sowie in der Mescheder Mark , dem heutigen Stadtwald, wahrnehmen mußten. Die Namen der beiden letzten Scharmänner bei der Aufhebung des Stifts waren Barth. Schulte, genannt Korte, Ruhrstraße, und Wilh. Mütherich, genannt Lexjohanns, Mittelgasse. Peter Wiese, Chronist des 19. Jahrhunderts, berichtet, daß damals in der Stadt jährlich drei Märkte abgehalten wurden, die an den Sonntagen nach Joseph (19.3.), Michael (28.9.) und Martini (11.11.) stattfanden. Dagegen finden sich in einem Kalender für das Jahr 1838 die Sonntage 25. März, 26. August und 30. September als Mescheder Markttage verzeichnet. Später bereitete ein behördliches Verbot von Sonntagsmärkten der alten Mescheder Marktgerechtsame ein unrühmliches Ende.

Entwicklung nach 1800

Das Stadtbild von Meschede hat sich erst seit etwa 1800 stärker gewandelt. Bis dahin war der Kern der heutigen Stadt im Winkel zwischen Henne und Ruhr um Stiftsgebäude, Markt und Kirchspielskirche unverändert geblieben.

Durch den Ausbau der beiden großen Straßen, der heutigen B 7 und B 55, der zwischen 1810 und 1829 erfolgte, wurde der alte Stadtkern aufgelockert, ohne sein Gesicht allzusehr zu verändern. Während allerdings jahrhundertelang die in Meschede sich kreuzenden Fahrwege den Bereich um die Stiftskirche St. Walburga, die sog. ?Stiftsimmunität? umgangen hatten, in einer Art Kreisverkehr, wurde schon 1810 die B 7 respektlos durch den Stiftsfriedhof und den Markt der Freiheit hindurchgeführt.

Der älteste Plan von Meschede aus dem Jahr 1826 liegt heute im Staatsarchiv Münster. Er zeigt die vorbereitende Planung zur Führung der späteren B 55 durch den Stadtkern. Die preußische Verwaltung versuchte nach Übernahme des Herzogtums Westfalen Mängel zu beseitigen, die schon zur Zeit der Kölner Fürstbischöfe beklagt worden waren. So bemängelt eine Polizeiordnung aus dem Jahre 1723, dass die Landstraßen und Wege an vielen Stellen ganz verwüstet und in fast unbrauchbarem Zustand seien, was nicht nur die Fremden und Reisenden störe, sondern auch Handel und Gewerbe hemme.

Langsam aber setzte in der Folgezeit entlang den neuen Straßen im Osten, Westen und Norden die Bebauung ein.

Nicht allein Chronik und Urkunden überliefern die Geschichte eines Ortes, auch in manchen Straßennamen, geschaffen oder natürlich entstanden, hat sie ihren augenscheinlichen Niederschlag gefunden. Hünenburg- und Karolingerstraße, Markt, Emhildis- und Stiftsplatz, Klausenweg, Galiläaer Weg, Hanseshof, Klocken Kapelle, Pulverturm- und Bahnhofstraße, Lagerstraße, Frieden-straße, Norbert-Fischer-Straße sowie Industriestraße - alle diese Namen sind Marksteine in der Entwicklung Meschedes von den fühesten Zeiten bis zur Gegenwart.

Als man 1889 in Meschede erstmals Straßenschilder anbrachte, um vor allem Ortsfremden die Orientierung zu erleichtern, hatten sich bereits Straßennamen eingebürgert, diese wurden auch übernommen :

  1. Ruhrstraße
  2. Steinstraße
  3. Oststraße
  4. Weststraße
  5. Mittelstraße
  6. Klausenstraße
  7. Im Rebell
  8. Unterm Hagen
  9. Mühlenweg
  10. Mühlengasse
  11. Mittelgasse
  12. Hennestraße
  13. Knippestraße
  14. Überhenne
  15. Kampstraße
  16. Schützenstraße, 
  17. Am Hilgenhövel,
  18. Hanses Hof

Nach dem ersten Weltkrieg

Eine außerordentlich starke Bebauung, die allmählich das bisherige Stadtbild sprengte, brachte dann die Zeit nach dem ersten Weltkrieg mit sich.

Das Gefangenenlager auf der Heide, für das Straßen und Versorgungsleitungen geschaffen worden waren, ist wohl mit der Anlass dazu gewesen, dass sich die Stadt vor allem nach Norden hin ausbreitete. Seit dem Ende des ersten Weltkrieges war auch ein erheblich schnelleres Anwachsen der Bevölkerung Meschedes zu verzeichnen; vor allem die während des ersten Weltkrieges erfolgte Niederlassung der Honsel-Werke in Meschede hatte neue Arbeitskräfte hierher gezogen, die dringend Wohnraum benötigten. So setzte sich die Bebauung auf der Nördelt fort, während sie gleichzeitig auf dem Schultenkamp und in der Lagerstraße (Ziegelei) einsetzte; in diesen Jahren wurde auch der Schweinsbruch kultiviert.

Bald entstanden neue Straßen, wie Friedensstraße, Schultenkampstraße, Waldstraße, Heidestraße, Pulverturmstraße, Hünenburgstraße, Galiläaer Weg, Karolingerstraße, Hardtstraße und Nördeltstraße.

Wie sehr sich durch die Bebauungen das Stadtbild von Meschede veränderte, erkennt man aus der Tatsachen, daß z. B. in den Jahren 1924 bis 1929 allein 141 neue Gebäude (davon 115 Wohngebäude mit 195 Wohnungen) entstanden. Langsam begann die Stadt an den sie umgebenden Hängen hinaufzuklettern.

Nach dem 2. Weltkrieg

So zeigte sich das Stadtbild von Meschede, als der zweite Weltkrieg begann, der in seiner letzten Phase mit zerstörerischer Gewalt über die Kreisstadt hinwegfegte. Der Stadtkern und einzelne Teile des Randgebietes und damit auch die Industrie-, Gewerbe- und Handwerks-betriebe wurden völlig vernichtet. Kirchen, Schulen, Kindergärten, Verwaltungsgebäude - ein Trümmerfeld. Sämtliche Versorgungsanlagen wie Wasser-, Licht-, Gas-, Kanalisation- und Fernsprechleitungen waren zerstört.

Die Stadtmitte wurde von den Bombenangriffen besonders schwer getroffen. So mußte sie fast völlig neu erstehen. Die teilweise Verlegung und Regulierung der Henne, die Schaffung der neuen Kreuzung [Kaiser-Otto-Platz], die Verbreiterung und Höherlegung der Ruhrstraße sowie die Regulierung der Ruhr schufen die Voraussetzungen dazu.

Aber nicht nur in der Stadtmitte wandelte sich das Bild der Stadt, auch in den umliegenden Stadtteilen wurde geplant und gebaut.

  • 1951 beschloß der Stadtrat Straßen Um- und Neubenennungen. Die Verbindungsstraße von der Lagerstraße entlang den neu entstandenen Siedlungsbauten erhielt den Namen "Gebkestraße". Der Weg vom Hagenweg zum Stadtpark, der bereits im Jahre 1926 den Namen "Wallot-Hagen" erhalten hatte, für den sich aber ein anderer Name eingebürgert hatte, sollte auch in Zukunft "Wallot-Hagen" heißen.
  • 1953 erfolgten durch einstimmigen Ratsbeschluß (Juni) weitere Straßenbenennungen und -umbenennungen: Der Name Deichstraße wurde durch Ruhrpromenade ersetzt. Die Straße zwischen Zeughausstraße und Ruhrpromenade hieß beiderseits der Henne Henneufer. Die von der Arnsberger Straße (Volksbank/Baxmann) ins Rebell führende Straße erhielt den Namen Stiftsstraße. Der Weg zum Hause von Rechtsanwalt Dr. Ammermann hieß nun Am Langeloh. Der rechte Abzweig der Hardtstraße wurde Freiligrathstraße genannt. Der parallel zur Siedlungsstraße laufende Weg erhielt den Namen Grabenweg. Der Weg zum Gelände der Siedlungs- und Baugenossenschaft im Norden der Stadt Auf der Heide. Der von der Warsteiner Straße abgehende Weg hieß künftig Sommerkamp und die Straße an den Weingärten Marienstraße. Die Straße von der Mallinkrodtstraße in die Ittmecke erhielt den Namen Oststraße, und die Straße vom Pulverturm zum Kloster der Benediktiner Benediktinerstraße, während der Straße im Ulmecker Siepen auch dieser Name gegeben wurde.
  • 1958 (März) erfolgte durch den Rat der Stadt Meschede die Benennung bzw. Umbenennung folgender Straßenzüge: Die Straße vom neuen Rathaus bis zur Arnsberger Straße Rathausstraße; der Weg "Im Kämpchen" Kämpchen; die Straße beim Hause Dr. Franz Ammermann Kunigundenstraße; der Wirtschaftsweg hinter der Ruhrstraße Alte Henne; der Weg vom Drehberg in Richtung Trunkhardt Grassenbergstraße; der Weg entlang der Gebke im oberen Schweinsbruch zwischen Uferweg und Waldstraße Hudeweg; die Honselsiedlung an der Hünenburg Burgwall; der Weg von der Straße "Im Ohl" (ostwärts abzweigend entlang dem ehemaligen Grundstück Mertens) Martinstraße.
  • 1959. Nach Ratsbeschluß vom 19.12.1958 wurde die Kreuzung von B 7 und B 55 von "Am Markt" zu Kaiser-Otto-Platz umbenannt. Ampelanlage: Seit dem 11. Oktober 1956 ist eine Ampelanlage an der Kreuzung von B 7 und B 55 in Meschede eingerichtet. Im Schwarzen Bruch Leider ist diese alte Flurbezeichnung bei der Namensgebung (zunächst) fallen gelassen worden. Wahrscheinlich wegen des Ausbaus des neuen Sportplatzes wurde dann daraus die Jahnstraße. 1985 mußte der Sportplatz wieder weichen, geblieben ist der Straßenname. Vor dem zweiten Weltkrieg war der Schwarze Bruch eines der Weiden- und Wiesengelände der Landwirte Meschedes. Am Rande des Tals fließt die Gebke. In den 20er Jahren waren Bewässerungsanlagen gebaut worden, die von der Gebke gespeist wurden. Die heutige Straße war ein besserer Feldweg. Am oberen Ende, wo der Bach den Weg kreuzte, mußte man über ein T-Eisen balancieren, wenn man Eversberg mit trockenen Füßen erreichen wollte. Wiesen, Theinen, Hüwels und andere Landwirte aus Meschede-Nord hatten hier ihr Grünland. Sie trieben ihre Tiere hierher oder machten hier ihr Heu. Etwas weiter oberhalb, an beiden Lanfertswegen lagen die Felder; auf der anderen Seite die Deitmecke mit ihren Ausflugs- und Erholungsmöglichkeiten. Nach dem Krieg begann die Besiedlung. Das Tal wurde zum Industriegebiet erklärt. Viele Mescheder Betriebe errichteten hier ihre Werkstätten oder Lagerräume. Die Gegend um die beiden Lanfertswege sind ein Stadtteil für sich geworden (Gartenstadt) mit Hochhäusern und Kirchenzentrum. Bauernsiedlung
  • Im Herbst 1953 begannen die Vermessungsarbeiten für die "Bauernsiedlung". Das Gelände hatte die Deutsche Bauernsiedlung Düsseldorf als Trägerin der Siedlungsmaßnahme bereits aus der Bodenreform in der Nähe von Galiläa erworben. In westlicher Richtung grenzte das Gebiet an die bereits bestehende Siedlung "Auf der Heide". Die Siedlung umfaßte insgesamt 55 Nebenerwerbsstellen von durchschnittlich einem Morgen und außerdem drei Bauernhöfe mit 22,8 ha, 17,8 ha und 3,14 ha Gesamtfläche. Insgesamt umfaßt das für diesen Zweck vom Grafen von Westphalen zur Verfügung gestellte Gelände 59 Hektar. Anschließend ging es an die Aufschließung - Straßenbau, Kanalisation, Wasserleitungen. Geplant waren Nebenerwerbsdoppelstellen, die in Kettenbauweise errichtet wurden und deren jede je zwei Siedler und zwei Einliegerfamilien aufnahmen. Auch die Wirtschaftsgebäude grenzten jeweils aneinander. Die Siedlungsanlage war in erster Linie für ehemalige Bauern des Ostens gedacht, die im Nebenerwerb ein kleines Stück eigener Scholle bewirt-schaften wollten. Die Wohnhäuser besaßen einen Grundriß von 8,25 x 7,5 m, Stallungen und Durchfahrt erstreckten sich über 9,75 m, so daß die Gesamtfrontlänge einer Nebenerwerbsdoppelstelle 36 m betrug. Jede Wohnung, auch die Einliegerwohnung hatte einen separaten Eingang. Mitte März begann man mit der Anlage der Kanalisation und dem Bau der Straßen. Gleichzeitig wurde das Wasserleitungsnetz gelegt. Insgesamt wurden hier 120.000 m2 Ackerland für Siedlungszwecke aufgeschlossen, die von 1650 m neuen Straßen durchzogen wurden. Das Projekt erforderte insgesamt eine Summe von 1,5 Millionen DM, zu denen noch etwa 250.000 DM für Aufschließungskosten kamen. Bis April 1955 waren alle Baumaßnahmen fertig. Jede der 55 Stellen forderte einen Kostenaufwand von etwa 34.000 DM. Die Belastung pro Siedler und Jahr wurde mit 840 DM angesetzt, von denen etwa die Hälfte durch die Vermietung der Einliegerwohnung gedeckt war. Die Häuser wurden den Siedlern schlüsselfertig übergeben und gingen nach einer gewissen Zeit in deren Eigentum über. Durch die jährliche Zahlung von 840 DM wurden die gesamten Kosten des Anwesens im Laufe der Jahre amortisiert. Nach Beendigung der Bauarbeiten der Bauernsiedlung 1954 wurden neue Straßennamen vergeben. Gemäß dem Vorschlag des Kulturausschusses der Ostvertriebenen, von denen die Siedlung in der Hauptsache bewohnt wurde, wurden folgende Straßennamen gewählt: Breslauer Straße, Waldenburger Straße, Stettiner Straße, Danziger Straße, Königsberger Straße; eine weitere Straße führte nun den Namen Heidering.
  • 1955 wurden an der Waldstraße die letzten Baracken abgebrochen und durch Wohnblocks ersetzt. Außerdem wurde die Bahnhofstraße (Le-Puy-Straße) kanalisiert.
  • Kolpingsiedlung  - Als sich am Mittwoch, dem 13. Oktober 1954, der Vorstand der Kolpingfamilie mit den Gästen und Siedlern auf dem Baugelände in der Ittmecke traf, um den Grundstein zu der Siedlung der Kolpingfamilie zu legen, waren die Mauern der ersten zwei Häuser bereits aus der Erde gewachsen. Vikar Reineke konnte als Präses der Kolpingfamilie Pfarrer Künsting, Bürgermeister Dick, Amtsdirektor Filthaut, Amtsbaumeister Langemeier, Kreisbaumeister Zöllner, Otto Wilmers als Vorsitzenden und Kreisinspektor Gierse als Geschäftsführer der Siedlungs- und Baugenossenschaft, den Architekten Max Otto Koch sowie den Vorstand der Kolpingfamilie und die Siedler begrüßen. Nachdem Vikar Reineke die Urkunde verlesen hatte, die in den Grundstein des ersten Hauses eingemauert wurde, wies er in einer Ansprache darauf hin, daß der Gedanke der Siedlung in der Kolpingfamilie bereits seit etwa 1895 lebendig gewesen sei. Wenn es nun auch der Mescheder Kolpingfamilie möglich geworden sei, zahlreichen Familien ein ausreichendes Heim zu schaffen, so gelte der Dank besonders der katholischen Kirchengemeinde St. Walburga, die das Baugelände für die 20 Häuser im Erbbaurecht zur Verfügung gestellt habe. Weiter stattete er seinen Dank den Vertretern der Stadt Meschede, besonders Amtsbaumeister Langemeier, ab, die für die Aufschließung des Geländes gesorgt haben. Gleichzeitig verband der Präses damit seinen Dank an die Geschäftsführer der Siedlungs- und Baugenossenschaft, Kreisinspektor Gierse, für die tatkräftige Unterstützung des Bauvorhabens. Nicht weniger dankte Vikar Reineke auch den Kolpingsöhnen selbst, vor allem dem Senior Blüggel und dem Bezirkssenior Schulte-Spender. Der Präses stellte die entstehende Siedlung unter den Schutz und den Segen Gottes und schloß mit dem Wunsch, daß das Werk stets ein leuchtendes Beispiel von bleibender Kraft und des unbeugsamen Willens sei, der Idee Adolf Kolpings zu dienen. Nachdem ein Geselle der Baufirma Cordes und der Bauherr des ersten Hauses, Bernhard Kleine, die drei Hammerschläge getan hatte, sprach Pfarrer Künsting. Er wies darauf hin, daß die Kirchengemeinde das Gelände gern für diesen Zweck zur Verfügung gestellt habe. Ihn als alten Gesellenpräses freue es besonders, da die Kolpingfamilie dieses Bauvorhaben für zahlreiche Familien durchführe. Die besten Grüße und Wünsche der Stadt überbrachte Bürgermeister Dick. Mit dem gemeinsam gesungenen Kolpingslied fand die schlichte Feier ein Ende. Schon im November 1954 konnten die ersten vier Häuser so weit fertiggestellt werde, daß Richtfest gefeiert werden konnte.