Die Eisenbahn


Der Bahnhof im Jahre 1907

Die Eisenbahn

Eröffnung der Bahnlinie am 20.12.1871

Die ersten Fahrkarten, die bei den Eröffnungsfeierlichkeiten der Eisenbahnstrecke Nürnberg - Fürth Anno 1835 ausgegeben wurden, wechselten täglich die Farbe.

Es ist nicht überliefert, ob dies eine Vorsichtsmaßnahme gegen Missbrauch war („Schwarzfahren“) oder ob unsere Vorfahren so farbenfreudige Leute waren.

Auf jeder Fahrkarte war die Abfahrtzeit des Zuges, für den die Karte galt, vermerkt. Ferner war die Wagennummer auf ihr verzeichnet.

Die Fahrkarten wurden bis zum Jahre 1905 auf Vorrat gedruckt.

Rückkehr der Kriegsteilnehmer, 1919

Kommt die Eisenbahn ins Sauerland?

Konnte man es den alten Meschedern verübeln, dass sie am 18. Dezember 1871 ein wenig aus dem Häuschen geraten waren?
Fast 20 Jahre mussten sie nach dem Auftauchen der ersten unsicheren Gerüchte noch warten, bis endlich die Bahnverbindung mit der weiten Welt hergestellt war.

Die Feststimmung hat Fr. W. Grimme in seiner "Meskeder Yiserbah" (siehe Downloadbereich) trefflich wiedergegeben, wenn auch zwischen den Zeilen der Schalk etwas übermütig lacht.

Die Mitte des 19. Jahrhunderts stand im Zeichen der Entwicklung des Verkehrs und der aufstrebenden Eisenindustrie, die wiederum den Kohlenbergbau anregte. Damals spürte man allenthalben die Veränderungen in der Struktur der Landschaft. Und so nimmt es denn nicht Wunder, wenn auch den Sauerländern ein herrliches Zukunftsbild mit einem Bahnhof in der Stadt vorschwebte, von dem aus man direkt nach Köln oder Kassel reisen konnte. Sie rechneten sich aus, welchen Vorteil sie von jenem Projekt haben würden.

Durch persönliche Initiative tatkräftiger Männer wie Friedrich Harkort bildeten sich Eisen-bahngesellschaften, u. a. die Bergisch-Märkische und die Köln-Mindener, welche 1847 verschiedene Bahnstrecken zwischen Rhein und Weser fertigstellten. Die ersten Ost-West-Linien gingen nördlich am Sauerland vorbei. Eine Ruhr-Sieg-Bahn wurde 1861 eröffnet, wobei sie an die seit 1848 bestehende Linie Dortmund - Hagen anschloss.

Um 1850 tauchten auch schon Pläne auf, die besonders von dem Regierungsrat Jacobi gefördert wurden. Unter dessen Leitung fand am 10. Juli 1856 in Arnsberg eine Versammlung aller am Bahnbau interessierten Landkreise, Gemeinden und Persönlichkeiten aus Industrie und Wirtschaft statt. Meschede war durch den Landrat von Devivere, den Amtmann Esser und die Fabrikanten Eickhoff, Wigge, M. Busch und Fr. Schaefer vertreten. Es wurde ein unter Leitung von Jacobi stehender Ausschuss gebildet, dem man die weiteren Arbeiten zur Förderung des Bahnbaus übertrug. Der Regierungsrat Jacobi war in den folgenden Jahren um die Bahnlinie eifrig und mit Erfolg bemüht. Über die Tätigkeit des Ausschusses liegen keine Unterlagen mehr vor.

Der Bahnhof 1932

Der Beginn der Ruhrtalbahn

Noch vergingen fast weitere zehn Jahre, ehe in der Ruhrtalbahn-Angelegenheit entscheidende Fortschritte erzielt wurden. Endlich fasste 1865 die Bergisch-Märkische Eisenbahngesellschaft nach erhaltener Konzession den Beschluss, die Ruhrtalbahn zu bauen und weiter durch das Diemeltal zu führen, um in Warburg den Anschluss an die Kasseler Bahn zu erreichen.

Die Bauarbeiten begannen im Jahre 1868 und machten gute Fortschritte, so dass man im Sommer 1869 bereits in die Gegend von Stockhausen gelangt war. Im September 1869 konnte das Stück von Laer bis Meschede in Angriff genommen werden. Bei dem Bau wurden viele fremde, vor allem italienische Arbeiter beschäftigt. Größere Schwierigkeiten machte die Herstellung der zwei Tunnel bei Glösingen und Freienohl, wobei es auch mehrere Unfälle gab.

In Freienohl sahen sich die Einwohner durch die Untertunnelung des Ortes in ihrer Wasserversorgung geschädigt, da die Brunnen nicht mehr genügend Grundwasser erhielten. Ihre Beschwerde wurde von der Eisenbahngesellschaft anerkannt und eine Entschädigung vor-geschlagen. Trotzdem kam es noch zu längeren Auseinandersetzungen. Erst nach dreijähriger Bauzeit wurde die Tunnelstrecke durch Freienohl zweigleisig .

Amtschild des Stationsvorstehers

In Wennemen musste wegen der Bahnlinie die Besitzung Kreft, ein Wohn- und Wirtschaftsgebäude, abgebrochen werden. Anfang 1870 wurde die Lieferung der eichenen Bahnschwellen für die Strecke Uentrop - Bestwig ausgeschrieben. Den Bahnhof Arnsberg erreichten am 7. Mai 1870 die ersten beiden Lokomotiven, nachdem eine behelfsmäßige Brücke bei Hüsten fertiggestellt worden war. Am 1. Juni 1870 konnte die Strecke Arnsberg - Schwerte dem Verkehr übergeben werden.

Bahnhofsbaracke nach dem Krieg, 1953

Die Schienen für das Stück Oeventrop - Bestwig sollten durch Landfuhrwerke von einer Ladestelle bei Uentrop zu verschiedenen Depots gefahren werden.

Wegen des Krieges verzögerte sich die Fertigstellung der Strecke Arnsberg - Meschede bis in das Jahr 1871. Am 17. Juni 1871 konnte die erste Lokomotive die Tunnel zwischen Oeventrop und Freienohl durchfahren, und endlich, am 15. Juli 1871, hatten die Mescheder Gelegenheit, das erste Dampfross auf dem noch unfertigen Bahnhof gebührend zu bewundern.

Nach der polizeilichen Abnahme der Strecke bis Meschede am 23. Oktober erwartete man mit Ungeduld den Tag der Eröffnung des Bahnverkehrs.

Zum 18. Dezember 1871 hatte die Stadt festlichen Flaggenschmuck angelegt, ebenso der Bahnhof und der Zug, welcher mit den auswärtigen Festteilnehmern von Arnsberg eingetroffen war. Die Lokomotive trug vorn das Wappen der Stadt Meschede. Der Bahnverkehr wurde mit einer Sonderfahrt nach Arnsberg eröffnet, das nach 30 Minuten Fahrtdauer erreicht war. Unterwegs hatte man nur kurz in Oeventrop, der damals einzigen Zwischenstation, gehalten. Auf dem Bahnhof Arnsberg wurde der Zug mit Musik festlich empfangen, ebenso bei der Wiederankunft in Meschede. Ein Festmahl im Hotel Schaefer bildete den glänzenden Abschluss der Eröffnungsfeier, wobei besonders der Wunsch laut wurde, dass bald die ganze Ruhrtalbahn bis Warburg vollendet werde.

Dazu bestanden auch die besten Aussichten, denn die Bauarbeiten schritten überall gut voran, und am 4. März 1871 war bereits nach einer Arbeitsdauer von 2 ¼ Jahren der Durchschlag des langen Tunnel bei Elleringhausen erfolgt.

Güterabfertigung, 1953

Auf die neue Bahnstrecke wurde nicht ohne Grund große Hoffnung für die Entwicklung von Handel und Industrie geknüpft.

Vor allem erwartete man die Verbilligung vieler Güter, die bisher durch den Frachtverkehr über die Landstraßen befördert wurden. Für die Fuhrleute und die Wirtshäuser an den Landstraßen bedeutete die neue Eisenbahn den Wegfall mancher Verdienstmöglichkeiten.

Auch in Meschede musste sich dies auswirken. Einen richtigen Bahnhof besaß Meschede bei der Eröffnung der Bahn noch nicht. Als Stationsgebäude wurde vorerst ein kleines Haus benutzt, dem man die Bezeichnung „Provisorium“ gab.

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